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Meghan und Harry: Künftig halb royal, halb normal? Bild: AFP

Aussteigerphantasien : Wir machen die Meghan!

Ausbrechen aus einem vorgezeichneten Leben: Das Herzogspaar von Sussex zeigt, wie es geht. Andere werden ihnen folgen. Ein satirischer Blick in die nahe Zukunft.

          3 Min.

          Dank Meghan und Harry wissen wir nun, dass das Undenkbare möglich ist: auszusteigen aus einem nahezu gänzlich vorherbestimmten Dasein. Zwar unermesslich reich zu sein, doch nie wirklich frei, Winken und Lächeln als Lebensinhalt. Und wer wollte die beiden verurteilen für ihr Bestreben, das Beste mitzunehmen aus beiden Welten, zu pendeln zwischen Kanada und Königreich, Palast- und trautem Familienleben, High Society und Häuschen im Grünen?

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Hin- und hergerissen zwischen Traditionspflege, Sinnsuche und Selbstverwirklichung sind Meghan und Harry wahre Kinder unserer Zeit. Und sie werden gewiss Nachahmer finden, die sich ebenfalls daranmachen werden, ihre Aussteigerphantasien zu verwirklichen, und die damit für ebenso viel Aufsehen sorgen dürften. Ein Blick in die nahe Zukunft.

          Lisa Simpson reichts’s

          Paukenschlag bei den „Simpsons“. Wie der amerikanische Sender Fox bekanntgegeben hat, muss der Cartoon-Dauerbrenner fortan ohne eine seiner prominentesten Figuren auskommen: Lisa Simpson, das mittlere Kind der berühmten Fernsehfamilie, hat nach der 31. Staffel ihren Ausstieg erklärt.

          „Es muss noch mehr im Leben geben als eine fiktive amerikanische Kleinstadt voller seltsamer Figuren, die allesamt an Gelbsucht zu leiden scheinen“, hat Lisa Simpson in einer ersten Stellungnahme erklärt. Schon mehrfach im Laufe der Serie war es zu Spannungen zwischen der hochbegabten Lisa und dem eher tiefbegabten Rest der Simpsons gekommen. „Ich liebe meine Familie und werde weiterhin Kontakt zu ihr halten“, so Simpson, „aber nach all den Jahren benötige ich dringend einmal den Austausch mit Menschen, die meinem intellektuellen Niveau entsprechen.“

          Ursprünglich hatte Simpson, die in der Unterhaltungsbranche bleiben möchte, daher auf einen Einstieg bei „The Big Bang Theory“ gehofft, „aber diese Serie war ja leider sehr kurzlebig und wurde schon nach 12 Staffeln eingestellt“. Erst einmal hofft Simpson, die trotz Hochbegabung 31 Jahre lang die zweite Klasse ihrer Grundschule besucht hat, irgendwo einen Platz in einer dritten Klasse zu bekommen.

          Goodbye, Bayer: Rudi Völlers Club hat genug

          Diese Ankündigung stürzt die Fußball-Bundesliga in die größte Krise seit Jahrzehnten: „Wir spielen nicht mehr mit“, hat Rudi Völler, Geschäftsführer von Bayer Leverkusen, in einer Pressekonferenz mitgeteilt. „Zumindest nicht mehr nach den alten Regeln.“ In den 41 Jahren, die der Verein ununterbrochen in der Bundesliga spielt, ist Leverkusen höchstens mal Zweiter geworden und ohne realistische Chance, es ganz nach oben zu schaffen. „Jede Saison 34 Spiele, über den Platz rennen, im Training schuften, und am Ende kommt doch nix rum“, klagt Völler. „Aus dieser Mühle wollen wir raus.“

          Der Liga ganz den Rücken kehren möchte Bayer nicht; der Verein hat bei der DFL den Antrag gestellt, nur noch zu Heimspielen antreten zu müssen (Völler: „Auswärtsspiele sind eine Schikane. Ewig lange Anreisen, und immer wird man ausgepfiffen, das ist verletzend“) und die penetranten Kamerateams aus dem Stadion verbannen zu dürfen („Ständig unter Beobachtung, keine Privatsphäre, furchtbar!“).

          An ihren spielfreien Tagen wollen sich die Bayer-Fußballer in Funsportarten wie Beachvolleyball und Stand-up-Paddeln versuchen. Die DFL hat angekündigt, dem Club keine Steine in den Weg zu legen, und hofft darauf, dass die zeitweilige Abwesenheit Leverkusens vielleicht gar nicht bemerkt wird.

          Abschied von der Jugend: Greta Thunberg kündigt den Generationenvertrag

          Die Auseinandersetzung um den Klimawandel spitzt sich zu. In einem beispiellosen Schritt hat nun die Jugend dieser Welt den älteren Generationen erklärt, dass sie getrennte Wege gehen möchte. „Wir machen nicht mehr mit“, teilte Sprecherin Greta Thunberg mit. „Nicht beim kapitalistischen System, nicht bei euren Vereinten Nationen und schon gar nicht beim Generationenvertrag. Ihr hattet die Erde von uns nur geliehen, aber so, wie sie jetzt aussieht, wollen wir sie gar nicht zurückhaben.“

          Im schwedischen Småland wollen die Kinder und Jugendlichen aller Länder nun zusammenkommen, in Kommunen leben, Gemüse anpflanzen und bissige Chorlieder einstudieren. Kommuniziert werden soll nur noch über Plattformen wie Tiktok, die kein Mensch über zwanzig kapiert.

          Die Älteren traf die Ankündigung völlig unvorbereitet; nun, da sie ohne Nachwuchs dastehen, ist ihr Aussterben so gut wie besiegelt. Ihr weiteres Vorgehen wollen die Ältestenräte der Weltparlamente erst einmal bei einer schönen Kreuzfahrt beraten.

          Der Mars geht - und nimmt die Venus mit.

          So etwas hat es in den 4,5 Milliarden Jahren unseres Sonnensystems nicht gegeben: Zwei Planeten haben erklärt, dass sie aussteigen möchten. Spekulationen über eine Beziehung zwischen dem coolen Mars und der heißen Venus hatte es schon länger gegeben, nun wurden sie bestätigt: „Ja, wir lieben uns“, gaben die beiden in einem Statement bekannt, „und wir möchten einfach nicht mehr ständig um die Sonne kreisen, 120 Millionen Kilometer voneinander entfernt. Und das immerzu mit der blöden Erde dazwischen.“

          Ihre vorgezeichnete Laufbahn wollen Mars und Venus jetzt endlich verlassen und überlegen, überzusiedeln zum rund 2500 Lichtjahre entfernten sonnenähnlichen Stern Kepler-90, um den sie fernab der lästigen Weltraumteleskope ihre Bahnen drehen könnten.

          Die anderen Planeten reagierten bestürzt und doch verständnisvoll auf den Abschied ihrer Gefährten; Saturn versprach, zur Hochzeit der beiden zwei seiner Ringe zu spendieren. Um die Lücken zu füllen, werden die anderen Planeten nun noch näher an die Sonne heranrücken müssen, was zumindest auf der ohnehin immer hitzigeren Erde allerdings kaum auffallen dürfte.

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