https://www.faz.net/-gum-12xck

Nachruf auf Michael Jackson : Der geheimnisvollste Popstar aller Zeiten

  • -Aktualisiert am

Oft versteckt hinter einer Sonnenbrille: Der eigenwillige und geheimnisvolle Jackson Bild: REUTERS

Erfolgreich war er, massenwirksam, eigenwillig und vor allem eines: geheimnisvoll. Niemand, der seine Karriere mitverfolgt hat, hätte damit gerechnet, dass es mit ihm ein anderes als ein spektakuläres Ende nehmen würde.

          1 Min.

          So überraschend und bestürzend diese Nachricht ist - wohl niemand, der die Karriere dieses Mannes, der nur fünfzig Jahre alt wurde, mitverfolgt hat, hätte damit gerechnet, dass es mit ihm ein anderes als ein spektakuläres, frühes Ende nehmen würde. Als Musiker war er lange schon tot - als Mensch war es noch länger, vermutlich seit dem Zeitpunkt, an dem ruchbar wurde, dass er sich zu Kindern mehr hingezogen fühlte als Erwachsenen, unter denen er sich, laut eigener Auskunft, immer fremd fühlte.

          Edo Reents
          Redakteur im Feuilleton.

          Trotz des Freispruchs in einem quälenden Kinderschänderprozess vor einigen Jahren war Michael Jackson die letzten Jahre ein gebrochener Mann, der immer noch zehrte von dem einzigartigen Ruhm aus den achtziger und frühen neunziger Jahren, der auf dem Zenit seines Schaffens seine Hautfarbe änderte und damit seine alte leugnete, der bald immer wunderlicher wurde, sich maskierte, immens viel Geld verbrauchte, sich Affen hielt, irgendwann seine phantastische Neverland-Ranch, diese Zuflucht für eine durch und durch künstliche Unschuld, verkaufen musste und schließlich die von der Welt wohl eher bang als freudig erwartete Rückkehr auf die Bühne, die kommenden Monat in London hätte stattfinden sollen, um eine Woche verschob.

          Musikalische Großtat mit „Thriller“

          Ob aus gesundheitlichen oder anderen Gründen, das spielt nun keine Rolle mehr; man hätte es ohnehin kaum noch für möglich gehalten, dass er jemals wieder dorthin zurückkehrte, wo er sich nach eigener Auskunft zeitlebens am wohlsten und überhaupt zu Hause fühlte.

          Michael Jackson ist also tot, und die Erinnerung an seine musikalischen Großtaten, die in dem Album „Thriller“ von 1982 ihren von keinem anderen Unterhaltungskünstler erreichten Höhepunkt fanden, verblasst merkwürdigerweise angesichts des Schocks, den diese Nachricht bedeutet. Zu trauern haben wir um den erfolgreichsten, massenwirksamsten und doch, das macht ihn neben vielem anderen so besonders, eigenwilligsten, geheimnisvollsten Popstar aller Zeiten, der nie die Chance hatte zu erfahren, was ein normales menschliches Leben ist.

          Weitere Themen

          „Sei nicht dieser Typ“

          Gewalt gegen Frauen : „Sei nicht dieser Typ“

          In Schottland sorgt eine Kampagne der Polizei gegen sexuelle Gewalt gegen Frauen für Aufsehen: Sie richtet sich explizit an Männer und fordert sie auf, ihr Verhalten zu reflektieren.

          Topmeldungen

          Woran festhalten, was erneuern? Hendrik Wüst blickt nach vorne.

          Kritik an Parteispitze : Die Abrechnung der Jungen Union

          Fehlende thematische Positionierung, Störfeuer aus Bayern und eine Kampagne, die zum Teil „nur noch zum Haare raufen“ gewesen sei: Der Parteinachwuchs ist beim Deutschlandtag gereizt.
          Die unbekannte Oberschicht, hier mal wieder reduziert auf maßlos überteuerte Handtaschen.

          Soziologie : Unbekanntes Wesen Oberschicht

          Anders als die Gruppe der Niedrigverdiener und die Mittelklasse ist die reiche Oberschicht soziologisch kaum erforscht. Umso trefflicher lässt sich darüber streiten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.