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Wildschutzgebiet in Zimbabwe : „Zum Glück haben wir noch keinen unserer Männer verloren“

Den Raubtieren werden oft alle möglichen niederen Eigenschaften zugeschrieben. „Mordlust, Raubgier, Grausamkeit, Blutdurst, Hinterlist und Tücke“ sei „gewöhnlich das geringste“, was der Mensch ihnen attestiere, schrieb der Zoologe Alfred Brehm im 19. Jahrhundert. Auch Wolhuter fand, den Hyänen werde Unrecht getan. Er bewies vor einigen Jahren mit aufsehenerregenden Nachtaufnahmen, wie die vermeintlichen Schmarotzer Gazellen erlegt hatten und dann von einem Löwenrudel vertrieben wurden, das zu faul war, selbst zu jagen, und sich an der Beute Anderer bediente. Bis dahin hatte man Löwen als Jäger betrachtet und Hyänen als diejenigen, die sich über das Aas hermachten. Wolhuter will mit solchen Mythen aufräumen. „Die meisten Safaritouristen kennen sich bestens mit der afrikanischen Tierwelt aus“, sagt der Filmemacher. „Aber alles, was sie wissen, stammt aus dem Film 'König der Löwen'.“

Wolhuter gegen Disney – eine Sisyphusarbeit, er weiß das. Aber wer sollte den Job angehen, wenn nicht er? Wolhuters Großvater Harry, Jahrgang 1877, war als junger Mann erster Wildhüter eines 1898 eingerichteten Tierschutzgebiets im Transvaal gewesen. Das Gebiet zwischen Sabie und Crocodile River bildet den Kern des 1926 gegründeten und mittlerweile 20.000 Quadratmeter großen Kruger-Nationalparks im Norden Südafrikas.

Noch heute erzählen Touristenführer ihren Gästen abends am Lagerfeuer die Geschichte, wie Harry Wolhuter 1903 auf einem Patrouillenritt von zwei Löwinnen angegriffen und zu Boden gerissen wurde. Das Pferd war davongaloppiert. Eine Löwin hatte Wolhuter siegessicher an seiner rechten Schulter unter einen Baum gezerrt, um ihr Mahl zu genießen, als der Wildhüter mit der linken Hand in die Messerscheide griff und der Raubkatze zweimal die Klinge ins Herz und einmal ins Genick stieß. Danach rettete er sich stark blutend auf den Baum, bis Hilfe kam. Messer und Löwenhaut sind noch immer im Kruger-Park ausgestellt.

„Die Elefanten fressen alles kahl“

Wolhuters Vater setzte die Familientradition fort und wurde Chief Warden im Kruger-Nationalpark. Und nun ist Kim Wolhuter im Busch unterwegs. Für seine Arbeit hat er einen Toyota Hilux umgebaut. Neben das Lenkrad hat er ein Stativ für die Kamera montiert, Dach und Fensterscheiben entfernt und den Beifahrersitz zur Liege umgebaut, auf der er zwischendurch ausruhen kann. 90 Prozent der Arbeitszeit verbringe er nachts im Wagen, sagt er. Wie auch jetzt. Seit Stunden rumpelt Wolhuter in seinem Gefährt durch das Revier von Willy Pabst. Im Lichtkegel des Handscheinwerfers hat er eine hinter einem Gebüsch schlafende Löwin erspäht, auch eine Herde Elefanten und ein paar Schakale. Nur von den Tieren, die er gerade aufspüren will, ist nichts zu sehen.

Elefanten an einem Wasserloch

Wolhuter, gegen die nächtliche Kälte in einen offenen Schlafsack gehüllt, arbeitet an einem Film über Honigdachse, für den er zwei Jahre Arbeitszeit einkalkuliert hat. Das Werk soll im ZDF und im ORF ausgestrahlt werden. „Es sind schüchterne Tiere, über die man nicht allzu viel weiß“, sagt Wolhuter. Bislang gebe es erst drei Dokumentationen über sie. „In zweien wurden Tiere in Gefangenschaft beobachtet, und der einzige, der in der Wildnis gedreht wurde, stammt aus der Kalahari, also einem ganz anderen Habitat.“

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