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Wildschutzgebiet in Zimbabwe : „Zum Glück haben wir noch keinen unserer Männer verloren“

„Einer der Gründe dafür, die selten erwähnt werden, ist, dass in den sechziger Jahren im südlichen Afrika der private Besitz von Wildtieren gestattet wurde, während er in Ländern wie Kenia seitdem unter Strafe steht“, sagt Pabst. „Die Folge war, dass in Ostafrika plötzlich hemmungslos gewildert wurde, während der Wildtierbestand etwa in Südafrika, wo sich Investoren um ihre Schützlinge kümmerten, rapide anstieg.“

In den sechziger Jahren hatten noch 170.000 Elefanten Kenias Savannen bevölkert. Nach Jahrzehnten grausamer Massaker waren es 1989 nur noch 19.000. Damals sei die Elefantenwilderei „fast zu einer Seuche des gesamten Kontinents geworden“, erinnert sich der langjährige Chef des staatlichen Kenya Wildlife Service, Richard Leakey. „Auf der Jagd nach Elfenbein schlachteten die Wilderer, die oft mit Kalaschnikow-Sturmgewehren ausgerüstet waren, die Elefanten in Kenia und Tansania ab und jagten Herden bis in die Zentralafrikanische Republik und nach Angola.“ In Kenia stieg der Bestand später wieder auf 25.000 an, doch die Lage im benachbarten Tansania hat sich dramatisch verschlechtert: Dort sank die Zahl der Elefanten zwischen 2009 und 2015 von 148.000 auf 44.000.

Weitermachen entgegen aller Widerstände

Ähnlich verläuft die Entwicklung bei Nashörnern. Zur Zeit wird ihre Zahl in ganz Afrika auf 25.000 geschätzt, davon leben rund 20.000 in Südafrika. Auch viele Nashörner, die heute wieder in Ostafrika heimisch sind, stammen ursprünglich von dort – anders als die schwereren Elefanten lassen sie sich leichter über weite Strecken transportieren. Allerdings klagen in Südafrika die Züchter über große Schwierigkeiten. John Hume, der bekannteste von ihnen, hat angekündigt, seinen Betrieb einzustellen.

1600 Nashörner befinden sich noch auf seiner Buffalo Dream Ranch, umgerechnet 85 Millionen Euro hatte er in die Zucht investiert. Alle zwei Jahre lässt Hume seinen Tieren die Hörner stutzen, damit sie für Wilderer unattraktiv werden. Mittlerweile lagern sechs Tonnen Horn im Schwarzmarktwert von 360 Millionen Euro in Humes Tresoren. Doch dem Geschäft wurde die Grundlage entzogen: Im Jahr 2009 verbot Südafrika den Verkauf von Rhinozeros-Horn. Und Nashörner für private Tierreservate zu züchten ist nicht mehr rentabel, seit die Kosten für den Schutz der Tiere wegen der Wilderei in die Höhe geschossen sind.

Für Willy Pabst ist Sango eine Herzenssache. Die lässt sich der Unternehmer einiges kosten. Ausgaben von jährlich 1,1 Millionen Dollar stehen Einnahmen von 600.000 Dollar gegenüber. Das Geld wird mit Jagdtouristen verdient, vorwiegend aus Amerika. Für die Pirsch auf Impalas, Gnus und Büffel zahlen sie 1800 Dollar am Tag, für Löwen und Elefanten 2200 Dollar. Eine durchschnittliche Safari dauert 21 Tage. Dazu kommen die Preise für die erlegten Tiere: 60.000 bis 80.000 Dollar für einen Elefanten, 80.000 bis 100.000 Dollar für einen Löwen.

„Wir halten uns streng an die Auflagen“, sagt Pabst. „Jedes Jahr wird eine Quote festgesetzt, und gejagt werden nur alte männliche Tiere, die nicht mehr reproduktionsfähig sind.“ Nur 0,2 bis ein Prozent von Sangos Tierpopulation dürfen jährlich zur Jagd freigegeben werden. Zur Entlastung des Ökosystems tragen solche Mengen nicht bei. Sie helfen höchstens finanziell.

Allerdings geraten die Jäger zunehmend unter Druck. Immer häufiger erlassen Länder Einfuhrverbote für Trophäen. Es sei illusorisch zu glauben, mit Fototouristen allein ließen sich Einnahmen generieren, mit denen man Reservate wie Sango am Leben erhalten könnte, so Pabst. Aber was auch geschieht: Willy Pabst wird in Sango bleiben. 1999 überlebte er einen Flugzeugabsturz. Daraufhin verkaufte er seine Anteile an der Containerfirma und zog nach Afrika. Als Mugabe seinen Feldzug gegen weiße „Kapitalisten und Imperialisten“ begann und einen Schlägertrupp nach Sango schickte, blieb er standhaft. So einer wirft die Flinte nicht so schnell ins Korn.

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