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Will Smith : „Nummer 1 der Charts zu sein macht mich nicht mehr glücklich“

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Ja. Und ich hatte das Gefühl, ich habe auf diesem Weg zur Spitze Dinge verpasst oder nicht beachtet, die genauso spektakulär gewesen wären. Ich war so auf das Ziel fixiert, dass ich die Schönheit der Reise vernachlässigt habe. Und nur weil ich da unbedingt hinwollte, war das vielleicht gar nicht meine Bestimmung. Es klingt banal, aber für mich war es eine ganz wichtige Erkenntnis: Die Nummer 1 in den Kinocharts zu sein macht mich nicht glücklich. Und das war der einzige Grund, warum ich die Nummer 1 sein wollte. Ich dachte, es würde mich glücklich machen. Und dann ist da noch ein Problem: Du kannst achtmal in Folge mit deinem Film an der Spitze einsteigen, über hundert Millionen Dollar Profit einspielen, aber das zählt alles nicht, wenn dein neuer Film startet. Du musst es immer wieder schaffen. Die Erfolge von gestern zählen nicht. Du bist immer nur so gut wie dein aktueller Film.

Wenn man so sehr Teil dieses Systems ist wie Sie, wie haben Sie gelernt loszulassen?

Mir ist klargeworden, dass es eine Sucht ist. Deswegen musste ich aus diesem System ausbrechen.

Was macht Sie glücklich?

Ich habe inzwischen herausgefunden, das Einzige was mich wirklich glücklich macht, ist Liebe. Wir spüren doch alle, diese Leere in uns, die wir versuchen, mit allen möglichen Dingen zu füllen. Aber das funktioniert nur mit einer erfüllten Beziehung.

Wann ist Ihnen zum ersten Mal ernsthaft das Herz gebrochen worden?

Nie... (lacht). Mein Herz ist unzerbrechlich. Aber im Ernst. Ich war noch recht jung, ungefähr fünfzehn Jahre alt. Ich hatte Streit mit meiner Freundin, und das hat mir zum ersten Mal richtig zu schaffen gemacht. Aus heutiger Perspektive würde ich es allerdings eher als Liebeskummer eines Teenagers bezeichnen. Ich wusste damals noch gar nicht, was wahre Liebe ist.

Will Smith und seine Filmpartnerin Naomie Harris bei der Premiere von „Verborgene Schönheit“ Mitte Dezember in London
Will Smith und seine Filmpartnerin Naomie Harris bei der Premiere von „Verborgene Schönheit“ Mitte Dezember in London : Bild: AP

Wie definieren Sie Liebe heute?

Das ist eine große Frage. Aber ich glaube, man muss erst einmal gemeinsam bestimmte Dinge durchgemacht haben, um sich wirklich zu lieben. Und dazu gehören zum Beispiel Verletzungen, Betrug oder Verlust. Wenn man zu viel Angst hat, sich diesen Dingen zu stellen, kann man auch nicht wirklich lieben und echte Nähe erfahren.

Ihre Eltern haben sich getrennt, als Sie dreizehn Jahre alt waren. Waren Sie deshalb skeptisch, was die Ehe angeht?

Nein, nie. Ich dachte sogar, es ist am besten für uns alle, wenn sie sich trennen. Das hat mich nicht entmutigt. Im Gegenteil. Ich wollte es anders machen. Ich habe mir immer vorgestellt, zu heiraten und Kinder zu haben. Und ganz ehrlich? Das Leben, das ich heute lebe, ist der Traum, die Idealvorstellung meiner Zukunft, die ich als Kind hatte. Es ist sogar mehr als das, denn ich habe mich weiterentwickelt. Vor fünf Jahren dachte ich, jetzt habe ich alles, was ich immer wollte. Und ich hatte immer diese Vorstellung, ich erreiche mein Ziel, und dann bleibt alles so, wie es ist. Aber dann wurde mir bewusst, dass alles in Bewegung bleibt und ich immer weiter an der Zukunft arbeiten muss.

Zum Beispiel?

Ich konnte mir zum Beispiel nie meine Kinder als Teenager vorstellen. Das ist eine neue Herausforderung. Und ich verändere mich ständig. Was ich damals wollte, ist Vergangenheit, existiert nicht mehr. Jetzt muss ich etwas Neues schaffen.

Ganz ehrlich: Wie wichtig ist Ihnen der Oscar als Krönung Ihrer Karriere noch?

Ich brauche ihn nicht mehr und möchte mich auf diese Art von Ziel auch nicht mehr fokussieren. Das gehört für mich zum selben Thema, über das wir vorhin gesprochen haben. Einspielergebnisse und Preise sind nicht mehr meine Motivation. Ich will ein Künstler sein, der hoffentlich etwas hinterlässt, das Menschen etwas bedeutet. Wissen Sie, meine Großmutter hat mich damals motiviert, Schauspieler zu werden. Und das hatte nichts mit Preisen und Auszeichnungen zu tun. Und wenn ich könnte, würde ich mich sogar ganz aus diesem System der Trophäen und Superlativen zurückziehen. Das ist ein Dilemma, mit dem ich gerade kämpfe.

Zur Person

Geboren 1968 in Philadelphia: die Mutter arbeitete für die Schulbehörde, der Vater war Ingenieur.

Erster großer Erfolg mit der TV-Serie „Der Prinz von Bel-Air“.

Spezialist für Blockbuster, z. B. die „Bad Boys“- und die „Men in Black“-Filme; spielte in „Independence Day“ und „I Am Legend“; ist der einzige Schauspieler mit 11 Filmen in Folge, die weltweit über 150 Millionen Dollar einspielten.

Zwei Oscar-Nominierungen, u.a. für „Ali“.

In zweiter Ehe verheiratet; drei Kinder.

Aktueller Film: "Verborgene Schönheit", ab 19. Januar im Kino.

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