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Wolfskinder auf der Flucht : „Wir waren wie Ratten“

  • -Aktualisiert am

Überschattetes Familienglück: Siegfried Gronau mit Frau Jadvyga und Sohn Artūras Bild: privat

Eines von Tausenden „Wolfskindern“: Als ­Junge muss Siegfried Gronau im Zweiten ­Weltkrieg fliehen, er verliert seine Familie. Die Auswirkungen spürt er bis heute.

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          Es ist fast 80 Jahre her, dass Siegfried Gronau das letzte Mal ge­lächelt hat. Das war im Jahr 1944. Damals lebte er mit seiner Mutter und drei Schwestern in Königsberg, Ostpreußen. Ein paar Monate zuvor hatte die Familie erfahren, dass der Vater im Krieg an der Ostfront gefallen war. Gronau ging in die dritte Klasse, aber nach schweren Bombenangriffen auf die Stadt konnte er die Schule nicht mehr besuchen. „Meine Frau sagt immer zu mir: ‚Du lächelst nicht‘“, sagt Gronau heute. „Ich sage dann, dass ich da aufgehört habe zu lächeln.“

          Am Telefon spricht der Sechsundachtzigjährige Litauisch, obwohl er seit den Siebzigerjahren wieder in Deutschland lebt. Es belastet Gronau, sich an seine Vergangenheit zu erinnern, aber er sagt, dass er sich manchmal besser fühlt, nachdem er seine Geschichte erzählt hat. Gronau ist ein „Wolfskind“. Während des Zweiten Weltkriegs floh er nach Litauen. Er be­sucht das Land bis heute jedes Jahr. „60 Millionen Menschen starben im Zweiten Weltkrieg, und ich war dazu verdammt zu leben“, sagt er. „Litauen hat mir geholfen, überhaupt zu überleben.“

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