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Inka Grings über ZDF-Torwand : „Ich habe zum ersten Mal auf eine Torwand geschossen“

Stundenlang nicht, da bekommt man dicke Beine. Aber es ist auf keinen Fall so, dass man das einmal gelernt hat, und dann ist es gut. Ich war immer wieder nach oder vor dem Training mit ein, zwei Leuten auf dem Platz und habe einfach aufs Tor geschossen. Wichtig war mir, mit einem guten Gefühl nach Hause zu gehen. Wenn im Training der Schuss nicht gesessen hat, habe ich mir danach eben noch den fünften, sechsten oder siebten Ball genommen, bis es gepasst hat.

Talent reicht also nicht?

Den Torschuss kriegst du nicht angeboren, den musst du dir erarbeiten. Arjen Robben hat seinen berühmten Schuss, vor dem er von der Seite in die Mitte zieht, auch nicht beim Mittagessen gelernt – sondern weil er auf dem Platz stand, wenn die anderen Mittagessen waren. Er hat sich nach dem Training 20 oder 30 Mal den Ball genommen und immer wieder diese eine Aktion geübt. Irgendwann kriegst du ihn als Abwehrspieler nicht mehr, weil er so eine Sicherheit und Schnelligkeit entwickelt hat. Aber das ist harte Arbeit.

Jetzt trainieren Sie Ihren Schuss nicht mehr?

Nein, das überlasse ich den Jungs.

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Sie haben vergangene Saison als erste Frau einen Trainerjob in der Männer-Regionalliga übernommen. Gab es Glückwünsche aus der Mannschaft am Sonntag?

Vereinzelt. Aber wir hatten ein wichtiges Derby, darauf lag die Konzentration. Wir haben 3:1 gewonnen und stehen nach dem Abstieg im Sommer jetzt auf Platz eins in der Oberliga.

Glückwunsch! Haben Sie denn das Gefühl, als Frau auf der Trainerbank anders behandelt zu werden?

Nein, bisher sind meine Erfahrungen super positiv. Ich liebe es, Fußball zu lehren. Über den Rest machen sich Andere mehr Gedanken als ich mir selbst. Meine Spieler gehören nicht dazu. Sie wollen weiterentwickelt werden und wissen, dass ich ihnen mit meiner Erfahrung und Kompetenz dabei helfen kann. Sie haben großen Respekt vor meiner Karriere. Ich kann Fußballspielen. Darum geht es.

Ein Kollege aus der Sportredaktion hat mich noch gebeten, Sie zu fragen, ob Sie mit Ihren fünf Treffern im „Sportstudio“ mehr für den Frauenfußball getan haben als der DFB in 20 Jahren.

Das ist keine faire Frage, da tut man dem DFB unrecht. Journalisten – aber auch die Vereine – sollten sich lieber selbst fragen, ob sie genug dafür tun, dass Frauenfußball in der Öffentlichkeit so präsent ist, wie er es verdient hätte.

Am Samstag hat auch Frauenfußball-Nationaltorhüterin Almuth Schult ziemlich gut geschossen – sogar mit hohen Schuhen. In der „Sportstudio“-Geschichte gab es Männer wie Pelé, die gar nicht getroffen haben. War das kein großer Tag für den Frauenfußball?

Naja, es war vor allem Zeit, dass mal wieder Frauen ins „Sportstudio“ eingeladen wurden. Das kommt leider sehr selten vor. Vielleicht bin ich nur deswegen die erste Frau, die fünfmal getroffen hat. Vielleicht aber auch, weil ich so gut bin. Als ich gehört habe, dass Almuth praktisch gegen mich schießt, war mir jedenfalls klar, dass ich gegen eine Torhüterin nicht verlieren darf.

Deswegen haben Sie die Schuhe vor dem Schießen gewechselt?

Selbstverständlich. Aber meine Schuhe waren schon noch mal etwas höher und spitzer als die von Almuth. Den Clown wollte ich nicht spielen. Ich wollte treffen.

Würden Sie gerne noch mal antreten, um alle sechs Bälle zu versenken?

Immer!

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