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Michael Jackson : Eine letzte Dosis Demerol

  • -Aktualisiert am

Trauer auch in London: Michael Jackson-Fans Bild: dpa

Zwei Tage nach dem Tod von Michael Jackson werden weitere Details über seine Tablettenabhängigkeit bekannt. Die Sucht soll damit begonnen haben, dass ihm 1984 nach einem Unfall bei Werbeaufnahmen für Pepsi Demerol verschrieben worden war - ein Schmerzmittel mit opiumähnlicher Wirkung.

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          „Das werden meine letzten Shows sein. Das wird es sein. Wenn ich sage, das ist es, dann meine ich wirklich, das ist es.“ Rückblickend klingt es fast so, als habe Michael Jackson im Frühjahr, als er die geplanten Konzerte in London ankündigte, schon eine böse Ahnung gehabt.

          Der Tod des fünfzig Jahre alten Popsängers, dessen Musik ebenso legendär wie sein exzentrischer Lebensstil war, kam plötzlich, aber nicht überraschend. Nun, da es zu spät ist, gibt es lautstarke Klagen von sogenannten Vertrauten und Freunden, die schon lange mit dem Schlimmsten gerechnet haben.

          „Wenn die Obduktionsergebnisse vorliegen, wird die Hölle losbrechen“

          „Ich habe jeden gewarnt, und siehe da, da haben wir es“, empörte sich Brian Oxman, Anwalt von Jackson, der sogleich als „Freund der Familie“ vor die Mikrofone und Kameras trat. Oxman ist überzeugt, dass Jackson Opfer von Medikamentenmissbrauch geworden ist - und Opfer der zahlreichen Leute, die noch von dem selbsternannten „King of Pop“ profitieren wollten, als dieser längst zur bedauernswerten Karikatur seiner selbst geworden war.

          Vielleicht erfährt er nun etwas Seltenes: Mitleid

          Der skandalöse Medikamententod der 2007 verstorbenen Anna Nicole Smith sei „nichts“ gegen das, was mit Jackson passiert sei, meinte der Anwalt in Anspielung darauf, dass die 39 Jahre alte Blondine von jenen, die es angeblich gut mit ihr meinten, mit Pillen versorgt worden war. Jackson habe „zu jeder Zeit“ verschreibungspflichtige Medikamente gehabt.

          „Wenn die Obduktionsergebnisse vorliegen, wird die Hölle losbrechen“, orakelte Liza Minnelli, die selbst Erfahrungen mit Alkohol- und Medikamentensucht hat. Die Gerichtsmediziner in Los Angeles schlossen am Freitag aus, dass Jackson durch Gewalteinwirkung oder Fremdverschulden gestorben sei. Die Todesursache müsse durch weitere Untersuchungen geklärt werden; mit den Ergebnissen sei erst in einigen Wochen zu rechnen.

          Zeit für Spekulationen

          Bis dahin bleibt also reichlich Zeit für Spekulationen. Jacksons früherer Manager und Freund Tarek Ben Amar meint, die Schuldigen schon zu kennen: „kriminelle Ärzte“, die „von Jacksons Hypochondrie lebten und ihm Tausende und Abertausende Dollar für Medikamente und Vitamine abknöpften“, so Amar in einem Radiointerview. Einer von Jacksons Ärzten wurde am Tag nach dem Tode des Musikers von der Polizei in Los Angeles gesucht.

          Nicht weil er einer Straftat verdächtig sei, so Polizeisprecherin Karen Rayner. Aber die Gerichtsmediziner würden gern mit Conrad Robert Murray reden. Der aus Texas stammende Arzt wohnte offenbar bei Jackson im Haus. Den vor dessen Villa geparkten BMW des Kardiologen hatte die Polizei gleich am Donnerstag beschlagnahmt. Womöglich, so die Polizeisprecherin, befänden sich darin Medikamente oder andere Hinweise darauf, warum Jacksons Herz am Donnerstagmittag plötzlich aufhörte zu schlagen.

          Was genau in der Nobelvilla in Holmby Hills passierte, ist immer noch ein Rätsel. Fest steht, dass ein Notruf von dort um 12.21 Uhr (Ortszeit) die Rettungsleitstelle erreicht. Der Musiker sei bewusstlos, atme nicht und reagiere auch nicht auf die Reanimierungsversuche, die der anwesende Arzt unternehme, heißt es in dem Protokoll zu dem Anruf. Minuten später treffen die Rettungssanitäter ein. Sie behandeln Jackson 42 Minuten, bevor er ins nahe gelegene Krankenhaus UCLA Medical Center gebracht wird.

          Eine letzte Dosis Demerol

          Die Ärzte versuchen mehr als eine Stunde lang, Jackson wiederzubeleben - vergeblich. Um 14.26 Uhr (Ortszeit) wird der „King of Pop“ für tot erklärt. Als „eindrucksvollen Künstler“ und „Musikikone“ werde Präsident Barack Obama ihn in Erinnerung behalten, sagte Präsidentensprecher Robert Gibbs. Doch habe es auch Abschnitte im Leben Jacksons gegeben, die „schlimm und tragisch“ gewesen seien.

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