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DDR-Flucht in Bulgarien : Nur in unseren Träumen sind wir frei

  • -Aktualisiert am

1984 war es ein Fensterplatz: Harald Stutte im Sommer in einer ausgeschlachteten Tupolew 134A (baugleich mit seinem Jungfernflieger) im Flugplatzmuseum Cottbus. Bild: Hasan Gökkaya

In diesem Jahr ist es 30 Jahre her, dass die Mauer fiel. Unser Autor erinnert sich an seinen eigenen Versuch, sie zu überwinden. Als das scheiterte, holte ihn die DDR zurück. Die lange erträumte erste Flugreise – im Stasi-Flugzeug.

          10 Min.

          Im Luftraum über dem Bett meines Kinderzimmers war einiges los: Diverse Flugzeugmodelle hingen da unter der Decke. Und wenn ich einschlief, ging ich oft mit diesen Boeings, Concordes und Antonows auf Traumreise. Im wahren Leben war Fliegen damals noch etwas ganz Besonderes – für uns, die Kids der siebziger und achtziger Jahre. Ich, aufgewachsen in Leipzig, kannte damals so gut wie niemanden, der berichten konnte, wie es sich anfühlt: dieses unglaubliche Gefühl, abzuheben. Mal abgesehen von einem alten Lehrer, der von seinen Erlebnissen als Pilot im Krieg erzählte. Und von einem Schulfreund, der mit seinen Eltern für ein paar Jahre in Chile gelebt hatte. Knoppi, so der Spitzname des Jungen, war mehrfach quer um den Globus geflogen und hatte vor allem von westlichen Snacks und Getränken wie Coca-Cola und Fanta berichtet, die während der Flüge gereicht wurden. Die er aber recht nicht genießen konnte, weil er ständig gegen die Versuchung ankämpfte, die bereitliegende Brechtüte zu füllen.

          Fliegen hatte also etwas von einem Mysterium. Oder von einer Verheißung, die von Ohrwürmern wie Reinhard Meys Zeilen „Über den Wolken / Muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“ sprichwörtlich beflügelt wurde. Was für eine bittere Ironie, wenn man angesichts dermaßen überhöhter Erwartungen dann die erste Flugreise seines Lebens in Handschellen und in Begleitung eines bewaffneten Bewachers antreten muss.

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