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Wiesn-Rundgang : Bairisch à la carte auf dem Oktoberfest

  • -Aktualisiert am

Der Zweiter Bürgermeister und Wiesnchef Josef Schmid (CSU) steht beim Wiesn-Rundgang vor dem Start des 184. Oktoberfests auf der Theresienwiese neben einem Geisterdarsteller. Bild: dpa

Die Kampagne „Bairisch à la carte“ will den bayerischen Dialekt auf den Speisekarten beim Oktoberfest festschreiben. Das heißt: Erdäpfel- statt Kartoffelknödel und Marinade statt Dressing.

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          Das Münchner Oktoberfest, das am Samstag eröffnet wird, ist ein Ort höherer Pädagogik. Mit schier nie versiegenden Bierströmen und Hendln, die (fast) in den Mund fliegen, kann jeder seine Erfahrungen machen, dass Übermaß nicht unbedingt ins Paradies führt. Sondern zu reichlicher Genuss schnell in das Kopfweh- und Bauchgrimmenland führen kann. Neben der Wiesn, wie das Oktoberfest genannt wird, bietet München noch Anschauungsunterricht in der Alten Pinakothek, mit dem Gemälde „Das Schlaraffenland“ von Pieter Bruegel dem Älteren, der die Folgen der Völlerei drastisch vor Augen führt.

          So gesehen sind die sprachdidaktischen Anstrengungen, die in diesem Jahr auf dem Oktoberfest unternommen werden, eher harmloser Natur. Es geht um den rechten Gebrauch der bayerischen Sprache auf Speisenkarten, dem sich der „Förderverein Bairische Sprache und Dialekte“ mit einer Aufklärungskampagne verschrieben hat. Sie hat auf dem Oktoberfest ihre erste Bewährungsprobe: Die Speisenkarte im Festzelt „Zur Schönheitskönigin“ im traditionellen Teil des Oktoberfests, der „Oidn Wiesn“, ist unter Mithilfe des Vereins in korrektem Küchenbayerisch verfasst.

          Es gibt in der „Schönheitskönigin“ keinen Schweinebraten, sondern einen Schweinsbraten, die Schweinshaxe wird nicht mit Kartoffel-, sondern mit Erdäpfelknödel serviert, und den Salat krönt nicht ein Dressing, sondern eine Marinade. Apropos Marinade: Es ist natürlich ein urbayerisches Wort, schließlich heiratete eine bayerische Prinzessin einen Stiefsohn Napoleons. Die Sprachpfleger, die es in die Küche verschlagen hat, sind keine Puristen. Sie vertrauen nur der Alltagsempirie, dass auch Berliner ihre Freude haben, wenn ihnen in München statt einer Frikadelle ein Fleischpflanzl kredenzt wird – von dem Spaß, den Chinesen bei der Bestellung von Reiberdatschi (Kartoffelpuffer) haben, ganz zu schweigen.

          Die Kampagne „Bairisch à la carte“ wird von einem kleinen „Sprachführer für Wirtsleute“ begleitet, mit dem erreicht werden soll, dass aus Karotten gelbe Rüben werden, bevor sie die Küche verlassen. Es enthält ein Speisenkarten-ABC, das in möglichst viele Wirtshäuser Einzug halten soll. Die Lernerfolge dürften nicht lange ausbleiben: Wer als Vegetarier bislang nur Wild versteht, wenn ihm in Bayern Reherl offeriert werden, wird aufatmen, wenn er ohne Gewissensbisse seine Pfifferlinge genießen kann.

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