https://www.faz.net/-gum-12wfw

Jackson-Manager Marcel Avram : „Alles in seinem Leben war ein Spiel“

  • Aktualisiert am

Trauert um einen Freund: Konzertveranstalter Marcel Avram Bild: dpa

Konzertveranstalter Marcel Avram hat für Michael Jackson fünf Welttourneen organisiert und nannte ihn einen Freund. Mit Oliver Georgi sprach er über das Außergewöhnliche am „King of Pop“, seine Gesundheitsprobleme und die gescheiterten Comeback-Pläne.

          Herr Avram, Sie haben für Michael Jackson fünf Welttourneen produziert und sich immer als seinen Freund bezeichnet. Wie haben Sie seinen Tod erlebt?
          Sein Tod hat mich unglaublich hart getroffen. Der Mann war der größte Musikkünstler unserer Zeit. Von seinen 50 Lebensjahren war er 45 Jahre im Musikgeschäft; er hat die meisten Alben weltweit verkauft, konnte tanzen wie kaum ein anderer und hat die besten und teuersten Musikvideos auf der Welt gemacht. Er war einfach in jedem Feld die Nummer eins. Der Mann war ein Genie, eine Ikone unserer Zeit. Der Verlust ist kaum zu beziffern.

          Wann haben Sie ihn zum letzten Mal gesehen?
          Vor zwei drei Monaten in Los Angeles. Wir haben über seine anstehenden Auftritte in London gesprochen und er fragte mich, ob ich dabei sein würde. Letzte Woche habe ich dann von seinen Produzenten Bescheid bekommen, dass Michael am 3. Juli nach London kommen und am 13. Juli das erste Konzert geben würde. Michael war voller Zuversicht.

          Wie war sein Gesundheitszustand?
          Als ich ihn vor 3 Monaten gesehen habe, wirkte er zwar gebrechlich, aber wenn man ihm die Hand gegeben hat oder er einen an der Schulter nahm, dann hat man gespürt, dass er sehr stark war. Er hatte noch viel Kraft, zumindest äußerlich. Wie es aber in seinem Inneren aussah, das weiß ich auch nicht.

          Glauben Sie, dass er sich möglicherweise umgebracht hat, weil er den Druck - auch wegen seines geplanten Comebacks - nicht mehr ausgehalten hat?
          Ich glaube nicht, dass es Selbstmord war. Aber man wusste ja schon früher, dass er Medizin zu sich nahm, schmerzstillende Sachen, schon seit 25 Jahren. 1984 hatte er bei Dreharbeiten für eine Pepsi-Werbung einen Unfall, bei dem ein Teil seiner Haare am Hinterkopf verbrannte. Das hat seine Kopfhaut stark in Mitleidenschaft gezogen; er musste danach ein Haarteil tragen und hatte oft starke Schmerzen. Wenn man sich sehr an diese schmerzstillenden Medikamente gewöhnt, ist man irgendwann süchtig. Und irgendwann macht dann das Herz nicht mehr mit. Vielleicht hat Michael einfach zu viel Medikamente auf einmal genommen, aber das muss die Autopsie klären.

          Hätte ein Comeback überhaupt glücken können?
          Nein, ich hätte Wetten angenommen, dass das nicht klappt. Als wir früher Welttourneen gemacht haben, haben wir nie mehr als zwei oder drei Shows pro Woche gespielt. Bei der Comeback-Tour in London hätte Michael fast jeden Tag auf der Bühne stehen sollen. Ich bin mir sicher, Michael hätte die ersten zwei, vielleicht drei Shows gemacht und dann erst einmal eine längere Pause eingelegt. Das hätte er nicht geschafft.

          Warum hat er sich dann überhaupt auf diesen Deal eingelassen?
          Irgendjemand muss ihn dazu überredet haben, so etwas war nicht Michaels Art. Er hätte das vielleicht über einen Zeitraum von zwei Jahren gemacht, das wären ein, zwei Shows pro Woche gewesen. Ich glaube, nicht einmal er selbst hat geglaubt, dass er diese 50 Auftritte durchhält.

