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Wursthändler und Philanthrop : Der Millionär, der sein Vermögen der Universität vermacht

  • -Aktualisiert am

„Habe mir ganz einfach überlegt, wo ich mit meinem Geld die größte Wirkung erziele”: Peter Krüger Bild: Helmut Fricke / F.A.Z.

Peter Krüger gründete die Delikatess-Kette „Schlemmermeyer“, machte danach Geschäfte mit Immobilien und hat dabei Millionen verdient. Der Philanthrop vermacht nun sein privates Vermögen der TU Freiberg. Es ist die größte Schenkung an eine private Universität.

          Peter Krüger hat in seinem Leben schon viel unternommen: Während seines Studiums in Karlsruhe fotografierte er mit einer Leica amerikanische Soldaten, in Kanada montierte er für 80 Cent die Stunde Fernsehantennen auf Hausdächer, später baute er Cockpits in Flugzeuge ein. In Essen übernahm er in den fünfziger Jahren einen Spezialbetrieb für Korrosionsschutz, er gründete in München eine Delikatess-Kette, und er besitzt Immobilien.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Das neueste Wagnis des 83 Jahre alten Unternehmers ist eine Stiftung: Peter Krüger hat der TU Bergakademie im sächsischen Freiberg das größte private Vermögen vermacht, das bisher eine private Universität in Deutschland bekommen hat. Seit dem 1. Januar ist die traditionsreiche Hochschule Besitzerin von acht Geschäftshäusern in verschiedenen deutschen Städten. Alle Immobilien liegen in besten Innenstadtlagen - so wie der Zentrale Messepalast und der „Grönländer“ in Leipzig, von denen Krüger in seinem Münchner Büro Bilder aufgehängt hat.

          Geld mit größter Wirkung

          Der Wert der acht Geschäftshäuser ist schwer zu bemessen. Jedenfalls bringen die Immobilien Jahr für Jahr mehrere Millionen Euro ein. Die Universität legt einen Teil zurück, um das Kapital der nach Krügers Vater Dr. Erich Krüger benannten Stiftung weiter aufzustocken. Ein bis zwei Millionen Euro im Jahr werden an Forschergruppen der Bergakademie ausgeschüttet. „Ich habe mir ganz einfach überlegt, wo ich mit meinem Geld die größte Wirkung erziele“, sagt Krüger. Wohltätige Zwecke gebe es ja massenhaft. „Und wenn man sich die Not auf der Welt anschaut, ist auch ein solcher Betrag nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Bei einer Universität und noch dazu einer so kleinen wie in Freiberg kann man richtig zuschauen, wie das Wellen schlägt.“

          Krüger hat auch eine starke biographische Motivation für seine Stiftung. 1924 kam er in Freiberg zur Welt. Sein Vater Erich Krüger war Studienrat in Freiberg und folgte dann einem Ruf an das Metallhütteninstitut der Bergakademie, wo er einen Lehrauftrag zum Thema „Hüttenrauchschäden“ (also Umweltschäden) durch den Bergbau übernahm. Dass sich auch sein Sohn mit dem Bergbau beschäftige, war sein großer Wunsch. Weil nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs der Studienbetrieb in Freiberg zunächst noch nicht aufgenommen wurde, begann Peter Krüger im Frühjahr 1945 als Lehrling im Elektrotechnischen Institut der Bergakademie. „Vater wollte, dass ich von der Straße runterkomme, wie er sich ausdrückte.“ 1946 begann Krüger sein Studium. „Nach nur einem Semester bin ich dann rausgeworfen worden, weil ich kein Arbeiter- und Bauernkind war.“ So schloss er seine Lehre ab und ging dann nach Karlsruhe, wo er Elektrotechnik studierte.

          Von Beruf Elektroingenieur

          Schon bald fasste der junge Mann den Entschluss auszuwandern. „Am Tag, an dem ich mein Diplom bekam, ging ich also zur kanadischen Einwanderungsmission. Und ein Vierteljahr später war ich weg, denn damals war ich überzeugt, dass es zu einem dritten Weltkrieg kommen würde.“ In Kanada ging es schnell voran: Krüger blieb weder lange schlecht bezahlter Fernsehantennenmonteur noch Cockpitinstallateur, sondern bekam schon bald in seinem Beruf als Elektroingenieur in einer Transformatorenfabrik Arbeit. Doch seine ebenfalls aus Deutschland stammende Frau wollte wieder zurück in die Heimat. Hinzu kam, dass die Firma von Krügers eben gestorbenem Schwiegervater in Essen weitergeführt werden musste. Also stieg Krüger in das Korrosionsschutz-Unternehmen ein. „Kaum angekommen, sah ich, dass die Firma pleite war. Die hatten nur noch dreizehn Mann am Pinsel und sieben Damen im Büro.“

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