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Petry und Pretzell : Aus dem Hass die Liebe

Eieiei, was seh’ ich da: Verliebte Blicke von Frauke Petry zu ihrem überraschend aufschauenden Freund Marcus Pretzell. Bild: dpa

Hass verbindet: In der AfD haben sich viele ineinander verliebt. So auch Frauke Petry und Marcus Pretzell. Grund für ihre Hochzeit ist ein Parteikollege, den beide überhaupt nicht mehr lieb haben.

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          Üblicherweise ist die AfD nicht als eine Partei bekannt, der man ein Karma von Zärtlichkeit unterstellen müsste. Ihre Funktionäre wettern gegen Muslime, „Altparteien“, Medien und Kirchen, überhaupt scheint nicht viel vonnöten zu sein, um ihren Zorn zu provozieren. Wie zum Vergnügen aller Dialektiker herrscht im Inneren der Partei aber oft eine andere Atmosphäre. Da ist auf Versammlungen eine große Innigkeit zu spüren, auch zwischen Männern und Frauen. Seit Gründung der Partei haben in der AfD viele Paare zueinandergefunden.

          Justus Bender

          Redakteur in der Politik.

          Immer waren diese Bündnisse auch Gegenstand politischer Taktiken: Wer mit wem zugange war, musste von Funktionären berücksichtigt werden, weil daraus Abhängigkeiten entstanden. Das wichtigste Beispiel ist die Beziehung der Parteivorsitzenden Frauke Petry zu dem nordrhein-westfälischen Landesvorsitzenden Marcus Pretzell. Am Donnerstag heirateten beide, im nächsten Jahr erwarten sie ihr erstes gemeinsames Kind. Und als wäre die Ironie dieser Liebe in einer aus Zorn entstandenen Partei nicht groß genug, trägt an der Beziehung ausgerechnet ein Funktionär eine Verantwortung, der heute nicht als größter Freund der beiden bekannt ist: Alexander Gauland.

          Wie diese Zeitung erfuhr, war es ausgerechnet der stellvertretende Bundesvorsitzende, der Petry einmal in einer Vorstandssitzung ansprach. Der damalige Vorsitzende Bernd Lucke hatte gerade wieder gegen seinen Intimfeind Pretzell gewettert. Sogar Petry schien wenig angetan von Pretzell. Gauland aber sagte zu ihr: „Setzen Sie sich doch mal mit Pretzell zusammen, das ist ein vernünftiger Mensch. Versuchen Sie doch mal, mit ihm zu reden. In der Auseinandersetzung mit Lucke können wir jeden Verbündeten gebrauchen.“ Petry setzte sich mit Pretzell zusammen und fand ihn nicht nur vernünftig, sondern sogar liebenswert.

          Bisweilen könnte Gauland also räsonieren, was er angerichtet hat. Sein Lager ist es, in dem die Verbindung von Pretzell und Petry kritisiert wird. Nicht weil es jemanden anginge, wohin die Liebe fällt, sondern weil die AfD-Vorsitzende nun zugunsten des nordrhein-westfälischen Landesvorsitzenden agiert. Solche Spannungen führten wohl auch dazu, dass Gauland, trotz seiner Rolle als rechtspopulistischer Amor, nicht zur Hochzeit der beiden eingeladen war.

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