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Wahlzettel seit 1848 : Wie wurde früher gewählt?

  • -Aktualisiert am

Von der Nationalversammlung zum Bundestag: Erstmals wurde 1848 gewählt (oben links), seit 1953 haben die Wähler zwei Stimmen. Bild: Winfried Klein

Dass sich Parteien auf einem Stimmzettel ankreuzen lassen, ist in Deutschland erst seit gut 100 Jahren möglich. Dabei stand man dieser Art des Wählens zunächst skeptisch gegenüber.

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          Wenn am Sonntag der 20. Deutsche Bundestag gewählt wird, werden die Wahlberechtigten auch in den Wahlkabinen ganz selbstverständlich „ihre Kreuzchen“ machen. Dass sie auch anders wählen könnten, wird den meisten gar nicht in den Sinn kommen. Dabei ist die Übung des Ankreuzens erst vor gut 100 Jahren in Deutschland angekommen. Man wollte Papier sparen.

          Als die Deutschen am 4. Mai 1924 den Reichstag wählten, sollten sie „auf dem Stimmzettel durch einen Kreuz- und Querstrich die Partei deutlich kennzeichnen“, die sie wählen wollten. Diese uns vertraute Form der Stimmabgabe war damals neu. Verschiedene andere Formen waren zuvor schon Praxis gewesen. So hatten die Wähler in den deutschen Bundesstaaten, sofern ihre Stimmabgabe nicht öffentlich protokolliert wurde, den Namen ihres Kandidaten auf den Wahlzettel zu schreiben. Mitunter mussten sie den Wahlzettel sogar unterschreiben. Später – die Wahlen zum Reichstag des Deutschen Kaiserreichs erfolgten geheim – fanden Wahlzettel Verbreitung, auf denen der Name jeweils eines Bewerbers vorgedruckt war. Wie man in Theodor Fontanes Roman „Der Stechlin“ von 1898 nachlesen kann, verteilten die Kandidaten oder ihre Helfer diese Wahlzettel vor dem Wahllokal. Die Wähler mussten sie zusammengefaltet dorthin bringen und in die Wahlurne werfen. Wahlkabinen und amtliche Wahlumschläge wurden erst im Jahr 1903 zur Pflicht.

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