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Michael Jackson tot : „Die Familie glaubte, dass Michael süchtig war“

  • Aktualisiert am

Trauer auch in London: Michael Jackson-Fans Bild: dpa

Einen Tag nach dem Tod Michael Jacksons häufen sich Berichte über einen möglicherweise langjährigen Medikamentenmissbrauch des Stars. „Die Familie glaubte, dass Michael süchtig war“, zitierte die Zeitschrift „People“ eine Quelle aus Jacksons Umfeld.

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          Einen Tag nach dem überraschenden Tod häuften sich in den amerikanischen Medien Berichte über einen möglicherweise langjährigen Medikamentenmissbrauch des Stars. Jackson habe zuletzt täglich eine Spritze mit dem morphiumähnlichen Medikament Demerol erhalten, berichtete tmz.com unter Berufung auf ein „enges Mitglied“ der Familie.

          Laut Polizei konnten diese Berichte zunächst nicht bestätigt werden. Der Zeitschrift „People“ zufolge schritten Angehörige schon vor drei Jahren ein, um den Megastar von einem gefährlichen Tablettenkonsum abzubringen. „Die Familie glaubte, dass Michael süchtig war“, zitierte die Zeitschrift eine Quelle aus Jacksons Umfeld.

          Fremdeinwirkung ausgeschlossen

          Beim Tod Michael Jacksons wird nach der Autopsie eine Fremdeinwirkung ausgeschlossen. Die Gerichtsmediziner warten zur endgültigen Klärung der Todesursache auf den toxikologischen Befund, der möglicherweise erst in sechs Woche vorliegen wird.

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          Nach Informationen der Nachrichtenagentur AP erlitt der 50 Jahre alte „King of Pop“ vermutlich einen Herzinfarkt. Der Leichnam wurde am Freitag der Familie übergeben. Ein Termin für Jacksons Beerdigung wurde noch nicht bekanntgegeben.

          Ein Sprecher der Gerichtsmedizin in Los Angeles, Craig Harvey, verwies nach der Autopsie am Freitag darauf, dass Jackson noch nicht näher bestimmte Medikamente zu sich genommen habe. Sein Arzt, ein Kardiologe, sei am Donnerstag und Freitag kurz befragt worden, teilten die Behörden mit.

          Polizei: Jacksons Arzt kein Verdächtiger

          Die Polizei von Los Angeles betonte, der Arzt sei kein Verdächtiger. „Wir betrachten ihn nicht als unkooperativ“, sagte ein Polizeisprecher. „Wir denken, er wird uns in den nächsten Tagen dabei helfen, die Wahrheit in diesem Fall ans Licht zu bringen.“

          Der Arzt, der Jackson seit drei Jahren behandelte, hatte versucht, den zusammengebrochenen Jackson am Donnerstag mit einer Herzmassage wiederzubeleben. Der Künstler, der sich mit anstrengenden Tanzübungen auf sein Comeback in 50 Londoner Stadionshows ab Mitte Juli vorbereitet hatte, starb wenig später nach seiner Einlieferung in eine Klink in Los Angeles.

          Inzwischen kamen Jacksons Eltern und einige seiner Brüder mit der Polizei auf dem Anwesen zusammen. Dort war das Auto des Arztes, der Michael ständig begleitet und ihn nach seinem Zusammenbruch wiederzubeleben versucht hatte, nach dem Tod beschlagnahmt worden. Der Internetdienst tmz.com berichtete am frühen Samstag, dass die Polizei „Beweismaterial“ in dem Fahrzeug vermutet. Harvey hatte vor Journalisten bestätigt, dass Jackson verschreibungspflichtige Medikamente genommen hatte.

          Notruf veröffentlicht

          Eine Aufzeichnung des Notrufs aus Jacksons Haus an die Polizei wurde am Freitag veröffentlicht. „Er atmet nicht“, sagt eine Männerstimme. „Er ist bewusstlos“. Sie seien dabei, den Patienten auf seinem Bett wiederzubeleben, hört man weiter. Aber „er reagiert auf gar nichts“. Die Identität des Anrufers war zunächst nicht bekannt. Der Notruf-Koordinator wies ihn an, den Patienten auf den Boden zu legen. Der harte Untergrund sei besser geeignet für Wiederbelebungsversuche, erläuterte ein Kardiologe später bei CNN.

          Nur 24 Stunden nach dem Tod des dreifachen Vaters zeichnete sich ab, dass es zur eine Auseinandersetzung um das Sorgerecht für seine Kinder kommen könnte. Debbie Rowe, die leibliche Mutter der beiden älteren Kinder, hat ein Anrecht auf die Kinder. Dies sagte Rowes frühere Anwältin Iris Finsilver am Freitag der Zeitschrift „People“. Sie berief sich auf die kalifornische Rechtslage. Jackson und Rowe hatten sich 2006 nach einem jahrelangen Sorgerechtsstreit geeinigt, Einzelheiten wurden damals aber nicht bekannt.

          Alle drei Kinder sind derzeit in der Obhut ihrer Großmutter. „Mrs. Jackson liebt die Kinder und sie wird sich nun um sie kümmern“, sagte Brian Oxman, langjähriger Anwalt der Jackson-Familie, über Jacksons Mutter Katherine. Die Familie werde mit allen Mitteln darum kämpfen, dass die Kinder bei ihr blieben, kündigte tmz.com unter Berufung auf Angehörige an.

          Obama würdigt Jacksons Lebenswerk

          Die Flut von Würdigungen reißt derweil nicht ab. Der amerikanische Präsident Barack Obama bezeichnete Jackson am Freitag als „spektakulären Künstler“ und als „Musik-Ikone“. Das Repräsentantenhaus legte zu Ehren des Musikers eine Schweigeminute ein. Jackson werde „auf ewig in meinem Herzen weiterleben, aber das wird nicht genug sein“, sagte Hollywoodstar Elizabeth Taylor. „Ich liebte Michael mit meiner ganzen Seele und ich kann mir ein Leben ohne ihn nicht vorstellen“.

          Fans in aller Welt setzten ihre Trauerbekundungen fort. Jacksons Stern auf dem „Hollywood Walk of Fame“ wurde am Freitag mit Blumen, Kerzen und Ballons überhäuft. In London trafen sich Hunderte Fans am Freitagabend zu einem gemeinsamen „Moonwalk“. Mit diesem Tanz, einem Markenzeichen Jacksons, wollten sie an den Popstar erinnern. Jackson wollte in London am 13. Juli seine Comeback-Tournee starten.

          Heftige Nachfrage nach CDs

          Mehrere hundert Trauernde zogen am Freitag zum Anwesen der Jackson-Familie nach Los Angeles. Die Trauernden legten Blumen und Textbotschaften nieder.

          Auch am Stern zu Ehren des Sängers auf dem Walk of Fame in Hollywood wurden Blumen niedergelegt. Der Tod Michael Jacksons löste eine heftige Nachfrage nach seinen CDs aus. Mehrere Plattengeschäfte teilten mit, alle Aufnahmen seien ausverkauft.

          Beim Online-Shop Amazon.com waren alle zehn Musikalben der Bestsellerliste am Freitag von Michael Jackson, angeführt von dem 1982 erschienenen Werk „Thriller“.

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