          Er wusste selbst gar nicht, auf was er sich da einlässt?
          Ich habe öfter erlebt, dass er Sachen einfach im guten Glauben unterschrieben hat, ohne die Verträge genau zu lesen. Zu mir hat er vor ein paar Wochen gesagt, von 50 Shows wäre nie die Rede gewesen. Trotzdem wollte er wahrscheinlich sich selbst und seinen Kindern beweisen, dass er es immer noch kann, so wie früher. Dass er nach wie vor der King of Pop ist. Das wollte er immer: alle Rekorde brechen. Michael ist immer ein großes Kind geblieben, weil er keine Kindheit hatte. Deshalb hat er sich auch als Erwachsener, mit über 40 Jahren, immer noch verhalten wie ein kleiner Junge. Alles in seinem Leben war ein Spiel.

          Womit ist Jacksons Tod vergleichbar, mit dem von Elvis Presley?
          Das ist mehr als der Tod von Elvis. Elvis hat in einer Zeit gelebt, als die Welt seine Exzesse noch nicht so richtig mitbekommen hat. Bei Michael Jackson wurde hingegen jede Wendung, jeder neue Tiefpunkt, jeder Skandal weltweit verfolgt. Jeden anderen hätte das schon längst umgebracht, aber Michael nicht. Wenn eine Katze sieben Leben hat, dann hatte er 27. Michael Jackson war noch größer als King Elvis, er wird immer der Größte sein.

          Ist auf absehbare Zeit ein ähnlicher Star in Sicht?
          Nein, keiner. Auch Leute wie Bruce Springsteen oder Tina Turner sind ganz große Künstler, aber diese Genialität, diese Popularität und Größe, für die Michael weltweit bewundert wurde, ist nicht mehr erreichbar. Dafür haben sich auch die Zeiten zu sehr verändert.

          Was war für Sie persönlich der beste Jackson-Song?
          Eindeutig Thriller. Und danach der Earth Song.

          Das Gespräch führte Oliver Georgi.

          Marcel Avram

          Der deutsche Konzertveranstalter Marcel Avram (70) hat für Michael Jackson fünf Welttourneen organisiert und gilt als einer der bekanntesten Veranstalter in Deutschland. Er war Inhaber der Münchner Agentur „Mama Concerts“, in der er gemeinsam mit seinem Partner Fritz Rau viele bekannte Musiker betreute. 1998 wurde Avram wegen Steuerhinterziehung verurteilt und saß ein Jahr im Gefängnis.

          Als Jackson 1999 zwei Konzerte ausfallen ließ, verklagte Avram den Weltstar auf 17 Millionen Euro - und erhielt vor Gericht Recht. Trotz dieses Rechtsstreits, sagt Avram heute, seien Jackson und er bis zuletzt Freunde geblieben.

          Weitere Themen

          Gott ist krass

          Rapper Serious Klein : Gott ist krass

          Ein deutscher Rapper, der nicht vom Gangsterleben singt, sondern von Jesus, der Hackbraten zubereiten kann und studiert? Im Zug mit dem Musiker Kelvin Boakye alias Serious Klein.

          Frachter auf Grund gelaufen Video-Seite öffnen

          Besatzung wurde gerettet : Frachter auf Grund gelaufen

          Während eines heftigen Sturms hat sich ein Frachtschiff nördlich von Istanbul im Schwarzen Meer festgefahren. Ob eine Umweltkatastrophe droht, ist derzeit unklar.

          Topmeldungen

          Geheimnis des Darts : Auf der Suche nach dem perfekten Wurf

          Die besten Dartsspieler werfen bei der WM in London ihre Pfeile fast nach Belieben in winzig kleine Felder. Für Professor Metin Tolan ist das in dieser Exaktheit physikalisch kaum erklärbar.

          Polizeiskandal in Hessen : Ein Minister in Erklärungsnot

          In der Affäre um ein mutmaßliches rechtsextremes Netzwerk in der Frankfurter Polizei wächst der Druck auf den hessischen Innenminister. Die Opposition wirft Beuth vor, Informationen bewusst vorenthalten zu haben – wegen der Landtagswahl.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.