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Bedeutungen eines Wortes : Hey, du Opfer!

An den Osterfeiertagen gedenken Christen der Opfer, die Jesus für sie erbracht hat. Bild: dpa

Überall dasselbe Wort: auf dem Schulhof, in der Kirche, vor Gericht, bei #MeToo. Aber mal geht es um Ohnmacht, mal um Helden. Eine Spurensuche.

          9 Min.

          Die evangelische Osterkirche ist eine Berliner Arbeiterkirche aus efeubewachsenem roten Backstein. 1911 gebaut, hat sie, auf eine Straßenecke im Wedding gedrängt, nahezu unbeschadet zwei Weltkriege mit Millionen und Abermillionen von Opfern überstanden. Nur ein paar hundert Meter weiter liegt das Spreekanalufer, an dem der Attentäter vom Breitscheidplatz einen Sattelschlepper kaperte. Zwölf Menschen tötete er: die Opfer des ersten schweren islamistischen Terroranschlags in Deutschland.

          Julia Schaaf

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Pfarrer Thilo Haak sperrt die Kirchentür auf und schlendert über abgewetzte Teppichfliesen in Richtung Altar. Haak mag Ostern. Das höchste und älteste Fest des Christentums beschert ihm zwar mehr Arbeit als jeder andere Termin im Kirchenjahr – vier verschiedene Predigten für Gottesdienste von Gründonnerstag bis Ostermontag. Aber Ostern steht, wie Haak es ausdrückt, für neues Leben, mitten im Frühjahr, während man zusehen kann, wie die Natur wiederaufersteht. Der Sechsundfünfzigjährige, ein Jeans-und-Pulli-Typ mit goldenem Blümchenstecker im Ohr, ist vor dem Altar mit dem Kruzifix stehen geblieben. Ein Jesus aus karamellfarbenem Holz hängt dort, gesenkter Kopf, die Augen geschlossen, in Handflächen und Füßen stecken kantige Pflöcke. Haak seufzt. So schön das auch sei mit der Osterbotschaft und der Überwindung des Todes – das Karfreitagsgeschehen habe schon die Evangelisten herausgefordert: „Warum musste Jesus sterben?“

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