https://www.faz.net/-gum-9t78d

Wildschutzgebiet in Zimbabwe : „Zum Glück haben wir noch keinen unserer Männer verloren“

In Afrika heimisch geworden: 1992 hat Willy Pabst das Land für das Wildschutzgebiet Sango erworben. Bild: Thilo Thielke

Der Unternehmer Willy Pabst hat sich in Afrika einen Traum erfüllt – mit dem Wildschutzgebiet Sango in Zimbabwe. Der Krieg, in den die Wildhüter im dortigen Busch ziehen, ist ein Kampf für Wildtiere.

          13 Min.

          Die Sonne steht schon tief über der Savanne, als Clemence Bryce und seine fünf Männer zum Patrouillengang aufbrechen. Sie tragen grüne Uniformen und Sturmgewehre. Vorneweg laufen die Hunde. Nach einer guten Stunde macht der Trupp kehrt. Kein Feind in Sicht. Bryce, ein 39 Jahre alter Weißer, ruft seine Männer zusammen. Wenn es schon so ruhig ist, sollen sie wenigstens trainieren. Einer streift sich den Schutzanzug über und spielt den Ganoven, dann werden die Hunde auf ihn losgelassen. Staub wirbelt auf. Der Rest ist Tumult. Erst als es dunkelt, springen die Männer wieder auf die Sitze des offenen Landcruisers und rasen zurück ins Hauptquartier.

          Thilo Thielke

          Freier Berichterstatter für Afrika mit Sitz in Kapstadt.

          40 Mann hat Bryce unter seinem Kommando – etliche von ihnen haben zuvor als Soldaten bei der zimbabwischen Armee gedient. 26 gehören zum festen Team, die anderen werden nach Bedarf rekrutiert. Sie alle haben ein dreijähriges Training absolviert und stammen aus der Gegend. Auch fünf Hunde sind Teil des Teams: vier belgische Malinois und ein deutscher Schäferhund. Bewaffnet sind die Männer mit 20 halbautomatischen Gewehren: AK 47 russischer Bauart, ungarische AK 63, südafrikanische Vektor LM 5, zum Teil mit Schalldämpfer. „Für uns herrscht hier Krieg“, sagt Bryce. „Ein falscher Schritt zur falschen Zeit, und du bist tot.“

          Der Krieg, in den Bryce und seine Soldaten im Busch von Zimbabwe ziehen, ist ein Kampf für Wildtiere. Die Feinde sind Wilderer, nicht weniger stark bewaffnet als die Ranger, international vernetzt und oft skrupellos. Meist haben sie es auf das Horn von Nashörnern oder die Stoßzähne der Elefanten abgesehen. Auf asiatischen Märkten erzielen sie damit Spitzenpreise. Das Pulver, zu dem die Hörner der Rhinozerosse zerrieben werden, gilt in China und Vietnam als Aphrodisiakum, außerdem soll es Krankheiten heilen. Aus dem Elfenbein wird allerlei Nippes geschnitzt: Brieföffner, Schachfiguren, Billardkugeln.

          Ein von 210.000 Säugetieren bevölkertes Paradies

          Treffen Wilderer und Wildhüter aufeinander, fließt nicht selten Blut. „Zum Glück haben wir noch keinen unserer Männer verloren“, sagt Bryce. Seine Bilanz: 30 Wilderer wurden verhaftet, einer getötet. 120 Jahre Gefängnis hätten die Burschen, die sie geschnappt haben, bekommen, sagt Bryce, nicht ohne Stolz. Während andernorts die Wilderei eskaliert, hat Bryce die Lage im Griff.

          Martialischer Auftritt: Clemence Bryce (Zweiter von rechts) zieht mit seinen Wildhütern in den bewaffneten Kampf gegen Wilderer in Sango.

          Als er 2012 nach Sango kam, ein Wildschutzgebiet 450 Kilometer südöstlich von Harare, der Hauptstadt Zimbabwes, da lebten in seinem Revier 102 Spitz- und 38 Breitmaulnashörner. Heute sind es 147 Spitz- und 47 Breitmaulnashörner. Clemence Bryce, Spross britischer Auswanderer, die vor Generationen ins ehemalige Rhodesien kamen, leitet seit sieben Jahren die Anti-Wilderer-Einheit von Sango, davor hatte er bei der staatlichen Nationalparkbehörde gearbeitet. Das Gebiet, das er und seine Männer bewachen, ist 600 Quadratkilometer groß und beherbergt zwischen den Bikita Hills im Westen und dem Save-Fluss im Osten neun Biotope – ein Paradies, das von 210.000 Säugetieren bevölkert wird. Die „Big Five“ – Löwen, Nashörner, Büffel, Elefanten, Leoparden – sind hier ebenso zu Hause wie Gazellen und Giraffen, Geparden und Schakale, Krokodile und Nilpferde.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Klaus Wolfram im Februar im Prenzlauer Berg, dort also, wo früher Ostberlin war

          Ein Treffen mit Klaus Wolfram : Ostdeutscher Frühling

          Nicht nur in Thüringen versuchen rechte Demagogen den Osten zu usurpieren. Der DDR-Oppositionelle Klaus Wolfram kritisiert die ungleiche Verteilung der Diskursmacht in Deutschland.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.