https://www.faz.net/-gum-wy33

Jahrgang 1958 : Wer, zur Hölle, hat denn mehr Sex?

Madonna und Mrs Stone - die beiden regierenden Blondinen Bild: AFP

Von Madonna und Prince über Sharon Stone und Michelle Pfeiffer bis hin zu Michael Jackson und Andie MacDowell: All die jungen Leute werden plötzlich fünfzig. Wie 1958 zum herrschenden Jahrgang wurde.

          An diesem Samstag ist Prince Rogers Nelson, der Künstler, der früher mal bekannt war als der Künstler, der früher mal als Prince bekannt gewesen ist, fünfzig Jahre alt geworden. Ob er gefeiert hat; und wenn ja: so wie früher, also mit Drogen, Sex und hochgedrehten Verstärkern – darüber ist uns nichts bekannt; wir waren jedenfalls nicht eingeladen.

          Claudius Seidl

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Dabei hätte es so viel zu besprechen gegeben: nicht nur das eine oder andere unterschätzte und fast vergessene Album, „Come“ zum Beispiel aus dem Jahr 1994; oder die ultrahocherhitzte Platte „Controversy“, die, seit sie 1981 herauskam, kaum gealtert ist. Nein, man hätte mit dem Geburtstagskind auch gern über Haare gesprochen und warum sie ihm nicht ausfallen; über Sport, Ernährung, tägliche Meditation oder was sonst das Geheimnis seines jugendlichen Gesamtzustandes ist. Über die Zeugen Jehovas, zu denen er seit kurzem gehören soll. Und natürlich über Jean Améry, der in seinem großen, dunklen Essay „Über das Altern“ behauptet hat, mit fünfundvierzig fange alles schon an: das Alter, der Abstieg, der Selbstverlust.

          Der erste Star des Hip-Hops

          Wir sind auch nicht auf den Feiern von Sharon Stone, Paul Weller und Michelle Pfeiffer gewesen, bei denen es in diesem Frühjahr so weit war; die Einladung für den 16. August, wenn Madonna endlich fünfzig wird, ist noch nicht eingegangen. Und ob der Künstler, der früher unter dem Namen King of Pop bekannt war, ob Michael Jackson, der knapp zwei Wochen jünger ist, etwas zu feiern haben wird, das weiß er vermutlich selber nicht.

          Madonna und Mrs Stone - die beiden regierenden Blondinen Bilderstrecke

          Macht ja nichts, ganz verkehrt wird es schon nicht sein, wenn man dieses Phänomen, diese verrückte und verwirrende Koinzidenz, diesen Sternenhaufen im Universum der Biographien erst einmal einer nüchternen Betrachtung unterzieht: Wenn dieses Jahr zu Ende geht, werden nicht nur die drei größten Popstars der Achtziger ihren fünfzigsten Geburtstag hinter sich haben. Auch jene Schauspielerinnen, die unserem Bild von der modernen Frau die nötige Tiefe und im Glücksfall auch die Schärfe verliehen haben, auch Andie MacDowell und Holly Hunter, Jamie Lee Curtis und Madeleine Stowe, Ellen DeGeneres und Angela Bassett und, wie erwähnt, Michelle Pfeiffer und Sharon Stone sind 1958 geboren. Es ist der Jahrgang, dem auch Alec Baldwin und Kevin Bacon angehören, Gary Oldman und Viggo Mortensen, Tim Robbins und Michael Madsen. Und natürlich Grandmaster Flash, der erste Star des Hip-Hops, Ice-T, der Pionier des Gangsta-Raps.

          Testosteronbefeuerte Auftritte

          Martin Fry, der Sänger von ABC, wurde 1958 geboren, wie Jello Biafra, der mit den Dead Kennedys ganz Amerika erschreckte. Und so könnte man allein die Namen derer, die ihrer Jugend ein Gesicht und eine Stimme, einen Körper, einen Rhythmus und ein paar Melodien gaben (also nur mit den Schauspielern und Musikern und ganz ohne Michel Houellebecq) noch in eine ganze Zeitungsspalte tropfen lassen. Und käme doch zu keinem anderen Befund: Es scheint weniger etwas Besonderes an diesem Jahrgang zu sein, eher etwas Typisches (fast möchte man sagen: etwas Paradigmatisches). Unter den Jahrgängen scheint 1958 das zu sein, was Hip-Hop in der Popmusik ist, der Klimawandel unter den Naturkatastrophen oder Aids unter den Krankheiten. Irgendwann in den frühen Achtzigern waren sie fast alle da. Und seitdem weigern sie sich, abzutreten.

          Weitere Themen

          Sprengmeister machen Parkhaus platt Video-Seite öffnen

          Flughafen Tampa : Sprengmeister machen Parkhaus platt

          Von einem Parkhaus am internationalen Flughafen Tampa im amerikanischen Bundesstaat Florida blieb nach wenigen Sekunden nur noch Schutt und Asche übrig. Das Gebäude einer Autovermietung wurde kontrolliert zur Explosion gebracht.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.