https://www.faz.net/-gum-7msbs

Ernst August wird sechzig : Ohne falsche Demut

  • -Aktualisiert am

Meidet Öffentlichkeit: Ernst August ist es recht, wenn er nicht von Fotografen verfolgt wird Bild: dpa

Die Welfen sind die einzige deutsche Königsfamilie, die auf ihren Thron nie verzichtet hat. Ernst August Prinz von Hannover verzichtet aber ganz gerne auf Deutschland – wohl auch an seinem Geburtstag.

          2 Min.

          Seine Rolle haben mittlerweile schwedische Prinzessinnen und englische Prinzen übernommen – als Objekt zahlloser Schlagzeilen und Fotos in der bunten Presse. Ernst August Prinz von Hannover wird es recht sein: Die übergroße Aufmerksamkeit hatte ihm ohnehin nur selten behagt.

          Einer größeren Öffentlichkeit wurde er vor allem dadurch bekannt, dass er sich wieder einmal gegen aufdringliche Fotografen wehrte: oft vor Gericht, bisweilen auch, der Prinz ist temperamentvoll, mit Regenschirm oder Faust oder mit drastischen Worten. Vor knapp einem Jahrzehnt übergab er seine deutschen Besitzungen seinem gleichnamigen ältesten Sohn. Seitdem meidet er Deutschland und überhaupt öffentliche Auftritte, so gut er es kann. Überwiegend lebt der Urenkel von Kaiser Wilhelm II. in Österreich.

          Die älteste europäische Fürstenfamilie

          Dort haben die Welfen einen Besitz in Gmunden am Traunsee, nachdem die Preußen 1866 Hannover annektiert und sie aus ihrer Heimat ins Exil getrieben hatten. Zudem ist er im Sommer öfters auf der Mittelmeerinsel Ibiza zu sehen, seit fünf Jahren ohne seine Ehefrau Caroline von Monaco, aber deshalb nicht allein. Die „Traumhochzeit“ mit der monegassischen Fürstentochter im Jahr 1999 hatte anfangs die Medien fasziniert, mehr jedenfalls als bei jedem anderen Mitglied des deutschen Hochadels. Das mag damit zu tun haben, dass Ernst August, dem eine bewegte Jugend nachgesagt wird, es den Fotografen so schwer und damit auch wieder so leicht machte.

          Vielleicht auch mit der Geschichte der Welfen: Sie gelten als älteste europäische Fürstenfamilie, die weiterhin in ihrer Stammregion um Hannover, Braunschweig, Lüneburg und Celle eine große und treue Schar an Welfenanhängern hat, die alles Preußische weiterhin ablehnt. Nach außen wird das wiederum nur selten sichtbar. Ernst August ist angesichts der großen Familiengeschichte nicht von übergroßer Demut überwältigt.

          Königlicher Prinz von Großbritannien und Irland

          Das belegen Äußerungen, die ihm zugeschrieben werden: „Wir sind nicht adlig, wir haben geadelt.“ Schließlich sind die Welfen die einzige deutsche Königsfamilie, die auf ihren Thron nie verzichtet hat. Der älteste Sohn, Ernst August, nun 30 Jahre alt, erkannte den Zuspruch in der Region vor zwei, drei Jahren. Seitdem taucht der Erbprinz, der weiterhin im Ausland arbeitet, auf allen Traditionsfesten auf. In den nächsten Monaten gibt es dafür genügend Anlass: Dann feiert die Region mit Landesausstellungen, dass die Welfen vor 300 Jahren in Personalunion 123 Jahre lang auch Englands Könige wurden.

          So zählt zu den vielen Titeln des Prinzen von Hannover auch Königlicher Prinz von Großbritannien und Irland. In London lebte Ernst August senior einige Zeit mit seiner ersten Frau, der Schweizerin Chantal Hochuli, vor allem, als er sich zum Landwirt ausbildete und dann Geschäftsmann wurde sowie Tier- und Dokumentarfilmer. Wenn im Mai und Juni seine englischen königlichen Verwandten nach Hannover kommen, wird er die Gastgeberrolle seinem Sohn überlassen. An diesem Mittwoch wird Ernst August Prinz von Hannover 60 Jahre alt.

          Weitere Themen

          „Sei nicht dieser Typ“

          Gewalt gegen Frauen : „Sei nicht dieser Typ“

          In Schottland sorgt eine Kampagne der Polizei gegen sexuelle Gewalt gegen Frauen für Aufsehen: Sie richtet sich explizit an Männer und fordert sie auf, ihr Verhalten zu reflektieren.

          Topmeldungen

          Christian Lindner spricht und Robert Habeck wartet Anfang Oktober in Berlin.

          Keine höhere Einkommensteuer : Kröten schlucken für die Ampel

          Selbst Jürgen Trittin akzeptiert, dass die Steuern für Topverdiener nicht steigen werden. Und Christian Lindner kommt mit einem höheren Mindestlohn klar. Für ihn zeichnet sich ein Konkurrent als möglicher nächster Finanzminister ab.
          Woran festhalten, was erneuern? Hendrik Wüst blickt nach vorne.

          Kritik an Parteispitze : Die Abrechnung der Jungen Union

          Fehlende thematische Positionierung, Störfeuer aus Bayern und eine Kampagne, die zum Teil „nur noch zum Haare raufen“ gewesen sei: Der Parteinachwuchs ist beim Deutschlandtag gereizt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.