https://www.faz.net/-gum-d7d

Wiener Opernball : Loge, Lugner, leichtes Mädchen

  • -Aktualisiert am

Kaum zu ignorieren war die junge Marokkanerin „Ruby Rubacuori” Bild: dapd

Rummel um Ruby, teure Roben und ein Hauch der großen weiten Welt: Der Wiener Opernball 2011 präsentierte sich so bunt wie selten. Berlusconis „Bunga-Bunga“-Bekannte hingegen trug ein goldenes Kleid mit Pelzjäckchen und gab sich zurückhaltend.

          In der österreichischen Hauptstadt hat am Donnerstagabend der traditionelle Opernball stattgefunden. 144 Paare eröffneten den 55. Wiener Opernball mit einem Walzer. Bei der Veranstaltung traten auf Einladung des neuen Staatsopern-Direktors Dominique Meyer erstmals die Wiener Philharmoniker auf. Erstmals gab es auch eine Ballett-Darbietung, bei der Ballett-Direktor Manuel Legris selbst die Solopartie tanzte.

          Kaum zu ignorieren war die junge Marokkanerin „Ruby Rubacuori“ (Ruby die Herzensbrecherin), die derzeit im Mittelpunkt des Skandals um den italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi steht. Obschon ORF-Programmdirektor Wolfgang Lorenz die Order ausgegeben hatte, der Opernball sei ein Künstlerball und der „Versauung des Opernballs durch Mini-Berlusconis“ sei Einhalt zu gebieten, weshalb die ORF-Mitarbeiter „das Fest nicht zum Nuttenball umfunktionieren“, folglich „Mut zur Lücke“ haben sollten war das mediale „G'riss“ um Loge, Lugner und leichtes Mädchen Ruby enorm.

          Als „Bewährungsprobe“ erwies sich für sie der Gang zur Toilette

          Ganz geheuer schien Ruby der Andrang nicht zu sein. „Das habe ich so nicht erwartet, aber es war okay“, sagte sie. Als „Bewährungsprobe“ erwies sich für sie der Gang zur Toilette. Obwohl sich die Lugner-Loge in WC-Nähe befand, glichen die wenigen Meter dorthin für sie fast einem Spießrutenlauf. Kaum hatte sie die Türe der Loge geöffnet, hatten die Security-Leute auch schon alle Hände voll zu tun, um zu verhindern, dass sie von den Kameraleuten erdrückt wurde. Doch derlei konnte Ruby nicht verdrießen. Bald begann sie, in der Loge zu tanzen - und nach Mitternacht ging sie mit Lugner sogar aufs Tanzparkett: „Die Leute haben uns applaudiert. Soll noch einer sagen, sie wird ausgegrenzt!“, triumphierte der Baumeister.

          Kaum zu ignorieren war die junge Marokkanerin „Ruby Rubacuori” Bilderstrecke

          Ruby zeigte sich ganz ladylike im goldenen Kleid mit Pelzjäckchen und lächelte charmant-zurückhaltend in die Kameras. Sie wolle wieder eine ganz normale junge Frau sein, hatte sie schon nach ihrer Ankunft in Wien betont. Aus der Loge beobachtete sie gemeinsam mit „Dallas“-Schauspieler Larry Hagman und Zachi Noy („Eis am Stiel“) das Treiben auf dem Tanzparkett.

          Der Musiker und Friedensaktivist Bob Geldof nutzte den Besuch des Walzerspektakels am Donnerstag für Gespräche mit Politikern zum Kampf gegen den Hunger. Trotz der großen Ziele ging auch an dem 59-Jährigen die Aufregung um Ruby als Opernball-Skandal 2011 nicht spurlos vorbei: „Sie schläft gerne mit älteren Männern, vielleicht habe ich auch eine Chance“, kalauerte er.

          17.000 Euro für eine Loge

          Lugner, in Wien oft auch nur „Mörtel“ genannt, sorgt seit Jahren für schillernde Stargäste beim Opernball. Zu seinen Gästen gehörten unter anderem das Party-Girl Paris Hilton und die Star-Stripperin Dita von Teese. Die Wiener High Society ist also einiges gewöhnt, doch dieses Jahr schienen die Nerven besonders blank zu liegen. Zumal „Ruby“ am Vorabend des gesellschaftlichen Großereignisses Reportern noch betont locker erzählt hatte, sie könne keinen Walzer tanzen, um dann nach einer Kunstpause verschmitzt hinzuzufügen: „Ich kann nur Bauchtanzen.“

          Unter den Teilnehmern des alljährlichen Society-Ereignisses waren zahlreiche Persönlichkeiten aus Kultur, Politik und Wirtschaft. Insgesamt waren 5000 zahlende Gäste zu dem Ball gekommen. Sie mussten dafür zwischen 230 Euro für den einfachen Eintritt und bis zu 17.000 Euro für eine Loge berappen.

          Die italienische Staatsanwaltschaft wirft Berlusconi vor, die damals 17-Jährige Karima el Mahroug auf einer Party für Sex bezahlt zu haben. Als diese später unter dem Verdacht eines Diebstahls festgenommen wurde, soll er seinen Einfluss genutzt haben, sie aus Polizeigewahrsam zu holen.


          Weitere Themen

          Es wird heiß – sehr heiß!

          Sommerwetter : Es wird heiß – sehr heiß!

          Wer die Hitze scheut, sollte sich kommende Woche Abkühlung suchen: Ab Montag gehen die Temperaturen kräftig nach oben. Davor kommt es mitunter zu heftigen Gewittern.

          Herne fährt langsam los

          E-Tretroller : Herne fährt langsam los

          In deutschen Städten wurden die E-Tretroller gerade erst zugelassen – die Modellstadt Herne startete schon vorher ein „Experiment“ mit den Scootern.

          Topmeldungen

          Wirft hin: Patrick Shanahan wird nicht amerikanischer Verteidigungsminister.

          Rückzug von Shanahan : Keine Ruhe im Pentagon

          Mitten in der Iran-Krise verliert Donald Trump seinen amtierenden Verteidigungsminister. Der Wunschkandidat des Präsidenten hat sich zurückgezogen – wegen eines „traumatischen Kapitels“ in seinem Familienleben.
          Der 22 Jahre alte Ali B. dementiert weiterhin die Vergewaltigung von Susanna F.

          Psychiaterin über Ali B. : Egozentrisch, manipulativ, empathielos

          Im Prozess um die getötete Schülerin Susanna F. aus Mainz berichtet wenige Wochen vor dem Urteilstermin die psychiatrische Gutachterin. Den angeklagten Ali B. beschreibt sie als faulen und frauenverachtenden Mann, der in seinem Leben immer nur an sich selbst gedacht habe.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.