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Der älteste Mensch der Welt : Zu Besuch bei Emma Morano

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Die Letzte aus dem 19. Jahrhundert: Emma Morano vertraut auf ihr Gemüt und den Glauben. Bild: Astrid Diepes

Der älteste Mensch der Welt wird am Dienstag 117 Jahre alt. Ihr Optimismus half Emma Morano, Krisen zu überstehen. Ihre italienischen Mitbürger sind stolz auf sie, auch wenn selbst manche Nachbarn sie noch nie gesehen haben.

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          Sie sitzt in ihrer Zweizimmerwohnung, eingehüllt in ihr rotes Dreieckstuch, auf dem Bett. Ihre Nichte Antonietta ist bei ihr, die Großnichte Renata und die kolumbianische Pflegerin Mili. Emma Morano strahlt, als sie unser Geschenk betrachtet. Den Rosenkranz und das Heiligenbild der Madonna küsst sie. Die Votivkerze der Madonna del Sangue di Ré wird neben dem Bett auf der Kommode abgestellt. „Mir geht es gut“, sagt sie, „aber meine Beine sind schwach.“

          Kein Wunder, denn an diesem Dienstag feiert Emma Morano im idyllischen Pallanza am Lago Maggiore ihren 117. Geburtstag. Seit dem 12. Mai dieses Jahres ist sie der älteste Mensch der Welt – und der einzige noch lebende Mensch, der im 19. Jahrhundert geboren wurde. Emma Moranos Geschichte bewegt die ganze Welt. Aus vielen Ländern treffen Glückwünsche ein, besonders jetzt, zu ihrem Geburtstag.

          Viele Erinnerungen stecken in diesen vier Wänden, schöne und weniger schöne. Neben ihrem Bett hängen Fotos ihrer Eltern, dazwischen ein Bild ihres Bruders, der mit 31 Jahren bei einem Unfall ums Leben kam; das Bild ist mit Edelweiß geschmückt. Auf den Kleiderschränken liegen Koffer, die an die Überseekoffer der Amerika-Auswanderer erinnern.

          Am Sonntag stimmen die Italiener über die Reform des Senats ab. Als am 10. März 1946 in Italien erstmals Frauen wählen durften, war Emma schon 46 Jahre alt. Ob sie heute noch wählt und sich für Politik interessiert? Nein, sie wählt nicht mehr.

          Als junge Frau erlebte Emma Morano schwere Zeiten

          Als erstes von acht Kindern erblickte Emma 1899 in Civiasco in der Provinz Vercelli das Licht der Welt. Als junges Mädchen tanzte sie gerne, mochte Walzer und Tango. Wenn Mili mit dem Smartphone Emmas Lieblingslied „Parlami d’Amore Mariù“ vorspielt, singt sie mit und lächelt verschmitzt bis zufrieden.

          Im Bergdorf Civiasco, gut 40 Kilometer von Pallanza entfernt, wo sie geboren wurden, ist es einsam. Es wäre auch still, wenn nicht gerade der Bäcker mit einem dreirädrigen Kastenwagen vorbeiknattern würde. Heute leben hier nur noch 250 Menschen. Viele der Häuser sind mit Madonnenfresken bemalt. Emmas Geburtshaus gibt es längst nicht mehr, sagt eine Gemeindemitarbeiterin. Es stand am Hang unterhalb des Ortskerns und zerfiel, nachdem es von Familie Morano verlassen wurde. In welcher der vier Kirchen Emma getauft wurde, kann niemand mehr sagen. Denn vor mehr als 110 Jahren verließ die kleine Emma mit ihrer Familie das Dorf, weil der Vater Arbeit im Val d’Ossola fand, einem der Täler rund um den Lago Maggiore.

          Als junge Frau erlebte Emma Morano schwere Zeiten. Ihr Verlobter musste im Ersten Weltkrieg an die Front. Das war das Ende ihrer großen Liebe. Die beiden sahen sich nie wieder. Emma glaubte, er sei im Krieg gefallen. Vor wenigen Jahren rekonstruierte ein Journalist der Lokalzeitung „L’Alpino“, wie es wirklich war: Emmas Verlobter kehrte zurück und fand die junge Frau nicht wieder, da sie umgezogen war. Es folgte eine unglückliche Ehe mit einem gewalttätigen Ehemann. 1938 fasste Emma Morano einen mutigen Entschluss: Sie trennte sich von ihrem Gatten und entschied, sich nie wieder zu binden. Damals war eine Scheidung in Italien nicht möglich, selbst eine Trennung war ein Skandal. Doch Emma ist stolz, ihr Leben lang selbständig gewesen zu sein. Sie arbeitete erst in einer Jute-Fabrik, später in der Küche des Collegio „Santa Maria“.

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