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Sekte verliert Gerichtsstreit : Sorgerechtsentzug mit Menschenrechten vereinbar

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Bayern, Deiningen: Die Gebäude von Klosterzimmern sind im Nördlinger Ries zu sehen, wo die Glaubensgemeinschaft bis 2017 lebte. Bild: dpa

Die Sekte Zwölf Stämme hat in ihrem Rechtsstreit mit Deutschland vor dem Europäischen Gerichtshof verloren. Dennoch trifft dieses Urteil die Glaubensgemeinschaft kaum.

          Der teilweise Entzug des Sorgerechts von Mitgliedern der Sekte Zwölf Stämme für ihre Kinder in Bayern hat nicht gegen die Menschenrechte verstoßen. Das urteilte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte am Donnerstag in Straßburg.

          Das Risiko einer systematischen und regelmäßigen körperlichen Züchtigung von Kindern könne es rechtfertigen, die Kinder in Obhut zu nehmen, teilte das Gericht mit. Vier betroffene Elternpaare hatten gegen Deutschland geklagt.

          Im Jahr 2013 hatte die Polizei rund 40 Kinder aus den beiden früheren bayerischen Gemeinschaften der Zwölf Stämme in Klosterzimmern und Wörnitz geholt. Zuvor war bekannt geworden, dass Prügelstrafen bei der aus den Vereinigten Staaten stammende Sekte zu den üblichen Erziehungsmethoden zählen. Die Gruppe beruft sich auf die Bibel und sieht Rutenschläge als angemessene Strafe für Kinder bis etwa 14 Jahre an.

          Die Urteile des Menschenrechtsgerichts sind noch nicht rechtskräftig. Die Kläger sahen durch den teilweisen Entzug des Sorgerechts ihr Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens verletzt.

          Die in den Siebzigerjahren gegründete Sekte listet mittlerweile auf ihrer Internetseite keinen deutschen Standort mehr auf; sie haben Deutschland Anfang 2017 verlassen um in der Tschechischen Republik und in anderen europäischen Ländern eine neue Bleibe zu finden.

          Die Sekte sehe sich vom deutschen Staat „ungerecht behandelt“. Medienberichten zufolge seien die meisten Kinder jedoch wieder in den Kreis ihrer Familie zurückgekehrt, da sie mittlerweile volljährig seien oder es entsprechende Urteile gegeben habe.

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