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Westdeutsche in der Ex-DDR : Im Osten heimisch geworden

  • -Aktualisiert am

Vom Marburger zum „Rhöner Original“: Gotthard Debelius Bild: Roger Hagmann

Ostdeutsche drängt es nach Westen. Das ist zumindest ein gängiger Stereotyp. Doch es kann auch umgekehrt laufen. Von vier Westdeutschen, die nach dem Mauerfall in den Osten gingen.

          8 Min.

          Im Frühjahr 1990 fuhr Gotthard Debelius 140 Kilometer in die untergehende DDR, um durch ein halb zugenageltes Fenster in ein Fachwerkhaus zu kriechen. Aus dem Gebäude wuchsen Sträucher, das Dach senkte sich in der Mitte bedrohlich, aber als Debelius nach einer Viertelstunde Besichtigung wieder vor dem verdutzten Makler stand, erklärte er: Wie aus dem Bilderbuch sei das Haus, er kaufe es. Der Makler, so erinnert sich Debelius heute, war gar nicht erst mit ausgestiegen aus seinem Auto, weil er nicht damit gerechnet hatte, dass überhaupt jemand die Ruine kaufen würde. Er war der Erste in einer Reihe von vielen in Neidhartshausen, die sich in den nächsten Monaten fragen sollten: Was will der verrückte Mann aus dem Westen hier?

          Neidhartshausen ist ein kleiner Ort im Südwestzipfel Thüringens. Die Westdeutschen, die nach dem Mauerfall vor 30 Jahren ihr Glück im Osten der eilig zusammengeschweißten Republik suchten, kamen normalerweise nicht in Dörfer wie dieses. Sie kamen, um Ministerien und Verwaltungen aufzubauen, oder in die fitteren der Ost-Unternehmen. Debelius’ Leben erzählt eine andere, zartere Wiedervereinigungsgeschichte, die eigentlich gar keine werden sollte.

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