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Letzte Ausfahrt

Von REINER BURGER
In Fahrt: Das Boot U 18, auf dem Rudolf Arendt Ende Mai 1944 seine erste Kommandofahrt hatte, verlässt den Liegeplatz in der rumänischen Küstenstadt Konstanza. Foto: Deutsches U-Boot-Museum Cuxhaven-Altenbruch

27.08.2019 · Erst jetzt wurde U 23 im Schwarzen Meer entdeckt. Rudolf Arendt, einst Kommandant des U-Boots, erinnert sich an ein bizarres Kapitel des Kriegs.

D ass er noch erlebt, wie sich der Kreis schließt – diese Hoffnung hatte Rudolf Arendt schon aufgegeben. Dann kam Ende Januar die Nachricht, dass türkische Marinetaucher vor Agva, nordöstlich von Istanbul, das letzte bisher nicht geortete deutsche Unterseeboot im Schwarzen Meer gefunden haben. „Ich hatte befürchtet“, sagt Arendt, „illegale Wracksucher hätten U 23 unter Wasser nach und nach zerschnitten, um es als Schrott verkaufen zu können.“

Am 9. September 1944 trafen sich U 19, U 20 und U 23 noch einmal außer Sichtweite vor der Küste. „Wir tauschten Erfahrungen aus und Proviant.“ U 19 hatte Ende August noch ein russisches Minensuchboot versenkt und dabei Verpflegung erbeutet. „Die Russen hatten Hilfsgüter der Amerikaner dabei: Break-fast, Lunch, Dinner, dazu Kaffee und Zigaretten – alles wasserdicht verpackt.“ Als U 23 ihre letzte Position erreicht hatte, wies Arendt seine Mannschaft an, das Boot nach und nach zu verlassen. „Für das Gepäck hatten wir zwei kleine Schlauchboote.“ Sieben Minuten lang schwammen die Männer schon Richtung Küste, als um kurz vor Mitternacht am 10. September 1944 U 23 mit einem Knall explodierte.

Ort der Erinnerung: Rudolf Arendt, ehemaliger U-Boot-Kommandant, in seinem Arbeitszimmer in Meckenheim Foto: Edgar Schoepal

Mit der Selbstversenkung der drei letzten der ursprünglich sechs Schiffe zählenden 30. U-Boot-Flottille endete vor 75 Jahren eines der bizarrsten Kapitel des Zweiten Weltkriegs. Bei den geheimen Planungen des Angriffs auf die Sowjetunion hatte auch die deutsche Seekriegsleitung Anfang 1941 keinen Zweifel an einem schnellen Erfolg. Zwar sei die Überführung von kleinen U-Booten ins Schwarze Meer technisch möglich, aber äußerst zeitaufwendig, argumentierte der Oberbefehlshaber der Marine Mitte März während einer „Führerbesprechung“. Die Schiffe seien für den Fall „Barbarossa“ nicht mehr rechtzeitig in Rumänien.

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