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Woody Harrelson im Interview : „Ich war eine Art Muttersöhnchen“

  • -Aktualisiert am

Familienvater als Gott und Katastrophe: Harrelson im Film „Schloss aus Glas“. Bild: Studiocanal

Woody Harrelson ist Spezialist für Männer mit verwahrlostem Emotionshaushalt. Im Interview spricht der Schauspieler über sein rauhes Image und erniedrigende Selbstvermarktung. Und er erklärt, warum er sich über den Oscar nicht den Kopf zerbricht.

          6 Min.

          Vor der Kamera ist Woody Harrelson Spezialist für Männer mit verwahrlostem Emotionshaushalt. Und er spielt diese Typen so überzeugend, dass selbst durchschnittlich gute Filme durch ihn sehenswert werden. In der Bestsellerverfilmung „Schloss aus Glas“ sieht man ihn nun als nonkonformistisches Familienoberhaupt, als einen Menschen, der zwischen Abstürzen und kreativen Schüben pendelt. Für seine Kinder ist er abwechselnd Gott und Katastrophe.

          Ist der Träumer und Querulant, den Sie in diesem Film spielen, für Sie eine Art Bruder im Geiste?

          Ich kann mich tatsächlich sehr gut mit dieser Rolle identifizieren, denn ich kenne die Emotionen dieses Mannes gut. Ich arbeite als Schauspieler immer so, dass ich erst einmal versuche, so viel Material wie möglich in mir zu finden. Rex ist ein faszinierender Bursche, weil er so komplex ist. Er ist eben nicht ausschließlich nett, er ist aber auch nicht nur ein Arschloch. Ich bin ja ebenfalls Vater und kenne einen Teil seiner Probleme sehr gut. Du willst, dass deine Kinder bestimmte Dinge im Alltag sinnlich erleben und dadurch etwas lernen. Das sind Sachen, die man ihnen ganz bestimmt nicht in der Schule beibringt.

          Sie spielen einen Außenseiter, der nicht in diese Gesellschaft passt und sich auch gar nicht anpassen will. Kam Ihnen das bekannt vor?

          Da bin ich mit ihm völlig einer Meinung. Ich halte unsere Gesellschaft in vielen Bereichen für korrupt. Und es ist bestimmt nicht der richtige Weg, sich dem Status quo anzupassen. Das habe ich immer für die falsche Richtung gehalten.

          Kinotrailer : „Schloss aus Glas“

          Wie haben Sie eigentlich als Arbeitnehmer im sogenannten System Hollywood überlebt?

          So rebellisch bin ich dann auch wieder nicht. Glauben Sie mir, auch ich habe meine obligatorische Menge an Hintern geküsst, um einen Job zu bekommen. Dann gab es wieder Zeiten, in denen ich nicht genug geküsst habe. Aus heutiger Sicht muss ich aber auch sagen, dass ich manchmal ziemlich unausstehlich war. Einige Menschen hätte ich netter behandeln sollen. Das hätte mir weitergeholfen. Letztlich jedoch ist es ja ganz gut für mich gelaufen. Ich bin gelassener geworden. Aber es gibt auch immer noch diese Momente, in denen ich wütend auf mich bin.

          Welche Momente sind das?

          Wenn ich das Gefühl habe, nicht mehr ich selbst zu sein, und jemand werde, von dem man ein bestimmtes Verhalten erwartet. Ich versuche, mir so gut wie möglich treu zu bleiben. Aber manchmal ist das eine harte Angelegenheit. Denn die Welt ist nicht immer an meinem wahren Naturell interessiert (lacht).

          Bei welchen Gelegenheiten passen Sie sich zu sehr an?

          Es sind vor allen Dingen Gelegenheiten, in denen ich anderen nach dem Mund rede. Es kommt nicht so oft vor. Aber dann fühle ich mich falsch und unaufrichtig. Und dann kann ich mich nicht ertragen.

          Gehören auch Interviews zu diesen Gelegenheiten? Im Laufe der Jahre gewinnt man den Eindruck, dass die nicht gerade zu Ihren Lieblingsbeschäftigungen gehören.

          Nichts gegen Sie, aber ich gebe weder gerne Interviews, noch bewerbe ich gerne meine Filme. Für mich fühlt es sich irgendwie falsch an. Ich will nicht derjenige sein, der sagt: Geht ins Kino. Und wenn ich Pressearbeit machen muss, weil ich vertraglich dazu verpflichtet bin, dann mache ich so wenig wie möglich.

          Ich weiß, eine Menge Leute werden mich dafür hassen, dass ich so etwas ausspreche. Aber ich finde es irgendwie erniedrigend, mich selbst loben zu müssen und zu erzählen, wie großartig der Film ist. Natürlich ist es leichter, wenn es um einen Film geht, den ich wirklich mag. Und ich liebe diesen Film. Er ist ziemlich gut geworden. Und das sage ich aus Überzeugung.

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