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Sängerin Zaz : „Du musst dich selbst an die Hand nehmen“

Von der Straßenmusikerin zur nationalen Künstlerin: Zaz. Bild: Yann Orhan

Sie ist eine der angesagtesten Künstlerinnen Frankreichs: Die 38 Jahre alte Sängerin Zaz. Ihre Intensität wirkt so echt, weil sie hart erarbeitet ist. Ein Treffen in Paris.

          „Genau 14 Uhr“, sagt Zaz und strahlt, weil sie so pünktlich ist. Sie nimmt unter einem Heizpilz auf der ansonsten leeren Außenterrasse des „Mama Shelter“ Platz, einem von dem französischen Stardesigner Philippe Starck entworfenen Hotel in der Nähe der Pariser Place da la Bastille. Dann mustert sie ihr Gegenüber: „Kennen wir uns? Du erinnerst mich an jemanden.“ Müsste man die französische Sängerin Zaz, bürgerlich Isabelle Geffroy, 38, genannt Isa, mit wenigen Worten charakterisieren, so würden diese ersten Sekunden des Aufeinandertreffens mit ihr schon die Grundzüge ihres Charakters widerspiegeln: ungestüm, uneitel, fröhlich und sehr, sehr nahbar.

          Katrin Hummel

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Willst du was essen?“, fragt sie und greift gleichzeitig nach der Speisekarte. Sie trägt einen schwarzen Mantel, ein silbernes Piercing über dem linken Wangenknochen und einen länglichen silbernen Ohrring. Das braune Haar hat sie zu einem lässigen Pferdeschwanz gebunden; was Make-up angeht, so trägt sie nur Puder und Wimperntusche. Sie wirkt so entspannt, als würde sie sich mit einer Freundin zum Mittagessen treffen. Der Mann von Warner Music, der sie begleitet, macht nicht mal den Versuch, sich mit an den Tisch zu setzen. Und andere Journalisten wird Zaz heute auch nicht mehr treffen.

          Sie ging dahin, wo sie Arbeit fand

          Dabei steht die Presse bei ihr Schlange, hat sie doch gerade nach fünf Jahren Pause ihr viertes Album herausgebracht, „Effet Miroir“ (Spiegeleffekt). Seit 2010 ihre erste Single überhaupt, der Anti-Bling-Bling-Song „Je veux“, gleich zum Lieblingslied der Franzosen gewählt wurde und ihr erstes Album „Zaz“ in 54 Ländern auf den Markt kam, hat sie mehr als vier Millionen Alben verkauft. Und: ihren Platz als Pariser Straßenkünstlerin eingetauscht gegen den auf Hunderten Konzertbühnen rund um den Globus, von Japan bis Lateinamerika.

          Dass es mal so kommen würde, war lange nicht absehbar. Mit 20 machte sie, aus Tours gebürtig, eine Live-Show-Ausbildung in Bordeaux, trat auf Dorffesten auf und sang gleichzeitig in einer Latin-Band, einer Jazz-Band und einer Blues-Gruppe. 2006 zog sie nach Paris, sang dort in einer Pianobar, dann in einem Kabarett, heiratete einen kubanischen Musiker, ließ sich vier Jahre später wieder von ihm scheiden, ist heute die Patentante seiner Tochter. Sie sang in einer weiteren Pianobar, langweilte sich schließlich und kündigte.

          „Ich dachte“, erzählt sie über diese Zeit, „es wird schon irgendwie weitergehen, und es wird besser werden als jetzt. Und tatsächlich war da an meinem letzten Arbeitstag dann so ein Zuschauer, der kam zu mir an die Bühne und sagte: ‚Geld ist doch nur Papier.‘ Ich antwortete: ‚Dann gib mir Papier.‘ Da machte der so eine Box auf, da waren 500 Euro drin. Und die wollte er mir geben. Ich fragte: ‚Woher kommen die?‘ Er sagte: ‚Immobiliengeschäfte.‘ Also nahm ich sie. Mir passieren immer solche Sachen. Und für mich ist das ein Zeichen, dass ich öfter richtig abgebogen bin. Dass ich Vertrauen haben soll.“

          Fortan ging sie also immer weiter dahin, wo sie Arbeit fand: Wladiwostok, Casablanca und schließlich, als sie keine Arbeit mehr fand, eben auf die Straße. Fast ein Jahr lang trat sie mit zwei anderen Musikern auf dem Montmartre auf und fühlte sich frei, obwohl sie extreme Geldsorgen hatte. „Weil Geld einen nämlich auch unfrei machen kann. Es bietet zwar Sicherheit, aber eine Sicherheit, die auch lähmen kann. Denn manchmal strengst du dich, wenn du kein Geld hast, mehr an, du wirst kreativer, und dann findest du vielleicht etwas, das besser zu dir passt“, erklärt sie.

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