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Milchpulver-Skandal : Aktivist in China verurteilt

Im Jahre 2008 waren über 300.000 Kinder an Nierensteinen erkrankt Bild: AP

Im Jahre 2008 waren in China etwa 300.000 Kinder durch verseuchtes Milchpulver erkrankt. Nun wurde ein betroffener Vater zu einer Haftstrafe verurteilt, weil er soziale Unruhe geschürt habe. Er hatte eine Organisation zur Unterstützung der Eltern gegründet und im Internet über ihr Schicksal aufgeklärt.

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          Der Vater eines durch den Verzehr von verseuchtem Milchpulver erkrankten Kindes ist von einem chinesischen Gericht zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Der Aktivist Zhao Lianhai hatte sich für die Opfer des Lebensmittelskandals eingesetzt, der China im Jahr 2008 in Aufregung versetzt hatte. Die Pekinger Richter befanden den 38 Jahre alten Mann am Mittwoch für schuldig, soziale Unruhe geschürt zu haben.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Menschenrechtsgruppen und der Anwalt Zhaos kritisierten das harte Urteil. Amnesty International teilte mit, der Aktivist sei kein Krimineller, sondern jemand, der Kinder beschützen wollte. Zhao Lianhai hatte eine Organisation zur Unterstützung der Eltern gegründet, deren Kinder an Nierensteinen erkrankt waren. Er hatte unter anderem eine Internetseite betrieben, um über ihr Schicksal aufzuklären und Informationen zu sammeln. Zu seinen Forderungen gehörten eine bessere Entschädigung und medizinische Behandlung der Opfer.

          Verurteilter will in Hungerstreik treten

          Nach der Urteilsverkündung sollen sich laut der amerikanischen Hilfsorganisation Dui-Hua dramatische Szenen vor dem Gericht abgespielt haben. Zhao habe sich den Gefangenenanzug heruntergerissen und gegen seine Wächter gewehrt. Vor dem Gericht seien Familienmitglieder und Unterstützer in Tränen ausgebrochen. Der Verurteilte kündigte an, gegen das Urteil Berufung einlegen und in einen Hungerstreik treten zu wollen.

          Im Jahre 2008 waren in ganz China etwa 300.000 Kinder erkrankt. Sie hatten Milchpulver bekommen, das von den Herstellern mit der Industriechemikalie Melamin versetzt worden war, um einen höheren Proteingehalt vorzutäuschen. Mindestens sechs Kinder waren an den Folgen von Nierenerkrankungen gestorben. Zwar waren einige Unternehmer danach sogar zum Tode verurteilt worden, doch wird den Behörden vorgeworfen, an einer vollständigen Aufklärung des Skandals nicht interessiert gewesen zu sein.

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