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Wildschutzgebiet in Zimbabwe : „Zum Glück haben wir noch keinen unserer Männer verloren“

Geschaffen hat das Kleinod der 75 Jahre alte Hamburger Unternehmer Willy Pabst. Er trägt an diesem Tag einen grünen Sweater über dem Khakihemd, auf der Brust prangt das Sango-Emblem: ein Affenbrotbaum vor untergehender Sonne. Von diesen Baobabs gibt es unzählige in Sango. Pabst und seine Frau sind aus Kapstadt angereist, um ein paar Tage in der Natur zu verbringen. Aus Essen ist Pabsts Sohn Andreas mit Frau und den beiden Kindern gekommen. Auch ein Freund aus Südafrika, Dusty Joubert, ist noch dazugestoßen. Er ist 48 Jahre alt und hat jahrelang als Ökologe in Sango gearbeitet. Stundenlang kann er von der Vielfalt des Gebiets schwärmen, für das er einst verantwortlich war: dem Vulkan-, Basalt- und Sedimentgestein, das man in Sango findet, den Nestern von 64 Geieradlern, 13 Kronenadlern und elf Afrikanischen Habichtsadlern, dem Wald von Fieberakazien. „Das einzigartige Pfannensystem, das der Save-Fluss geschaffen hat, lockt unzählige Vogelarten an.“

Nach Sonnenuntergang sitzen alle ums Lagerfeuer, trinken Gin Tonic oder Rotwein und essen Kudu-Steak. Auf einem Hügel hat Pabst eine Lodge errichten lassen, im Rücken schroffe Felsen, nach vorne geht der Blick auf den Mokore-Fluss und in die afrikanische Weite. Es gibt vier Chalets und zwei Luxuszelte mit insgesamt 18 Betten. Übernachtungspreis: 1500 Dollar.

Eine weitreichende Liaison

1992 hatte der Geschäftsmann das Land für rund 1,9 Millionen Euro gekauft. Bis dahin befand sich auf dem Grundstück die Devuli-Rinderfarm. Sie war 1920 von Söhnen britischer Missionare gegründet worden, aber arbeitete nicht mehr wirtschaftlich. Als das Unternehmen in Zahlungsnot geriet, sprang Pabst ein, um seinen Traum vom eigenen Tierschutzgebiet zu verwirklichen. Er wusste: Die Natur holt sich schnell zurück, was der Mensch verwildern lässt – wenn das Gebiet geschützt, die Wilderei bekämpft, illegaler Siedlungsbau verhindert wird.

1995 kaufte Pabst 560 Elefanten aus dem nahegelegenen Gonarezhou-Nationalpark. 2002 kamen elf Löwen dazu, von denen allerdings sechs schon in den ersten Wochen getötet wurden. Pabst wilderte die Tiere in Sango aus. Impalas und Gnus, Paviane und Leoparden befanden sich schon auf dem Areal, sie waren von der Wasser-Pipeline, die vom Vorbesitzer für die Tränken der Rinder gebaut worden war, angelockt worden. Geparden und Wildhunde kamen von selbst hinzu. Das Konzept ging auf: Die Tiere vermehrten sich rasch, immer mehr Vogelarten wählten Sango als Nistplatz. Auch die Zahl der Mitarbeiter wuchs. Heute beschäftigt Pabst 135 Angestellte.

Pabsts Liaison mit Afrika reicht weit zurück. Sie begann 1964 in Südafrika. In Hamburg hatte er eine Ausbildung zum Speditions- und Schifffahrtskaufmann gemacht, ehe es ihn in die Ferne zog. Vier Jahre blieb er in Südafrika. „Es war eine tolle Jugendzeit“, sagt er. Aber es war auch die Zeit der Rassentrennung. 1960 wurde das Land nach dem Sharpeville-Massaker, bei dem in einem Township in der heutigen Provinz Gauteng 69 Demonstranten ermordet wurden, international isoliert. Nelson Mandelas Afrikanischer Nationalkongress nahm den bewaffneten Kampf auf. Bis 1966 regierte Premierminister Hendrik Verwoerd, als „Architekt der Apartheid“ bekannt, nach seiner Ermordung dann Balthazar Johannes Vorster, ebenfalls ein Hardliner.

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