https://www.faz.net/-gum-8bsp9

Scheich mit Ski-Unfall : Neun Jets für ein gebrochenes Bein

  • -Aktualisiert am

Verunglückt: Hamad bin Chalifa Al Thani, bis 2013 Emir von Qatar. Bild: dpa

Der Vater von Qatars Staatsoberhaupt Al Thani hat sich offenbar beim Skifahren das Bein gebrochen. Am zweiten Weihnachtsfeiertag landeten gleich neun königliche Flugzeuge auf dem Flughafen Zürich – drei davon während der Nachtflugsperre.

          2 Min.

          Die Flugzeuge der qatarischen Königsfamilie sind keine unbekannten auf dem Züricher Flughafen. Die Scheichs kaufen sich mit Milliarden in Schweizer Banken und Unternehmen ein, sie pflegen enge Bande zu Politik und Wirtschaft und halten prestigeträchtige Immobilien, darunter das jüngst eröffnete Hotel Atlantis am Fuß des Uetlibergs.

          Aufsehen erregte es dann aber doch, als am letzten Weihnachtsfeiertag gleich neun Flugzeuge der Qataris auf dem Flughafen Zürich-Kloten landeten, drei davon mitten in der Nacht. Im Gegensatz zu anderen großen Verkehrsflughäfen in Europa herrscht in Zürich eine strikte Nachtflugsperre von 23.30 Uhr bis 6 Uhr morgens, für die eine Ausnahme nur vom Bundesamt für Zivilluftfahrt bewilligt werden kann. Eine Sprecherin des Amtes sagte dem Schweizer „Tagesanzeiger“, die Genehmigung sei „aufgrund eines medizinischen Notfalls“ erteilt worden. In diesem Jahr, sagte Flughafensprecherin Raffaela Stelzer dem SRF, habe es 21 Fälle gegeben, bei denen die Nachtflugsperre für Polizei-, Militär- und Regierungsflüge aufgehoben worden sei.

          Bein im Ski-Urlaub gebrochen

          Das erste Flugzeug der qatarisch-königlichen Flotte, ein Langstreckenflugzeug vom Typ Airbus A340, landete am Samstag um 0.30 Uhr. Es kam nicht aus Doha, sondern aus Marrakesch: Staatsoberhaupt Scheich Tamim bin Hamad Al Thani, 35, der an Stelle seines kranken Vaters seit zwei Jahren die Regierungsgeschäfte führt, besitzt im marokkanischen Skigebiet Ifrane, das selbst wie ein Schweizer Bergdorf aussieht, ein zehn Hektar umfassendes Anwesen inmitten des Atlas-Gebirges, in dem er mit seinem Gefolge häufiger den Urlaub verbringt.

          Staatsoberhaupt: Scheich Tamim bin Hamad Al Thani

          Am Dienstagmorgen teilte ein Regierungssprecher in Qatar mit, dass Hamad bin Chalifa Al Thani, Vater von Tamim bin Hamad Al Thani, dort während des Ski-Urlaubs eine Fraktur im Bein erlitten habe. Der 63 Jahre alte Scheich sei in die Schweiz geflogen worden und dort operiert worden. Mittlerweile sei er auf dem Wege der Besserung und werde physiotherapeutisch betreut. Offenbar war er an Bord des Airbus 340, der am Freitagabend in Marrakesch etwa eine Stunde früher gestartet als die Flugzeuge aus Doha

          Um 5 Uhr und 5.15 Uhr kamen zwei weitere Flugzeuge, diesmal aus Doha: ein Airbus A319 und ein A330 mit integrierter Intensivstation. Über das Wochenende hinweg landeten neun der 13 Flugzeuge umfassenden Flotte der königlichen Fluggesellschaft Qatar Amiri Flight, darunter ein Jumbojet und ein Dreamliner. Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten bestätigte nur, dass sich die qatarische Königsfamilie in der Schweiz aufhalte.

          Unklar ist weiter, wo Hamad bin Chalifa Al Thani behandelt wird. In Frage kämen, so der „Tagesanzeiger“, die Klinik Hirslanden, in deren oberstem Stock sich vier Zimmer zu einer „Suite“ mit Blick auf See und Berge zusammenführen ließen, aber auch das Zürcher Universitätskrankenhaus. Der Vater des Verunglückten, Scheich Khalifa Bin Hamad Al-Thani, der seit einem Putsch vor 20 Jahren in der Schweiz lebt, hatte dem Krankenhaus zum Dank für vorangegangene Operationen im August mehr als elf Millionen Franken geschenkt.

          Entgegen der Berichte meldete sich die Schweizer Schulthess Klinik am Dienstagnachmittag „im Auftrag des Patienten“, dass Hamad bin Khalifa Al Thani am 26. Dezember an der linken Hüfte operiert worden sei. Von einem gebrochenen Bein will Sprecherin Martina Bürgi-Hawel nichts wissen: „Das war ein chirurgischer Eingriff an der linken Hüfte, und sonst nichts“, sagte sie der F.A.Z.

          Weitere Themen

          Zwei deutsche Skifahrer gestorben

          In Tirol : Zwei deutsche Skifahrer gestorben

          In Tirol sind am Montag an zwei unterschiedlichen Orten zwei deutsche Skifahrer tödlich verunglückt – Erste-Hilfe-Maßnahmen kamen für beide Männer zu spät.

          Mit der Mercedes G-Klasse in die Verbotene Stadt

          Chinas roter Adel : Mit der Mercedes G-Klasse in die Verbotene Stadt

          Obwohl das eigentlich verboten ist, durften zwei Frauen mit dem Auto in Pekings Verbotene Stadt fahren – und stellten ein Bild davon ins Internet. Viele Chinesen sind empört über die Dreistigkeit von Chinas Reichen und Mächtigen.

          Topmeldungen

          Demonstranten in Lausanne, einige Tage bevor sich die Wirtschafts- und Politikelite in Davos trifft. Nicht nur die Klimapolitik steht im Fokus der Protestler – auch der Kapitalismus.

          „Trust-Barometer“ : Deutsche zweifeln am Kapitalismus

          Nur noch jeder achte Deutsche glaubt, dass er von einer wachsenden Wirtschaft profitiert. Viele blicken pessimistisch in die Zukunft. Mehr als die Hälfte ist der Meinung, dass der Kapitalismus in seiner jetzigen Form mehr schadet als hilft.
          Schwer bewaffnet gegen schärfere Gesetze

          Pro-Waffen-Demonstration : „So fängt das an!“

          Aufmarsch der Bewaffneten: In Richmond demonstrieren Tausende gegen die Pläne der Regierung des Bundesstaates Virginia, die Waffengesetze zu verschärfen.
          Unser Newsletter-Autor: Carsten Knop

          F.A.Z.-Newsletter : Trump und Greta in Davos

          Unserem neuen Podcast folgt ein neuer Newsletter. In Davos spricht heute Donald Trump und China kämpft mit dem Corona-Virus. Was heute sonst noch wichtig wird, steht im Newsletter für Deutschland.
          Ein „harter Hund“? Klaus-Michael Kühne fordert stets viel als Investor – das macht nicht nur Freunde.

          Klaus-Michael Kühne : „Ich habe Opfer gebracht“

          Der Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne hat in seiner Karriere viel erlebt. Im Interview spricht er über einen grünen Bundeskanzler, seinen Kummer mit dem HSV und die dunklen Schatten der Vergangenheit.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.