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Wildschutzgebiet in Zimbabwe : „Zum Glück haben wir noch keinen unserer Männer verloren“

Die Arbeit ist mühsam. Seit drei Monaten ist Wolhuter jede Nacht unterwegs, aber er hat noch kein einziges Exemplar der Räuber aus der Familie der Marder zu Gesicht bekommen. Honigdachse gehen fast ausschließlich in der Dunkelheit auf die Jagd nach kleineren Reptilien, Säugetieren, Vogeleiern oder Honig. Den Rest der Zeit pflegen sie in unterirdischen Bauten zu verbringen. Doch Wolhuter ist geduldig. Er hat Fallen aufgestellt. Sollte ein Weibchen hineintappen, wird es mit einem Sender ausgestattet und kann so in den nächsten Monaten verfolgt werden. Männliche Honigdachse sind für den Filmemacher uninteressant, weil sie keine Jungen bekommen.

Die Arbeit als Ein-Mann-Team ist extrem zeitaufwendig. Die BBC, sagt Wolhuter, setze für ihre Dokumentationen schon mal 15 Autos ein, nur um die Tiere zu suchen. Das kann er sich nicht leisten. Doch er denkt ohnehin in größeren Dimensionen. Er hat schon mal zehn Jahre im nahegelegenen Malilangwe Wildlife Reserve verbracht, und die nächsten zehn Jahre würde er nun gerne in Sango zubringen. „Der Artenreichtum ist in diesem Gebiet großartig“, sagt er, „auch das Ökosystem ist intakt.“

Das sei dem vorbildlichen Wildlife-Management geschuldet, auch Clemence Bryce und seiner Anti-Wilderer-Einheit. Allerdings sei das Gebiet aus genau diesem Grund auch in Gefahr. „Die Elefanten fressen alles kahl“, sagt Wolhuter. „Sie haben keine natürlichen Feinde, aber unersättlichen Hunger.“ Bis zu 150 Liter Wasser säuft ein Afrikanischer Elefant am Tag, und er frisst bis zu 200 Kilogramm Blätter, Gras und Früchte.

Die Zahl der Elefanten, die sich permanent in Sango aufhalten, ist von 560 im Jahr 1995 auf rund 900 gestiegen. Genau lässt sich das nicht sagen, da Sango Teil der größeren Save Valley Conservancy ist und zwischen den verschiedenen Teilen keine Zäune die Migration stören. Insgesamt leben rund 2500 Elefanten in dem Gebiet – viel zu viele. Im vergangenen Jahr hat Pabst deshalb 100 Elefanten von Sango zum rund 800 Kilometer entfernten Sambesi umsiedeln lassen. Es war ein kompliziertes und kostspieliges Unterfangen, da die Tiere von Hubschraubern aus der Luft betäubt und danach auf Lastwagen geladen werden mussten. In den Transportern kamen sie wieder zu Bewusstsein und hatten dann eine 24 Stunden lange Reise auf engem Raum vor sich. Viel länger dürfen solche Transporte nicht dauern, will man die Tiere nicht in Gefahr bringen und unnötig quälen.

Wo sich die Natur nicht mehr selbst regulieren kann

Eine Umsiedlung aus Gebieten, in denen es zu viele Tiere gibt (wie in Botswana und Zimbabwe), in Regionen, in denen viel zu viel gewildert wurde (wie in Kenia und Tansania), ist deshalb nicht möglich. Rund 300.000 Dollar hat die Aktion damals gekostet, und dennoch hätten sie noch immer ungefähr 200 Elefanten zu viel in Sango, schätzt Pabst. Im nächsten Jahr soll die nächste Umsiedlung innerhalb Zimbabwes stattfinden.

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