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Ausschluss von Will Smith : Das Lachen ist Jada Pinkett Smith vergangen

Will Smith und Jada Pinkett Smith posieren auf dem roten Teppich während der Oscar-Verleihung in Hollywood, Los Angeles. Bild: Reuters

Als der Schauspieler Will Smith bei der diesjährigen Oscar-Verleihung den moderierenden Chris Rock schlug, amüsierte sich seine Ehefrau noch. Nun wurde Smith für zehn Jahre von der Veranstaltung ausgeschlossen.

  • -Aktualisiert am
          3 Min.

          Das Lachen ist Jada Pinkett Smith längst vergangen. Die Schauspielerin, die sich bei den Oscars vor zwei Wochen über die Ohrfeige ihres Ehemannes Will Smith gegen Chris Rock vor aller Augen amüsierte, stimmt inzwischen leise Töne an. Sie hätte sich gewünscht, dass Smith auf eine körperliche Auseinandersetzung verzichtet hätte, ließ die Fünfzigjährige wissen. Sie nehme ihrem Ehemann die Ohrfeige aber nicht übel.

          „Smith musste das nicht tun“

          Dennoch gehöre Pinkett Smith, sagte ein Vertrauter der „US Weekly“, nicht zu den Frauen, die männlichen Schutz benötigten. „Smith musste also nicht das tun, was er getan hat“, spielte der Vertraute auf den Schlag an, den der Schauspieler dem Komiker Rock nach dessen Witz über Pinkett Smiths rasierten Schädel versetzte.

          Pinkett Smiths Versuch, den „Slap“ kleinzureden, hat gewirkt. Fast zwei Wochen früher als angekündigt debattierte die Academy of Motion Picture Arts & Sciences (AMPAS), Hollywoods Führungsriege und Ausrichter der Oscars, am Freitag über mögliche Strafen für Smith – und einigte sich darauf, den Dreiundfünfzigjährigen von der Preisverleihung und weiteren Veranstaltungen für die kommenden zehn Jahre auszuschließen. „Die 94. Oscars wurden durch Herrn Smiths inakzeptables und schädliches Verhalten überschattet“, ließ AMPAS in einem offenen Brief wissen.

          Aber auch sie habe falsch gehandelt. „Es tut uns leid, dass wir der Situation nicht richtig begegnet sind“, räumte die Filmakademie ein. Trotz der Ohrfeige gegen Rock hatte die Academy Smith etwa 30 Minuten später für seine Rolle als Vater der Tennisschwestern Venus und Serena Williams in der Filmbiographie „King Richard“ mit der Trophäe als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet. In seiner tränenreichen Dankesrede bat Smith die Filmakademie und das Publikum um Entschuldigung, verzichtete aber darauf, auch Rock um Verzeihung zu bitten.

          In den Tagen nach der Oscar-Verleihung wurde bekannt, dass Smith sich nach der Ohrfeige geweigert hatte, das Dolby Theatre zu verlassen. Rock hatte derweil versucht, die Gala zu retten. Als sich hinter der Bühne Beamte des Los Angeles Police Department (LAPD) versammelten, um Smith zu verhaften, winkte er ab. Viele Filmschaffende zeigten sich weniger versöhnlich. „Das war ein äußerst verstörender Zwischenfall. Es war ein Übergriff“, verurteilte der Komiker Billy Crystal, in der Vergangenheit wiederholt Moderator der Oscars, Smiths Verhalten.

          Jada Pinkett Smith, links, und Will Smith halten bei der Oscar-Verleihung im Publikum Händchen
          Jada Pinkett Smith, links, und Will Smith halten bei der Oscar-Verleihung im Publikum Händchen : Bild: AP

          Auch der Regisseur Ron Howard machte sich Luft. „Dieses Verhalten hätte ich nie erwartet. Ich bin gespannt, wie die Academy damit umgeht“, sagte er dem Branchendienst Deadline.com. Der frühere Basketballstar Kareem Abdul-Jabbar, der sich als Autor und Kulturbeobachter mit afroamerikanischer Geschichte beschäftigt, holte zum Rundumschlag gegen Smith aus. Er habe Gewalt propagiert, Frauen herabgewürdigt, die Unterhaltungsindustrie beleidigt und Vorurteile gegen Schwarze befeuert. „Und das alles mit einem einzigen, launenhaften Schlag“, schrieb Abdul-Jabbar auf seiner Website.

          Nach Vorwürfen in den vergangenen Jahren, die Oscars seien zu „weiß“, hatte die Filmakademie für die 94. Preisverleihung vor zwei Wochen zum ersten Mal ein ausschließlich schwarzes Produktionsteam verpflichtet. Mehrere Produktionsfirmen, unter anderen Netflix, Sony und Apple+, sollen Projekte mit Smith inzwischen auf Eis gelegt haben.

          Entscheidung „zu harsch“?

          Nach der Entscheidung der Filmakademie, sich mit zehn Jahren Hausverbot für Smith zufriedenzugeben, ließ er in der Nacht zu Samstag wissen, die Strafe anzunehmen. In der vergangenen Woche hatte der Schauspieler schon seine Mitgliedschaft bei AMPAS beendet. Kenny Rock, der wie sein älterer Bruder Chris Rock als Komiker auftritt, wiederholte derweil die Forderung, Smith den Oscar abzuerkennen.

          Auch der Verwaltungsrat der Academy hatte angeblich überlegt, den Preisträger zur Rückgabe der Trophäe aufzufordern. Da verurteilte Sexualstraftäter wie Harvey Weinstein und Roman Polanski ihre Oscars behalten durften, soll AMPAS aber auf die Aberkennung verzichtet haben. In Hollywood provozierte Smiths vorübergehender Ausschluss von Veranstaltungen der Filmakademie derweil gemischte Reaktionen.

          Der Rapper 50 Cent nannte die Entscheidung „zu harsch“, der britische Komiker Ricky Gervais spottete über eine Verkürzung der Strafe bei guter Führung. Und Pinkett Smith, bekannt für Enthüllungen über Affären, frühe Masturbationserfahrungen und Drogenexzesse? Hielt sich zurück und verzichtete auf ein Statement.

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