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Messenger : Start frei für eine sieben Jahre lange Reise zum Merkur

  • Aktualisiert am

Abgehoben: In sieben Jahren soll Messenger am Merkur eintreffen Bild: dpa/dpaweb

Die Nasa-Sonde „Messenger“ hat sich am Dienstag morgen auf ihre Forschungsreise zum Planten Merkur begeben. Sie soll Aufschluß über Merkurs geologische Geschichte sowie dessen Magnetfeld und mögliche Eisvorkommen geben.

          Erstmals seit 30 Jahren hat die amerikanische Weltraumbehörde Nasa wieder eine Raumsonde auf die Reise zum sonnennächsten Planeten Merkur geschickt. Die Delta-Trägerrakete mit der Sonde „Messenger“ (Bote) hob am Dienstagmorgen um 2.16 Uhr Ortszeit in Cape Canaveral im Bundesstaat Florida ab. In den kommenden sieben Jahren soll die Raumsonde rund acht Milliarden Kilometer durch das Weltall fliegen, bevor sie im März 2011 in eine Umlaufbahn um den Merkur einschwenkt und ihn ein Jahr lang umkreisen wird.

          Die Nasa erhofft sich von der 345 Millionen Euro teuren Mission neue Aufschlüsse über die geologische Geschichte des zweitkleinsten Planeten im Sonnensystem sowie dessen Magnetfeld und mögliche Eisvorkommen an den Polen. Wegen der starken Strahlung und der Hitze von über 450 Grad Celsius auf der Tagseite des Planeten wird die Sonde mit einer Schicht aus Spezialkeramik geschützt.

          Extreme Hitze und Kälte

          Als einzige Raumsonde war bislang „Mariner 10“ in den Jahren 1974 und 1975 drei Mal am Merkur vorbeigeflogen. Dabei hatte sie aber nur eine Seite des Planeten beobachten können. Der Merkur ist zwar seit mindestens 3000 Jahren bekannt, aber noch immer kaum erforscht. „Merkur ist einer unserer nächsten Nachbarn und einer der vier erdähnlichen Gesteinsplaneten“, erläutert Louise Prockter von der Johns Hopkins University in Laurel (Maryland), die für „Messengers“ Kamera verantwortlich ist.

          Merkur ist nicht viel größer als der Erdenmond. Wenn auf ihm die Sonne aufgeht, bricht stets ein langer, heißer Tag an: Nach der fast minus 200 Grad Celsius kalten Nacht erhitzt die Sonne den Planeten tagsüber auf Temperaturen von 400 Grad und mehr. Und Sonnenuntergang ist erst nach einem Merkurjahr - das sind immerhin 88 Erdentage.

          Wieso hat Merkur einen großen Eisenkern?

          Da Merkur wie die Venus innerhalb der Erdbahn um die Sonne kreist, kann er wie sie als eine Art Morgen- oder Abendstern am Firmament erscheinen, ist allerdings wegen seiner Nähe zur Sonne nur schwer zu beobachten. Im klassischen Griechenland trug Merkur zwei Namen, Apoll und Hermes, je nachdem, ob er morgens oder abends am Himmel auftauchte. Und wie Venus kann Merkur am irdischen Himmel vor der Sonnenscheibe vorbeiziehen - so ein Merkurtransit ist sogar etwas häufiger als der im Juni von den Astronomen als Jahrhundertereignis gefeierte Venustransit. Allerdings ist er mit bloßem Auge nicht zu erkennen.

          Der arabische Astronom Nur ad-Din Abu Ishaq Al-Bitruji Al-Isbili hatte im 12. Jahrhundert noch vermutet, Merkur müsse wohl ein durchsichtiger Planet sein, weil er ihn nie als dunklen Punkt vor der Sonnenscheibe erspähen konnte. Doch Merkur ist natürlich keineswegs transparent, er besteht sogar zum größten Teil aus Eisen, was die Forscher verblüfft hat. „Merkur hat einen Eisenkern, der viel größer ist, als man erwarten würde“, erläutert Prockter. „Wie so ein großer Kern in einem derart kleinen Objekt entstehen konnte, ist noch nicht geklärt.“ Das ist eine der zentralen Fragen, die „Messenger“ beantworten soll.

          Sonde soll Planeten ein Jahr lang umkreisen

          Die rund 500 Kilogramm schwere Nasa-Sonde, die von einem Schild aus Spezialkeramik gegen die intensive Sonnenstrahlung geschützt wird, hat acht Instrumente an Bord und soll den Merkur ein Jahr lang umkreisen. Bevor sie 2011 in seine Umlaufbahn einschwenkt, wird „Messenger“ 2008 und 2009 den Planeten drei Mal passieren. Insgesamt 15 Mal wird die Sonde auf ihrer fast acht Milliarden Kilometer langen Reise die Sonne umrunden und dabei im kommenden Jahr auch an der Erde und in den beiden Folgejahren an der Venus vorbeifliegen.

          Zu den wichtigsten Aufgaben der Expedition gehört auch die Untersuchung der geologischen Geschichte des Merkur, auf dessen zernarbter Oberfläche unter anderem ein System bogenförmiger Bergrücken entdeckt wurde. Außerdem soll das von „Mariner 10“ entdeckte Magnetfeld erforscht werden, das etwa ein Prozent so stark ist wie das irdische.

          Suche nach Wassereis

          Darüber hinaus haben Radarmessungen trotz der tagsüber glutheißen Temperaturen auf dem Merkur Hinweise auf Eis erbracht - und zwar in permanent abgeschatteten Kratern an den Merkurpolen. „Wassereis könnte mit Kometen oder Asteroiden auf den Merkur gestürzt sein, oder es ist aus dem Planeten gedünstet und an den Polen eingefroren“, erläutert Prockter. Alternativ könne es sich aber auch um andere Ablagerungen wie etwa Schwefel handeln. Auch dieses Rätsel soll„Messenger“ klären. „Messenger“-Chefwissenschaftler Sean Solomon von der Carnegie Institution in Washington fiebert dem Start entgegen: „Fast 30 Jahre lang konnten unsere Fragen nicht beantwortet werden, bis die Technologie sich unseren Bedürfnissen angeglichen hat. Jetzt sind wir soweit.“

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