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Michael Jackson : Verletzungen einer langen Karriere

  • -Aktualisiert am

Eine Gedenkshow für Michael Jackson: die BET Awards Bild: REUTERS

Schwarze Künstler haben den „schwarzen Mann“ Michael Jackson gefeiert. Fast zur gleichen Zeit tauchten Berichte über den jammervollen körperlichen Zustand des „King of Pop“ auf. Nun werden auch die Kinder zu Figuren in dem gespenstischen Drama von Jacksons Tod.

          „Es gibt keinen Grund, traurig zu sein. Wir feiern diesen schwarzen Mann“, rief Gastgeber Jamie Foxx bei den BET („Black Entertainment Television“) Awards in Los Angeles. Die Veranstaltung, bei der schwarze Künstler ausgezeichnet werden, geriet zur emotionalen Hommage an den „schwarzen Mann“ Michael Jackson, der doch seinem Körper und seiner Hautfarbe mit allen Mitteln zu entfliehen suchte. „Derzeit ist er größer als je zuvor“, sagte der Patriarch des Jackson-Clans, Joseph Jackson, bei der Preisverleihung. „Für euch ist er eine Ikone, für uns ist Michael Familie“, sagte Michaels Schwester Janet Jackson.

          Fast zur gleichen Zeit tauchten Berichte über den jammervollen körperlichen Zustand des „King of Pop“ auf. An seinem dürren Körper sollen etliche Narben von kosmetischen Operationen und Einstichstellen von Schmerzmittelinjektionen sein, berichtet das britische Boulevardblatt „The Sun“. In Jacksons Magen hätten sich die Reste teilweise aufgelöster Tabletten befunden. Die Zeitung will an die Ergebnisse der ersten, offiziellen Obduktion vom vergangenen Freitag gelangt sein. Danach wog der 50 Jahre alte Sänger bei einer Größe von 1,77 Metern kaum mehr als 50 Kilogramm.

          Gebrochene Rippen und jede Menge Einstichstellen

          „Das war sein Kampfgewicht“, hatte zuvor Kenny Ortega behauptet, der Choreograph, der mit Michael Jackson in Los Angeles für die im Juli anstehenden Londoner Konzerte geprobt hatte. Wie nach einem langen, mühsamen Kampf muss jedenfalls Jacksons Leichnam ausgesehen haben, wenn man den Berichten der „Sun“ glauben darf: Bei der erfolglosen Herzmassage wurden ihm einige Rippen gebrochen. In der Herzregion befanden sich vier Einstichstellen von Spritzen. Angeblich hat man durch Adrenalininjektionen versucht, das Herz des Popstars wieder zum Schlagen zu bringen.

          Janet Jackson bedankte sich für die Unterstützung

          Hinzu kommen die Spuren von Verletzungen, die Jackson im Laufe seiner Karriere erlitten hat. Schnittwunden am Rücken, Blessuren an Knien und Schienbeinen. Und eine kahle Stelle am Kopf von Verbrennungen während Werbeaufnahmen in den achtziger Jahren, die Jackson mit einer Perücke verdeckte.

          „Wie in Trance“ zugeschaut

          Auch Jacksons Kinder, die der Popstar in den vergangenen Jahren massiv von der Öffentlichkeit abgeschirmt hatte, werden zu Figuren in dem gespenstischen Drama von Jacksons Tod. „Prince“ Michael, der älteste Sohn des Sängers, habe gedacht, sein Vater mache Späße, als er vergangenen Donnerstag im Wohnzimmer seiner Villa in Los Angeles zusammengebrochen sei, berichtet die „New York Post“ unter Berufung auf die Jackson-Biographin und angebliche Familienfreundin Stacy Brown. Als Jacksons Arzt, der Kardiologe Conrad Murray, verzweifelt versucht habe, Jackson durch Herzmassage zu retten, habe der Zwölfjährige „wie in Trance“ zugeschaut.

          Dagegen berichten Murrays Anwälte, der Arzt habe Jackson an seinem Todestag bewusstlos auf dem Bett liegend entdeckt. Der Kardiologe habe noch einen schwachen Puls gefühlt und mit Herz-Lungen-Wiederbelebung begonnen, teilte der texanische Strafverteidiger Edward Chernoff mit. Er hatte Murray am Samstag zur Polizei begleitet, die den Arzt als Zeugen vernahm. Berichte, dass Jackson wenige Stunden vor seinem Tod Schmerzmittel gespritzt worden seien, wies Chernoff als falsch zurück. „Da war kein Demerol. Kein Oxycontin“, behauptete der Anwalt.

          Bisher kein Testament

          Vater Joseph Jackson will sich mit diesen Versicherungen jedoch nicht zufriedengeben. „Ich habe große Bedenken, aber ich kann darüber jetzt nicht sprechen“, antwortete er in einem Interview ausweichend auf Fragen nach der Rolle von Jacksons Ärzten. In dem sich anbahnenden Streit darüber, wer nun Michael Jacksons Interessen vertritt, ließ Joseph Jackson mitteilen, allein er und seine Frau Katherine seien befugt, für den Sänger und seine Kinder zu sprechen und zu handeln. Ob das stimmt, ist unklar. Ein Testament von Michael Jackson habe man bislang nicht entdeckt, sagte der Prominentenanwalt L. Londell McMillan, von dem sich der Jackson-Clan mittlerweile vertreten lässt. Für Vorbereitungen von Gedenkveranstaltungen zu Ehren des Sängers hat die Familie den New Yorker Bürgerrechtsveteranen Al Sharpton nach Los Angeles kommen lassen. Sharpton sprach vage von einer möglichen Veranstaltung an diesem Dienstagabend am Apollo Theater in Harlem, wo Jacksons Karriere begann.

          Auch der Milliardär Thomas Barrack, der Jacksons legendäre Neverland-Ranch vergangenes Jahr durch ein Joint Venture mit dem Sänger vor der Zwangsversteigerung rettete und gegenwärtig instand setzen lässt, will dazu beitragen, das Andenken an den „King of Pop“ zu wahren. Ob Jacksons fadenscheinige Neverland-Märchenwelt zu einer Pilgerstätte für Fans werden wird, ähnlich wie Elvis Presleys Graceland, ist nach Auskunft eines Sprechers von Barrack aber noch nicht entschieden.

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