https://www.faz.net/-gum-8zykf

William und Kate in Heidelberg : Vier Stunden royaler Glanz

Prinz William und seine Frau Kate treffen am zweiten Tag ihrer Deutschlandreise in Heidelberg ein. Bild: AFP

Prinz William und seine Frau Kate besuchen am zweiten Tag ihrer Deutschlandreise Heidelberg. Auf dem Programm steht auch eine Regatta auf dem Neckar.

          Am frühen Morgen hetzt ein Mann mit Union-Jack-Einstecktuch zum Zug. Er könne leider nicht dabei sein, wenn das britische Thronfolger-Paar zum Rudern und zu einem Besuch des Deutschen Krebsforschungs-Zentrums nach Heidelberg komme, sagt er und fährt von dannen. Überhaupt mussten die Heidelberger bei der Vorbereitung des Besuchs von Kate und William ziemlich sportiv sein, die Entscheidung für die Stadt fiel erst vor gut sechs Wochen. Um 13.57 Uhr stehen dann der Herzog und die Herzogin von Cambridge vor dem Heidelberger Rathaus. Es wird gejubelt. „Das Kleid ist gelb“, kreischt eine Studentin. Auf einem deutsch-britischen Markt werden Bonbons und Brezeln und Naturlimo hergestellt.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Das Thronfolgerpaar soll einen Rundgang machen. Das Protokoll hat auf den Pflastersteinen den Punkt markiert, an dem sich Kate und William die Geschichte des Heidelberger Schlosses von Oberbürgermeister Eckart Würzner (parteilos) erklären lassen sollen, Würzner hat in Amerika gearbeitet, Sprachprobleme gibt es nicht. Würzner erläutert aber eher die Fassade der Heilig-Geist-Kirche. „Impressive“, sagt William. Zum Schloss schauen beide nicht, vielleicht liegt das am britischen Wetter, dem Regen und den vielen Regenschirmen.

          Vor einem der Stände trifft William Ilona Appel. Das ist kein Zufall, der Sohn der 67 Jahre alten Frau ist Notarzt bei der „East Anglian Air Ambulance“, William war dort Pilot und hat ihn oft geflogen. „Der ist überhaupt nicht kompliziert, er kennt auch meinen Enkelsohn“, sagt denn auch Ilona Appel. Kate und William müssen Tee probieren, und selbstverständlich schwäbische Brezeln ausrollen. „Kate hat sich viel besser angestellt“, sagt Bäckermeister Axel Blank, als sich der Tross schon wieder auf den Weg zum nächsten Stand gemacht hat.

          Zur Regatta ziehen sie sich um

          Auf den Markt vor dem Rathaus hat die Stadt auch 200 Bürger und Ehrengäste eingeladen. Franziska van Almsick, tiefgebräunt mit weinrotem Überhang, gehört ebenso dazu wie der Bundestagsabgeordnete Karl A. Lamers und einige Lokalpolitiker. Das Rathaus ist am Donnerstag komplett geräumt worden, denn vor der 1000-Meter-Regatta auf dem Neckar ziehen sich Kate und William dort noch um. Der Herzog legt das Sakko ab und erscheint in blauer Chino-Hose und Freizeithemd, Kate trägt ein blau gestreiftes Langarm-Shirt, dazu weiße Sneaker. Das macht die beiden noch volksnäher.

          Dass die Herzogin und der Herzog von Cambridge nach Berlin und Hamburg reisen würden, stand früh fest. Heidelberg war eine Option, eine naheliegende, denn die Verbindungen der Stadt mit der ältesten deutschen Universität zu Großbritannien sind vielfältig. 1613 reisten der pfälzische Kurfürst Friedrich V. und seine Braut Elisabeth Stuart, Prinzessin von England, nach Heidelberg, wohnten im Schloss und feierten dort auch ihre Vermählung ausgiebig. Politisch ging es darum, mit der Heirat auf dem damals katholisch dominierten Festland eine kleine Bastion des Calvinismus zu festigen.1979 war zum letzten Mal ein Mitglied des britischen Königshauses am Neckar – Prinz Philip. Heute ist die Verbindung zwischen Heidelberg und Großbritannien vor allem universitärer Natur. Seit 52 Jahren gibt es eine Städtepartnerschaft mit Cambridge, die Universitäten kooperieren auf vielen Ebenen. Und, Zufall oder nicht, Kate und William tragen seit 2011 ja auch den Titel „Duke and Duches of Cambridge“.

          Weitere Themen

          „Wir hatten Angst um unser Leben“

          LGBT-Parade in Polen eskaliert : „Wir hatten Angst um unser Leben“

          Steine fliegen, Hooligans prügeln: Im polnischen Nordosten ist eine Parade von Schwulen und Lesben in Gewalt untergegangen. Ein junger Pole erzählt der F.A.Z. von dem Tag – und seinen Erfahrungen mit Diskriminierung in Polen.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.