https://www.faz.net/-gum-7hahg

Zornige Prominente : „Das Gesicht ist eine Leinwand“

  • Aktualisiert am

Axel Prahl Bild: Axl Klein

Der Saarbrücker Fotograf Axl Klein hat einen neuen Spitznamen: Herr Zorn. Für eine Bilderserie haben 55 Prominente so zornig wie möglich in seine Kamera geschaut. Dabei blieb Klein nicht immer so locker, wie er es sich gewünscht hatte.

          Herr Klein, Glück, Liebe oder Freude, es gibt so viele schöne Emotionen. Warum haben Sie sich das Thema Zorn ausgesucht?

          Das haben meine Freunde auch gefragt, als ich ihnen von der Idee erzählt habe. „Knips lieber was, das gute Laune macht“, haben sie mir geraten. Für mich ist Zorn allerdings nicht negativ. Ich definiere das Gefühl als eine Triebfeder der Veränderung.

          Wenn Menschen zornig sind, zerbrechen sie Kugelschreiber, schmeißen Teller an die Wand oder bringen andere Menschen um . . .

          Jeder interpretiert das anders. Zorn ist ein komplexes Gefühl: Trauer, Empörung oder Gewalt können Teil davon sein, aber auch Positives wie Kreativität. Wut zum Beispiel ist nur rasend, Zorn hat einen Empfänger. Ich empfinde Zorn, wenn ich etwas erlebe oder sehe, was ich als Unrecht wahrnehme. Das kann Kräfte freisetzen, die zu Revolutionen führen. Deshalb habe ich mich entschieden, den Erlös der Ausstellung und vom Buch an Amnesty International zu spenden, weil sie weltweit unparteiisch Unrecht anmahnt.

          Waren Sie zornig, als Sie die Idee hatten?

          Im Gegenteil. Ich lag schlaflos im Bett und habe über ein neues Projekt nachgedacht. Ich wollte kraftvolle und energetische Fotos schaffen. Bei dem Wort „Zorn“ hatte ich sofort Porträts von Menschen vor Augen. Es ist so spannend zu beobachten, wie sich Gestik und Mimik verändern, besonders bei Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen.

          Wie haben Sie die Zorn-Promis ausgewählt?

          Moderatoren wie Markus Lanz haben im Fernsehen eine neutrale oder freundliche Mimik, zornig sind sie nur hinter verschlossenen Türen. Ich wollte, dass der Bruch zwischen dem schönen Bild, das wir von einer Person haben, und dem, was sie darstellt, so groß wie möglich ist. Deshalb habe ich viele Komiker oder Sänger angefragt. Schauspieler wie Meret Becker flimmern zwar manchmal in einer Rolle zornig über den Fernsehbildschirm, aber ich wollte, dass die Menschen in der Emotion verharren.

          Prominente sehen sich selbst meistens lieber lachend auf dem roten Teppich. Haben Sie viele Absagen bekommen?

          Zorn ist nicht der richtige Moment für Eitelkeiten. Ich habe insgesamt etwa 150 Leute angefragt, über die Hälfte hat abgesagt. Einige hatten keine Zeit, andere wollten sich nur mit Hut fotografieren lassen oder während sie sich bewegen. Viele haben einfach gar nicht geantwortet. Das ist ein ambivalentes und polarisierendes Thema.

          Die Komikerin Anke Engelke hat zugesagt. Ist sie zornig zu Ihnen ins Studio gestampft?

          Nein, sie war fröhlich und hat selbstgebackenen Kuchen mitgebracht. Ich bin mit meinem Assistenten Matthias Wittekindt quer durch die Republik gefahren, und wir haben meistens ein Studio vor Ort angemietet. Bei Markus Lanz durften wir nach der Aufzeichnung seiner Sendung um 20 Uhr unser Set in seinem Fernsehstudio aufbauen.

          Vor der Kamera waren die Menschen auf Knopfdruck zornig?

          Das ist ein Prozess: In der Maske haben wir darüber geredet, was Zorn bedeutet. Viele wollten während des Shootings laute Musik hören. Das Album „Evil Empire“ von Rage Against The Machine war der Zorn-Hit. Die Kabarettisten Herbert Feuerstein oder Jochen Busse haben sich Mozarts „Requiem“ gewünscht.

          Wer war am zornigsten?

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Brexit-Votum in London : Die Niederlage von Westminster

          So hat eine britische Regierung in der Moderne noch nicht verloren. Schon gar nicht in einer Sache, die von solch existentieller Bedeutung ist, wie der Brexit-Deal. Man kann gespannt sein, wie es weitergeht. Ein Kommentar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.