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Witze auf Kosten anderer : Was ein Komiker in Deutschland noch sagen darf

Über Laurel und Hardy, hier in „Hände hoch – oder nicht“, darf man immer lachen. Bild: MGM / Kobal Collection / FOTOFIN

Zwei Karnevalsscherze haben unser Land aufgewühlt. Wie sicher ist der Humorstandort Deutschland in Zeiten politischer Korrektheit?

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          Der Karneval ist vorüber, die Fanfaren sind verklungen, und allmählich legt sich auch die Aufregung über die neue CDU-Chefin, welche, wie kritisiert wurde, mit einem verunglückten Scherz eine gesellschaftliche Minderheit verletzt hat. Dabei ist Annegret Kramp-Karrenbauer sogar Wiederholungstäterin: Nicht allein bei ihrer Verteidigungsrede als Angeklagte vorm Stockacher Narrengericht, auch bei ihrem Auftritt als Putzfrau Gretel in St.Ingbert nämlich hat sie einen Witz auf Kosten Übergewichtiger gemacht, konkret auf Kosten von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier. Der sei, sagte Kramp-Karrenbauer in St.Ingbert, nur deshalb nicht Außenminister geworden, weil die Flugbereitschaft protestiert habe: „Der wär’ zu schwer, da käm’ kein Flieger mehr vom Boden ab.“ In Stockach wiederum behauptete sie, Altmaier habe sein jetziges Amt nur erhalten, damit endlich mal wieder ein Wirtschaftsminister „ansatzweise so aussieht wie Ludwig Erhard“. Nicht nett, wahrlich nicht.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Allerdings auch kein Skandal. Den hat die CDU-Vorsitzende bekannterweise ausgelöst mit einer Passage über Berlin, Latte Macchiato, Toiletten fürs dritte Geschlecht und Männer, die zutiefst verunsichert seien ob der gesellschaftlich erwünschten Art des Wasserabschlagens. Eine spannende Frage ist, warum jener schlechte Scherz ihr empörte Kritik bescherte, die kaum besseren Altmaier-Späße aber nicht.

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