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Zeitgeschichte : Bär im Dienst

  • -Aktualisiert am

Bild: privat

Viele Jahrzehnte gehörten Menschen im Eisbärenkostüm zum Stadtbild in Deutschland. Der Franzose Jean-Marie Donat hat hunderte Fotos von ihnen gesammelt und fragt sich: was sollte das?

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          Im Berliner Zoo, so erzählt man sich, gab es in den zwanziger Jahren zwei Eisbären. Sie hießen nicht Knut, waren aber trotzdem sehr beliebt. Irgendeiner der Zoo-Angestellten kam angeblich auf die Idee, zwei Leute im Eisbärenkostüm vor den Eingang zu stellen, die sich gegen Geld mit den Wartenden fotografieren ließen. Das sei so erfolgreich gewesen, dass sich die Eisbären bald vermehrten und landesweit auf Volksfesten zu finden waren.

          Jean-Marie Donat weiß nicht, ob das stimmt. Verwunderlich aber, dass erst ein Franzose kommen muss, um den Deutschen diesen Teil ihrer Kulturgeschichte näherzubringen: Donat hat ein Buch gemacht aus Dutzenden dieser Fotografien, 300 hat er in den letzten Jahrzehnten auf deutschen Flohmärkten gefunden. Datieren lassen sich die wenigsten Bilder. Sie zeigen aber: Das mit den Eisbären in Deutschland offenbar eine große Sache und keineswegs ein Nachkriegsphänomen; selbst Eva Braun und Wehrmachtssoldaten posierten schon mit den Kostümierten. Amerikanische Soldaten aber auch – der Krieg ging vorüber, die Bären nicht.

          Der Kulturhistoriker Michael Schimek, der sich dem Kuriosum wissenschaftlich näherte und trotzdem weitgehend ratlos zurückblieb, vermutet, dass die Bärenbilder ihren Ursprung in Bade- und Kurorten im Süden Deutschlands haben. Damals machte man nicht einfach Bilder ohne Anlass. Und ein Bär war eben ein sehr guter Anlass. Irgendwann in den Siebzigern, als die Menschen plötzlich selber Kameras hatten, starben die Bären einfach aus. Das ist das Ende der Geschichte.

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