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Flucht aus der AfD : Matt für Meuthen

  • -Aktualisiert am

Ausgespielt: Jörg Meuthen Bild: Stefan Boness/Ipon

So lange wie kein anderer hat sich Jörg Meuthen an der Spitze der AfD halten können. Doch seine Begründung für den Parteiaustritt ist scheinheilig.

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          Der Parteiaustritt war sein letz­ter Schachzug, mit dem sich Jörg Meuthen selbst kurz vor dem Matt aus einem aussichtslosen Spiel genommen hat. Im Machtkampf mit Rechtsextremisten wie Björn Höcke und seiner Parteifeindin Alice Weidel stilisierte er sich gern als gewiefter Politschachspieler, der seinen innerparteilichen Gegnern stets ein paar Züge voraus ist.

          Immerhin hat sich Meuthen so lange wie kein anderer an der Spitze der AfD halten können. Seine Vorgänger Bernd Lucke und Frauke Petry überlebte der Volkswirt mit dem gut­bürgerlichen Habitus politisch auch deshalb um Jahre, weil er sich lange Zeit geschmeidiger als die beiden mit den radikalen Kräften der AfD ar­rangierte und skrupelloser verbündete. In der AfD, die gegen diesen Staat mobil macht, gerierte sich der Professor aus Karlsruhe als das freund­liche Gesicht der Partei.

          Dass Meuthen die Flucht aus der AfD damit begründet, dass das „Herz der Partei sehr weit rechts“ schlage und Teile von ihr „nicht auf dem Bo­den der freiheitlich-demokratischen Grundordnung“ stünden, ist der Gipfel der Scheinheiligkeit. Nach fast sechs Jahren an der Spitze einer sich permanent nach rechts bewegten Par­tei angeblich zu entdecken, von Extremisten umzingelt zu sein, ist lächerlich. Womöglich waren es aber auch die Ermittlungen im Zuge seiner Spendenaffäre, die Meuthen zum Rück- und Austritt bewogen ha­ben. Zur Legende vom Widerstandskämpfer passt das nicht.

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          Thomas Holl
          Redakteur in der Politik.

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