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Wildschutzgebiet in Zimbabwe : „Zum Glück haben wir noch keinen unserer Männer verloren“

Als Pabst vor zwei Jahren versuchte, rund 6000 Tiere – darunter Elefanten, Büffel, Zebras, Giraffen – ins benachbarte Moçambique zu bringen, intervenierte in letzter Minute das zimbabwische Militär und verhinderte den Transport: Die Tiere gehörten dem zimbabwischen Volk und dürften nicht ins Ausland gebracht werden. Dabei sollte die Aktion, vom britischen „Guardian“ als „Arche Noah auf Lastern“ gefeiert, einem Land zugutekommen, das während eines jahrzehntelangen Bürgerkriegs einen großen Teil seiner Wildtiere verloren hatte. Sango hingegen, das unter Überpopulation leidet, hätte sie entlastet. „Wir haben zu viele Elefanten, wir haben zu viele Löwen, wir haben zu viele Wildhunde“, sagt Pabst. „Eigentlich müssten wir jedes Jahr 1000 bis 2000 Tiere loswerden.“ Derzeit lebten in Sango alleine 8000 Impalas, die ideale Zahl liege bei 6000.

Unverkäuflich: Stoßzähne von natürlich verendeten Elefanten

David Goosen kennt die Schäden, die Elefanten in Sango anrichten, genau. Der Sechzigjährige ist seit 1997 General Manager des Wildschutzgebiets. „Ganze Landstriche Sangos sind schon verwüstet“, sagt er. Besonders litten die Baobabs, deren Rinde von den Elefanten zerstört wird und die dadurch Schädlingen schutzlos ausgeliefert sind. „Ein gesundes Ökosystem verträgt nur eine gewisse Anzahl von Elefanten, sonst kollabiert es irgendwann.“

Mit romantischen Vorstellungen europäischer Tierfreunde, die das Keulen von Tieren oder die Trophäenjagd ablehnen, könnten viele Afrikaner nichts anfangen. „Ihr habt in euren europäischen Wäldern doch auch Jäger, die den Bestand erhalten und sich um das ökologische Gleichgewicht kümmern“, sagt Goosen. „Dagegen führt niemand Klage.“ Dabei verhalte es sich dort nicht viel anders als in Afrika. Die Zersiedlung auf dem Kontinent mit dem größten Bevölkerungswachstum der Welt sei so weit fortgeschritten, dass die Natur keine Chance mehr habe, sich selbst zu regulieren. Eingriffe seien nicht verwerflich: „Männer wie Pabst, die sich um den Erhalt der Tierwelt kümmern, sind ein Segen für Zimbabwe.“

Elefantenwilderei mit Sturmgewehren

Dann öffnet er die Tür zum Safe. Säuberlich beschriftet lagern hier Stoßzähne von Elefanten, die eines natürlichen Todes gestorben sind. Ihr Elfenbein könnte viel Geld einbringen. Etliche Länder sitzen seit Jahren auf solchen Schätzen. Das Problem ist nicht neu: Staaten, die in der Vergangenheit sorgsam mit ihrem Wildtierbestand umgegangen sind, beklagen seit langem das 1990 beschlossene Verbot des Handels mit Elfenbein. Es bestrafe jene Länder, die unter zu vielen Elefanten litten und dringend Einnahmen benötigten, um das kostspielige Wildlife-Management zu finanzieren, argumentieren sie. Seit Jahren kämpfen Botswana, Namibia, Zimbabwe, Südafrika und Sambia daher um eine Lockerung der Regelung – vergeblich.

Länder wie Kenia und Tansania, die massiv unter Korruption und Wilderei leiden, lehnen ein Ende des Verbots strikt ab. Unterstützung erfahren sie von Tierschutzorganisationen, die befürchten, eine Aufhebung des Verbots könne verheerende Folgen haben. Dabei sagt selbst ein Verein wie „Pro Wildlife“, es sei unbestritten, „dass die Elefantenbestände Afrikas aufgrund von Wilderei, menschlichem Bevölkerungsdruck und natürlichen Gegebenheiten ungleich verteilt sind: Der Großteil lebt im südlichen Afrika, Botswana hat mit etwa 130.000 Tieren den größten Bestand.“ In Zimbabwe sollen es mehr als 83.000 Tiere sein. Allein diese beiden Länder beherbergen fast zwei Drittel aller Afrikanischen Elefanten.

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