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Einrichten im Eigenheim : Schon wieder Zeit für Veränderung?

  • -Aktualisiert am

Klassisches Wohnzimmer: Viele Menschen verändern ihre Einrichtung bis zu fünfmal im Leben. Bild: dpa

Die einen räumen und dekorieren ständig um, die anderen nie. Mit Möbeln und Wandfarbe hat das wenig zu tun.

          4 Min.

          Gestern kam ich nach Hause, und unser Schlafzimmer war wieder neu gestrichen. Schrecklich! „Alles wird so gestaltet, wie sie es will.“ „Wir leben seit 30 Jahren mit den gleichen Möbeln - ich möchte was verändern, aber mein Mann sperrt sich.“ In den Chatrooms von Ratgeberseiten, aber auch von Dating-Portalen geht es immer wieder um eins: Wohnprobleme. Die einen beschweren sich über zu viel Veränderung, die anderen über zu wenig. Und nicht wenige fühlen sich grundsätzlich nicht richtig wohl in den eigenen vier Wänden. Doch was tatsächlich hinter diesen Aussagen steht, hat oft wenig mit Möbeln oder Wandfarben zu tun.

          Zeige mir, wie du mit deiner Wohnsituation umgehst - und ich sage dir, wie du dich fühlst. Ganz so einfach ist es zwar nicht, sagt der Münchner Wohnpsychologe Uwe Linke, aber tatsächlich verrät das eigene Heim viel über innere Befindlichkeiten. Das belegen auch Studien aus der Persönlichkeitsforschung. So zeigt sich beispielsweise, dass introvertierte Menschen deutlich weniger dekorieren als extrovertierte. Starke, in sich ruhende Persönlichkeiten richten sich dagegen oft unkonventionell ein. Und wer selbst unsicher ist, neigt eher dazu, den gängigen Wohntrends zu folgen.

          Doch nicht nur die grundsätzliche Gestaltung einer Wohnung sagt viel über ihre Bewohner aus, sondern auch das Interesse daran, sie zu verändern. Ist jemand ständig nach außen aktiv, räumt immer wieder um, kauft andauernd neue Möbel oder wechselt sogar regelmäßig die Wohnung, hat dies auch mit seinem Inneren zu tun, wie Linke beobachtet hat. Wer sich dauernd mit Neuem umgebe, sei vielleicht auf Suche, fühle sich getrieben. Oder er stürzt sich deswegen ständig in Maler- und Gestaltungsaktionen, „um nicht zur Ruhe zu kommen und sein eigentliches Problem nicht ansehen zu müssen“ - wo auch immer dieses liegt. Ärger im Job vielleicht, oder eine unglückliche Partnerschaft...

          Charakter gibt Preis wie experimentierfreudig man ist

          Andersherum hat aber auch das Festhalten an der einmal gewählten Einrichtung oftmals ganz andere Hintergründe. Wer sich auf diesem Feld unbeweglich zeige, habe oft auch in anderen Lebensbereichen Probleme mit Veränderungen, urteilt Linke. Der gelernte Designer hat nach seiner Ausbildung jahrelang selbst ein eigenes Einrichtungshaus geführt, und dann Zusatzausbildungen zum systemischen Coach und Heilpraktiker für Psycho- und Paartherapie absolviert. Heute hilft er Menschen dabei, ihre (Wohn-)Bedürfnisse zu erkennen und umzusetzen. Auch Paare, die sich schwertun, ihre unterschiedlichen Vorstellungen auf eine gemeinsame Linie zu bringen, gehören dabei oftmals zu seinen Kunden.

          Dass es „die Norm“ nicht gibt, versteht sich von selbst. Das hebt auch Harald Deinsberger-Deinsweger hervor, psychologischer Wohnberater in Graz. Drei Aspekte steuerten die Einrichtung unseres Lebensraumes, erläutert er: das Gestaltungsbedürfnis, der Wunsch nach Personalisierung neutraler Räume und die sensorischen Bedürfnisse, die Deinsberger-Deinsweger auch als „Nahrung für die Seele“ bezeichnet. „Wir wollen schließlich auch nicht jeden Tag das Gleiche essen - und eben auch nicht immer das Gleiche sehen.“ Konflikte entstehen dann, wenn zwei Menschen zusammen wohnen, deren Bedürfnisse sehr unterschiedlich ausgeprägt sind.

          Dabei gibt es viele gute Gründe, sein Wohnumfeld zu verändern. Im statistischen Durchschnitt, so ermittelte vor ein paar Jahren eine Schweizer Studie, richten wir uns fünfmal im Leben neu ein. In Deutschland dürfte das ähnlich aussehen, vermutet Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbelindustrie. Allerdings gibt es hierzu bisher keine spezifische Erhebung. Fest steht: Zuerst gestalten wir das eigene Kinder-/Jugendzimmer mit, richten dann die erste eigene Wohnung oder das Zimmer in der Studenten-WG ein. Später ziehen wir als Paare zusammen. Häufig treffen dabei unterschiedliche Stile und Ideen aufeinander. Mit etwa Ende 40 richten sich viele noch einmal neu ein. Dann zumeist deutlich teurer als zuvor. Zuletzt wird die Einrichtung dem fortgeschrittenen Alter angepasst.

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