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Wolfgang Grupps Privatfriedhof : Ein Grab für einen König

Wolfgang Grupp, der „König von Burladingen”

Wolfgang Grupp, der „König von Burladingen” Bild:

Wolfgang Grupp, standorttreuer Textilfabrikant aus Burladingen, lässt sich zurzeit ein Familiengrab bauen: 45 Meter lang und 15 Meter breit. Die Grabkammer der württembergischen Könige auf dem Rotenberg ist dagegen fast bescheiden.

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          „Kein Erbbegräbnis mich stolz erfreut, meine Gräber liegen weit zerstreut“, klagte Fontane. Der Dichter passt zwar besser zum märkischen Sand als zu den engen Tälern der Schwäbischen Alb. Doch wer in diesen Tagen Burladingen besucht, könnte vermuten, dass der Trigema-Chef Wolfgang Grupp zu viel Fontane gelesen hat. Wenige Meter entfernt vom alten Burladinger Friedhof, in Sichtweite der katholischen Kirche St. Fidelis, sind Arbeiter damit beschäftigt, Muttererde zu verteilen und Wege für Grupps neues Familiengrab zu pflastern. Bei einer Länge von 45 und einer Breite von 15 Metern ist es wohl treffender, von einem Privatfriedhof zu sprechen. Das sind mehr als 600 Quadratmeter, die Grabkammer der württembergischen Könige auf dem Rotenberg ist dagegen fast bescheiden.

          Rüdiger Soldt
          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Grupps Friedhof ist von einer weißen Mauer umsäumt. Ähnliche weiß gestrichene Mauern ließ Grupp auch zum Schutz des Fabrikgeländes und seiner Fabrikantenvilla bauen. Dort lebt Grupp, wenn er nicht in seinem Ferienhaus im Allgäu ist, mit seinen zwei Kindern, seinem Butler und seiner Frau, der Baroness Elisabeth von Holleuffer.

          „Das wird pompös“

          Vor der westlichen Mauer des Privatfriedhofs sind sechs Gräber vorgesehen, über jedem künftigen Grab gibt es an der Mauer eine Aussparung für eine Gedenktafel. Eigentlich wäre auf dem Friedhof Platz für mindestens hundert Normalsterbliche. Aber der 67 Jahre alte Grupp ist in Burladingen kein Normalsterblicher. „Das wird so pompös, wie er selbst ist“, sagt eine Rentnerin, deren Grundstück an Grupps neuen Friedhof grenzt. Immer wenn sie aus der Tür tritt, wird sie nun an den stets sonnengebräunten Grupp denken müssen.

          45 mal 15 Meter: das künftige Gruppsche Familiengrab
          45 mal 15 Meter: das künftige Gruppsche Familiengrab :

          In zahlreichen Talkshow-Auftritten verkündet Grupp seit Jahren sein unternehmerisches Mantra, wonach es trotz Globalisierung durchaus möglich ist, in Deutschland Massenkonsumartikel wie T-Shirts zu produzieren, und die Weltwirtschaftskrise weniger schlimm ausgefallen wäre, wenn die Vorstandsvorsitzenden der Aktiengesellschaften persönlich haften müssten. Der SWR hat über Grupps Wirken in der Kleinstadt mit 13.000 Einwohnern im Zollernalbkreis im vergangenen Jahr einen Film mit dem Titel „Der König von Burladingen“ gesendet.

          Keine Gegenstimme im Gemeinderat

          700 Burladinger beschäftigt Grupp in seinem Stammwerk. Den Kindern seiner Angestellten garantiert er einen Ausbildungsplatz. Für die vier Millionen Euro teure Sporthalle hat er gerade eine Million Euro gestiftet. „Der König von Burladingen bin aber ich, das weiß er auch“, sagt Bürgermeister Harry Ebert. Grupp habe für seine Stadt und die Region Großes geleistet und, so die Schlussfolgerung des Bürgermeisters, deshalb dürfe er sich nun auch etwas Großes leisten. Ebert hat gegen Grupps legendäre Hubschrauberflüge in seine mehr als vierzig Direktverkaufsshops ebenso wenig einzuwenden wie gegen den Privatfriedhof. Der Gemeinderat stimmte einstimmig dafür, Grupp das Friedhofsgelände für fünfzig Jahre zu überlassen.

          Burladingen war bis vor zwanzig Jahren ein Zentrum der württembergischen Textilindustrie. Hier wurde der Nicki-Pullover erfunden. Bürgermeister Ebert plagt sich noch heute mit den Überbleibseln dieser Zeit: Noch immer reichten die bezogene Wassermenge und die großen Abwasserleitungen aus, um mehrere große Textilfabriken zu versorgen. „Früher gab es acht große Textilfabrikanten hier, Grupp ist der Einzige, der überlebt hat“, sagt Ebert. Der Unternehmer habe schon vor vielen Jahren den Wunsch geäußert, ein großes Familiengrab einzurichten. „Damals konnte ich ihm nichts anbieten, weil unser Friedhof viel zu klein war.“

          Grupp selber kann die Aufregung nicht verstehen: „Meine Verpflichtung ist es, das fortzusetzen, was meine Großeltern und Eltern geschaffen haben, das betrifft das Unternehmen und das Familiengrab, das meine Großeltern hatten.“ Er mache das nicht, um sein Ego zu pflegen. Das alte Gruppsche Familiengrab muss man auf dem Friedhof jedenfalls etwas suchen. Es ist mit Efeu zugewuchert, wirkt bescheiden, und nur wer dicht an den Grabstein herantritt, kann den Namen Grupp entziffern.

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