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Musikrechte : Das Erbe des King of Pop

Bild: www.songwriter.co.uk/

Michael Jackson hatte mit Elvis Presley vieles gemeinsam. Auch der hatte einen verschwenderischen Lebensstil und Finanzprobleme. Doch Jackson hatte mehr Sinn für gute Deals. Ihm gehörte einer der größten Musikverlage. Rechte vieler Beatles-Lieder gehören dazu.

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          Der „King of Pop“ Michael Jackson, der am Donnerstag überraschend starb, hatte mit dem anderen König der Popmusik vieles gemeinsam. Eines unterschied ihn aber von Elvis Presley: Sein Geschäftssinn. Presley, der sich nie erkennbar für geschäftliche Dinge interessiert hatte, verkaufte 1974, drei Jahre vor seinem Tod, die Rechte an allen seinen Aufnahmen an seine Plattenfirma RCA. Das Plattenlabel soll dafür nur den Spottpreis von 5,5 Millionen Dollar bezahlt haben. Ein denkbar schlechtes Geschäft für den „King“, der damals unter Geldsorgen litt. Michael Jackson hat mit Presley zwar dessen verschwenderischen Lebensstil und notorische Finanzprobleme gemeinsam. Doch Jackson hatte gleichwohl mehr Sinn für gute Deals.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Für den wertvollsten Vermögensgegenstand den der Geschäftsmann Michael Jackson hinterlässt, wird es viele Interessenten geben: Der Musikverlag Sony-ATV, gehörte Jackson zur Hälfte, die andere ist in Händen des japanischen Elektronikriesen Sony. Musikverlage sind Dienstleister, die für Komponisten und Songschreiber die Rechte an ihren Werken vermarkten. Sie kassieren die Tantiemen, wenn ein Lied im Radio gespielt und vergeben die Lizenzen wenn, etwa ein Werbespot mit einer urheberrechtlich-geschützten Melodie unterlegt werden soll. Sony-ATV hält die Rechte an rund einer halben Million Liedern, darunter Werke von zahlreichen Weltstars.

          Wertvoll sind vor allem die Rechte an den Beatles-Klassikern

          Geschäftszahlen sind in der wenig transparenten Verlagsbranche rar, doch ist Sony-ATV einer der drei Marktführer in diesem Geschäft, wenn auch klar hinter der Nummer eins, der britischen EMI. Branchenkenner haben den Wert des Unternehmens zuletzt auf mehr als eine Milliarde Dollar geschätzt. Als Jackson das Vorgängerunternehmen ATV 1985 kaufte, hat er dafür nur knapp 50 Millionen Dollar bezahlt.

          Im Portfolio von Sony-ATV liegen Schätze der Popmusikgeschichte. Titel von Bob Dylan sind darunter und von Leonard Cohen. Wertvollstes Stück ist der sogenannte Northern-Song-Katalog, benannt nach der Rechtefirma, der beiden Beatles John Lennon und Paul McCartney. Die beiden Köpfe der Beatles haben zwar viele ihrer Lieder nicht zusammen geschrieben, aber für alle gemeinsam als Komponisten firmiert. Und so kontrolliert Sony-ATV die Rechte der allermeisten Beatles-Klassiker von „Love me do“ über „Yesterday“ und „Hey Jude“ bis „Let it be“. Es ist der wertvollste Künstler-Katalog, den es im Musikgeschäft gibt.

          Zukunft ungewiss

          Ein Sprecher von Sony-ATV wollte sich am Freitag auf Anfrage nicht zur Zukunft des Unternehmens nach Jacksons Tod äußern. „An diesem Tag verbietet es der Respekt vor Michael Jacksons Lebenswerk, über diese Dinge zu reden“, sagte er. Dass Sony den Kauf der anderen Hälfte am Unternehmen ernsthaft erwägen wird, ist allerdings sehr wahrscheinlich. Konzernchef Howard Stringer baut das Musikgeschäft entschlossen aus. Erst vor kurzem kaufte Sony den Gütersloher Bertelsmann-Konzern als Partner der gemeinsamen Tonträgerfirma Sony-BMG aus, dem weltweit zweitgrößten Plattenkonzern. Auch im Verlagsgeschäft von Sony-ATV waren die Japaner zuletzt auf Expansionskurs und kauften mehrere wertvolle Rechtekataloge zu.

          Das Musikverlagsgeschäft ist im Vergleich zum Tonträgergeschäft hoch attraktiv. Die CD-Verkäufe schrumpfen seit zehn Jahren drastisch, was die Branche auf kostenlose Internettauschbörsen und Raubkopierer zurückführt. Die Einnahmen der Verlage wachsen dagegen. Und so dürften sich für die Beteiligung an Sony-ATV noch mehr Interessenten finden. Bertelsmann zum Beispiel hat sich zwar eigentlich aus der Musikindustrie gerade erst zurückgezogen, erwägt nun aber die Rückkehr in das solide Verlagsgeschäft. Unklar ist, ob Sony ein Vorkaufsrecht auf die Jacksons Hälfte am Unternehmen hat. Und offen ist auch, wer über diese Beteiligung überhaupt wirtschaftlich verfügen darf. Der Weltstar hat das Paket vor einigen Jahren als Sicherheit für einen Kredit der Bank of America hinterlegt.

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