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Zum Tod von Elly Beinhorn : Die Pionierin der Lüfte

  • Aktualisiert am

Eine Pionierin ihrer Zeit: Elly Beinhorn Bild: dpa

Mit ihrem Flug um die Welt Anfang der Dreißiger Jahre ist sie bekannt geworden - nun verstarb die Ausnahmepilotin Elly Beinhorn im Alter von 100 Jahren in einem Seniorenstift in Ottobrunn.

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          Ein Vortrag des Atlantikpiloten Hermann Köhler war es, der in Elly Beinhorn den Traum vom Fliegen und von fernen Ländern weckte. Gegen den Widerstand ihrer Eltern machte sie 1928 den Sportfliegerschein - und startete damit eine außergewöhnliche Fliegerkarriere, die sie in die ganze Welt brachte. Am vergangenen Mittwoch starb die Luftfahrt-Pionierin im Alter von 100 Jahren.

          Beinhorn lernte das Fliegen in einer Zeit, als es in den Maschinen weder Funk, Radar noch Autopilot gab - und in der Frauen keine Passagierflugzeuge steuern durften. Sie arbeitete deshalb von 1929 an als Kunstfliegerin bei Flugschauen und behauptete sich dort mit ihrem technischen Können. Mehrfach trat sie mit dem legendären Flieger Ernst Udet auf.

          Deutschlands berühmteste Fliegerin Elly Beinhorn nebst ihrer Rekordmaschine „Taifun”
          Deutschlands berühmteste Fliegerin Elly Beinhorn nebst ihrer Rekordmaschine „Taifun” : Bild: dpa

          Die erste Leistung, die Beinhorn als Fliegerin bekannt machte, war 1931 ihr Alleinflug nach Afrika - in einem Kleinflugzeug mit einem 40-PS-Motor. Sie erreichte ihr Ziel im heutigen Guinea-Bissau in 70 Flugstunden über eine Strecke von 7000 Kilometern und ohne moderne Navigationshilfen. Noch abenteuerlicher war ihre Notlandung wegen eines Ölrohrbruchs auf dem Rückflug. Beinhorn blieb vier Tage verschollen und marschierte zu Fuß 50 Kilometer durch die Wüste nach Timbuktu.

          Im Dezember 1931 brach die Kaufmannstochter aus Hannover in ihrer Klemm-Argus-Maschine zu einem Weltflug auf. Über den Nahen Osten erreichte sie Kalkutta, überflog den Himalaya, reiste über Bangkok und Bali nach Port Darwin in Australien, überquerte den Stillen Ozean zu Schiff, startete in Panama zum Flug über die Kordilleren und traf im Juli 1932 nach drei Notlandungen auf dem rund 31.000 Kilometer langen Flug am Ziel Buenos Aires ein.

          Dafür überreichte ihr Reichspräsident Paul von Hindenburg den Hindenburg-Pokal. Dank des Preisgeldes war sie als Fliegerin erstmals schuldenfrei. Im Sommer 1933 umrundete Beinhorn Afrika, und 1934/1935 unternahm sie einen weiteren Flug durch Mittel- und Südamerika. Eine weitere Spitzenleistung war am 13. August 1935 ihr Eintagesflug von Gleiwitz nach Albanien und zurück nach Berlin. 1936 flog sie auf ihrem Rekordflug Berlin - Damaskus - Kairo - Athen - Budapest - Berlin an einem Tag drei Kontinente an.

          Nach dem Zweiten Weltkrieg begann Beinhorn 1948 auf Einladung eines französischen Segelfliegerlagers das Segelfliegen. 1951 erwarb sie ihren Flugschein in der Schweiz und flog als Reporterin allein durch die Welt. In den folgenden Jahren nahm sie wieder an Wettbewerben teil. So gewann sie 1959 eine Goldmedaille im europäischen Sternflug.

          Beinhorn veröffentlichte während ihrer Karriere mehrere Bücher, zuletzt ihre Erinnerungen „Alleinflug. Mein Leben“. Während ihrer Karriere arbeitete die Pilotin auch für Fernsehen und Radio, war Moderatorin bei Motorsporttagen, testete Autos, publizierte Fotos und hielt Vorträge.

          Privat musste Beinhorn einen schweren Schlag verkraften: Im Juli 1936 hatte sie den Spitzenrennfahrer Bernd Rosemeyer geheiratet, sich aus der Fliegerei zurückgezogen und war kurz darauf Mutter geworden. Doch Rosemeyer starb bereits 1938 bei Weltrekordversuchen auf der Autobahn zwischen Frankfurt und Darmstadt. Noch im selben Jahr begann Beinhorn wieder mit dem Fliegen und gab ihren Pilotenschein erst in den 70er Jahren ab. Am vergangenen Mittwoch starb sie in einem Seniorenstift bei München, wie die Zeitung „Motor Klassik“ unter Berufung auf Angehörige berichtete. Beinhorn soll demnach in Berlin im Ehrengrab ihres Mannes beigesetzt werden.

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