https://www.faz.net/-gum-9m83q

Heidi Hetzer ist tot : Abschied von einer unerschrockenen Weltenbummlerin

Bis zuletzt unterwegs: Weltenbummerlin Heidi Hetzer Bild: dpa

„Ich lebe nicht mehr, aber ich habe gelebt“: die legendäre Rallyefahrerin Heidi Hetzer ist gestorben. Bis zuletzt suchte sie das Abenteuer.

          2 Min.

          Heidi Hetzer, eine Berliner Legende, preisgekrönte Rallyefahrerin, Unternehmerin und begeisterte Weltenbummlerin, ist tot. Wie ihre Familie am Dienstag mitteilte, verstarb die 81 Jahre alte Abenteurerin und Autoenthusiastin während der Ostertage in ihrer Wohnung im Berliner Stadtteil Charlottenburg. Über die Todesursache wurde zunächst nichts bekannt.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Erst eine Woche zuvor hatte Hetzer den ersten Teil einer Afrikaumrundung mit einem umgebauten Toyota-Geländewagen in Kapstadt beendet und war nach Berlin zurückgeflogen. Kurz vor ihrem Abflug hatte sie in einem Interview mit der F.A.Z. von ihrer ungebremsten Reiselust erzählt. Deutschland sei ihr zu eng, hatte sie gesagt, „ich will Menschen, ich will verschiedene Kulturen sehen“. Vor allem Afrika hatte es ihr angetan. Schon im September wollte sie nach Kapstadt zurückfliegen, um mit dem Geländewagen an der Westküste des Kontinents entlang zurück nach Europa zu fahren. Danach hatte sie Reisen nach Südamerika und Neuseeland geplant.

          Mehr als 150 Preise gewonnen

          Hetzer hatte bei zahlreichen Autorennen mehr als 150 Preise gewonnen. Die gelernte Kraftfahrzeugmechanikerin hatte außerdem das Autohaus Opel Hetzer in Berlin, einen der großen Autohändler dort, bis 2012 geführt. Für internationales Aufsehen sorgte ihre fast drei Jahre lange turbulente Weltumrundung mit „Hudo“, einem Hudson Great Eight Oldtimer, Baujahr 1930. Hunderte Menschen waren bei ihrer Rückkehr im März 2017 zum Brandenburger Tor gekommen und hatten „ich ziehe meinen Hut“ gerufen.  Nach ihrer Rückkehr schrieb sie ein Buch mit dem Titel „Ungebremst leben“.

          Mit ihrem unnachahmlichen Humor, ihrer Lebensfreude und ihrem Sinn für das Praktische gewann sie eine große Fangemeinde auch außerhalb Berlins, die ihr über die sozialen Medien überallhin folgte. Ihre Direktheit brachte ihr allerdings einmal auch Kritik ein, als sie in einem Fernsehinterview über die Herausforderungen während der Weltreise den Satz „die Schwarzen klauen alles“ sagte. Später entschuldigte sie sich für den Satz.

          Gefeierte Reisende: Heidi Hetzer kommt 2017 nach ihrer Weltreise in einem Oldtimer zurück nach Berlin. Bilderstrecke

          Für die Afrikadurchquerung hatte sie den 30 Jahre alten Geländewagen extra afrikatauglich umrüsten lassen, mit 300-Liter-Dieseltank, leichteren Stoßstangen und einem Motor ohne Elektronik. Außerdem hatte sie ihn rosa anstreichen lassen. „Es soll die hässlichste Farbe auf der Welt sein, damit mir keiner das Auto klaut“, hatte sie dieser Zeitung zuvor erzählt. Die rosa Farbe fiel tatsächlich auf. Auf den Straßen riefen ihr die Menschen „Pink Lady go go“ nach. Sie schlief während der gesamten Reise fast ausschließlich im Auto unter einem Hubdach, ernährte sich vornehmlich von Instantsuppen und „Würstchen aus der Büchse“. Große Teile der 30.000 Kilometer langen Fahrt legte sie allein zurück. Ausgerechnet am Ende der Reise, in Kapstadt, wurde sie überfallen. Zwei Diebe entrissen ihr durch das geöffnete Autofenster ihren Tablet-Computer und ihre Tasche.

          Auf der zweiten Etappe der Afrikadurchquerung wollte sie sich den großen Traum vom „Dünen-Hopping“ in Namibia erfüllen. Dafür hatte sie eigens im vergangenen Jahr einen drei Tage langen Kurs in Marokko belegt. Nun ist es doch anders gekommen als sie es sich gewünscht hatte. Als letzter Eintrag ist auf ihrer Internet-Seite „heidi-um-die-welt.com“ ein Goethe-Zitat zu lesen: „Ich lebe nicht mehr, aber ich habe gelebt“.

          Weitere Themen

          Bruder von Honduras’ Präsident verurteilt

          Kokainschmuggel : Bruder von Honduras’ Präsident verurteilt

          Der Bruder des honduranischen Präsidenten ist in den Vereinigten Staaten wegen Kokainschmuggels schuldig gesprochen worden. Er soll Geschäfte mit dem ehemaligen mexikanischen Drogenboss „El Chapo“ gemacht haben – und seinem Bruder Geld für den Wahlkampf gesponsert haben.

          Topmeldungen

          Brexit-Deal : Kein Tag der Entscheidung

          Auch Boris Johnson ist nicht immun gegen das, was seiner Vorgängerin Theresa May widerfahren war. Mehr als drei Jahre nach dem Referendum liegt der Austritt des Vereinigten Königreichs weiter im Nebel. Vielleicht kann das bei einem Thema von dieser Bedeutung nicht anders sein.
          Berlin regelt das Wohnen neu.

          Mietendeckel und mehr : Vermieter, hört die Signale!

          Was der rot-rot-grüne Senat in Berlin ausgeheckt hat, ist der wohl drastischste Eingriff in die deutsche Eigentumsordnung seit Jahrzehnten.

          Zukunft der Menschheit : Eine Batterie für alles!

          Mit einem Handy fing alles an, inzwischen geben Autohersteller jährlich dutzende Milliarden dafür aus: Lithium-Ionen-Akkus treiben heute zahllose Geräte an. Die größte Zeit der Batterien steht aber noch bevor.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.