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Inka Grings über ZDF-Torwand : „Ich habe zum ersten Mal auf eine Torwand geschossen“

Historisch: Inka Grings trifft und trifft und trifft und trifft und trifft an der Torwand. Bild: DFM/Kobow

Fußballerin Inka Grings hat fünf Schüsse an der ZDF-Torwand versenkt – nachdem das 20 Jahre lang niemandem gelungen war. Ein Interview über stetes Schusstraining, fehlende Frauen im „Sportstudio“ – und den finalen Fehlschuss.

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          Frau Grings, Sie haben am Samstagabend an der ZDF-Torwand im „Aktuellen Sportstudio“ fünf Schüsse versenkt – nachdem das 20 Jahre lang niemandem gelungen war. Was überwiegt zwei Tage später: der Ärger, nicht auch noch den sechsten und letzten Ball versenkt zu haben oder die Freude, als erste Frau überhaupt so oft getroffen zu haben?

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Inzwischen ist mein Ärger etwas abgeklungen. Am Sonntag habe ich mich tatsächlich maßlos darüber geärgert, dass ich beim letzten Schuss zu unkonzentriert war. Aber es hat total viel Spaß gemacht. Das nehme ich gerne mit.

          Sechs Treffer gab es noch nie in 55 Jahren „Sportstudio“. War die Aufregung bei Ihrem letzten Schuss zu groß?

          Nein, ich bin da völlig tiefenentspannt reingegangen. Wir waren ja am Samstagabend nicht im Studio, sondern vor dem Fußballmuseum in Dortmund, wo ich mit Steffi Jones, Silvia Neid und anderen Spielerinnen in die Gründungself der „Hall of Fame“ aufgenommen wurde. Nach meinem fünften Treffer habe ich gemerkt, dass alle hysterisch wurden. Ich wollte noch ein Späßchen machen, habe aber dann gedacht: Komm, schieß jetzt lieber. Das war der Tick Unkonzentriertheit. Aufgeregt war ich nicht, da habe ich schon weitaus Schlimmeres erlebt.

          Sie waren sechs Mal Torschützenkönigin der Bundesliga, sind Rekordtorschützin und zweifache Europameisterin. Wie oft haben Sie in Ihrer Karriere an der Torwand trainiert?

          Nie. Ich war vorher schon zwei Mal im „Sportstudio“ und hatte mich immer auf die Torwand gefreut, aber dazu kam es irgendwie nicht. Als ich jetzt gefragt wurde, habe ich sofort zugesagt. Es war das erste Mal, dass ich auf eine Torwand geschossen habe.

          Ernsthaft?

          Ja. Ich habe keine Torwand im Garten stehen.

          Aber gezieltes Schießen haben Sie schon trainiert?

          Klar, in meiner aktiven Zeit als Stürmerin habe ich mir Ziele im Tor markiert und anvisiert. Es ist sehr wichtig, dass man das Schießen auch mal in Ruhe und ohne Druck übt. Trainingseinheiten werden gerne sehr kompliziert gestaltet, „spielnah“, wie man so schön sagt. Aber gerade die Technik und das Gefühl, die man für den Torschuss braucht, muss man in Ruhe üben, das ist die Masterformel für einen guten Schuss.

          Sie sind Trainerin beim SV Straelen in der Herren-Oberliga. Wie trainieren Sie da den Torschuss?

          Meine offensiven Spieler müssen regelmäßig aufs Tor schießen, ohne dass sie dabei von Verteidigern gestört werden. Klar baut man irgendwann ein paar Schwierigkeiten ein, baut Zeitdruck auf oder verändert den Winkel. Aber ich muss bei den Grundlagen anfangen. Und die Grundlage ist die Fähigkeit, Bälle bewusst plazieren zu können. Wenn das sitzt, kannst du anfangen, die Übungen komplizierter zu gestalten. Zu oft wird das einfach vorausgesetzt – und das ist fatal.

          Lernt man die Grundlagen einmal, und dann ist es gut? Oder standen Sie in Ihrer Karriere bis zum Ende immer wieder stundenlang alleine vor dem Tor – so wie Basketballspieler Dirk Nowitzki vor dem Korb?

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