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Comic-Held Goofy wird 90 : Er macht uns Micky Maus erträglich

Der greise Hinterwäldler in Hundegestalt: Goofy wird 90 Jahre alt. Bild: Picture Alliance

Der Hund mit dem ulkigen Lachen war stets als Nebenfigur gedacht und bekam nie eine eigene Serie. Dabei stahl Goofy mit seiner schusseligen Treuherzigkeit Mickey Maus oft die Schau.

          3 Min.

          Nie war Goofy älter als am ersten Tag seines Lebens. Vor neunzig Jahren kam „Mickey’s Revue“ in die amerikanischen Kinos, ein kurzer Trickfilm, der sich wie so häufig in den ersten Jahren der Disney-Produktionen um ein Konzert drehte, das Micky Maus dirigiert. Und das von irgendeinem Zuhörer rücksichtslos gestört wird. In diesem Fall von einem greisen Hinterwäldler in Hundegestalt mit Nickelbrille, der geräuschvoll seine Erdnüsse mampft und noch lauter sein glucksendes Gelächter ertönen lässt.

          Andreas Platthaus
          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Das war Goofys erster Auftritt, und er diente vor allem dazu, das Stimmtalent eines Synchronsprechers namens Pinto Colvig vorzuführen, der für Walt Disney so manches unvergessliche Geräusch hat erklingen lassen. Das charakteristischste davon war Goofys Lachen.

          Von „Dippy Dawg“ zu Goofy

          Diese Figur wurde im Film von seinen aufgebrachten Sitznachbarn verprügelt, aber gar nicht mit Namen angesprochen; im Drehbuch jedoch wurde sie als „Dippy Dawg“ (verrückter Hund) bezeichnet. Ihr erster Zeichner war Art Babbit, ein Disney-Mitarbeiter, der sich später mit seinem Chef überwerfen sollte, als er den großen Streik von 1941 anführte. Schon drei Jahre vorher hatte Pinto Colvig gekündigt. Die beiden eigentlichen Väter der Figur waren weg, aber in der Öffentlichkeit galt eh Walt Disney als Erfinder aller Figuren, die in seinen Filmen auftraten.

          Vater und Sohn: Goofy und Max in der gleichnamigen Serie aus dem Jahr 1995.
          Vater und Sohn: Goofy und Max in der gleichnamigen Serie aus dem Jahr 1995. : Bild: Picture Alliance/Buena Vista Pictures/Everett Collection

          Goofy sollte sich zu einer der berühmtesten entwickeln. Seinen letztgültigen Namen („goofy kann man mit „albern“ übersetzen) bekam er 1934 verpasst, in dem Kurzfilm „Orphan’s Benefit“, der eine von Micky Maus geleitete Wohltätigkeitsgala aus dem Ruder laufen lässt. Doch nicht Goofys wegen; der ist diesmal sogar Mitwirkender auf der Bühne: als ungeschickter Tänzer in einem Ballett-Trio, und entsprechend war er zum jungen Mann mutiert. In der Ankündigung der Nummer fällt zum ersten Mal sein neuer Name: Micky stellt ihn als Goofy vor. In den nächsten Jahren sollten beide zu unzertrennlichen Leinwandpartnern werden.

          Dritter im Bunde war damals Donald Duck. Er und Goofy hatten Charakterzüge von Micky Maus übernommen, die Walt Disney für seinen mittlerweile weltberühmt gewordenen Star nicht mehr opportun schienen. Ein Publikumsliebling durfte nicht schadenfroh sein; das war fortan stattdessen Donald. Und auch nicht tölpelhaft; diese Rolle übernahm nunmehr Goofy. Dadurch wurde die Hauptfigur aber immer langweiliger, während ihren beiden Gefährten die Lacher der Kinozuschauer sicher waren. Konsequenterweise bekamen beide am Ende der dreißiger Jahre ihre eigenen Filmreihen, in denen nun sie die Hauptrollen spielten.

          Stets im Schatten? Goofy gilt als eine der beliebtesten Nebenfiguren.
          Stets im Schatten? Goofy gilt als eine der beliebtesten Nebenfiguren. : Bild: Picture Alliance/Disney

          Goofy hat seitdem fast sechzig solcher Soloauftritte bestritten, und die erfolgreichsten darunter verdankten sich einem erstaunlichen Imagewechsel: Aus dem trotteligen Hinterwäldler wurde eine gutbürgerliche Existenz, die immer wieder an der eigenen Expertise scheitert. „How to Ride a Horse“ war 1950 der Auftakt dazu, und erst 2021 erfolgte der bislang letzte Auftritt dieser Art: „How to Stay at Home“, in dem Goofy versucht, mit den Isolationsregeln der Corona-Pandemie zurechtzukommen.

          Diese Paraderolle als erfolgloser Ratgeber ist aber auf die Filme beschränkt. In den Comics ist Goofy gewissermaßen auf dem Stand der mittleren dreißiger Jahre eingefroren und weiterhin der ewig schusselige Partner des Saubermanns Micky Maus. Das liegt daran, dass Goofy erst mit seinem beginnenden Erfolg als Kinofigur in die Comics übernommen wurde, und zwar in die von Floyd Gottfredson für Zeitungen gezeichneten Micky-Maus-Fortsetzungsgeschichten, die Abenteuer erzählten, keine Humoresken. Dort wurde er im Gegensatz zu Donald Duck nie beliebt genug, um seine eigene Serie zu erhalten. Also blieb er in den Comics Micky treu, und Goofys unbedarfte Präsenz macht die unfehlbare Maus überhaupt nur erträglich.

          Kein Wunder, dass er es war, der unter allen Disney-Figuren ausgesucht wurde, als es darum ging, eine Parodie auf die Superhelden-Comics zu schaffen. 1965 fand der erste Auftritt von Supergoof statt, jener in rotem Unterwäscheeinteiler gekleideten Geheimexistenz, die ihre Flugfähigkeit und sonstigen Kräfte dem Konsum einer bestimmten Erdnusssorte verdankt – eine sehr witzige Reminiszenz an den allerersten Auftritt der Figur vom Mai 1932.

          Die Diskrepanz zwischen dem trotteligen Goofy und seiner heroischen Zweitidentität kam so gut an, dass in den siebziger Jahren historische Gestalten von Goofy verkörpert (und veralbert) wurden: Leonardo da Vinci, Christoph Kolumbus, Johannes Gutenberg oder Ludwig van Beethoven, um nur wenige zu nennen.

          Mit Goofy kann man alles machen. Und dass die Zeichner das auch tun, das hat ihn jung gehalten. Seine neunzig Jahre sieht man ihm nicht an.

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