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„Little Women“-Darstellerin Saoirse Ronan : „Starke Frauenfiguren allein reichen nicht“

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„In unserer Schule hatten Jungen und Mädchen zusammen Sportunterricht; diese Erfahrung hat mich zu einer Feministin gemacht“: Ronan im Oktober in Hollywood. Bild: Picture-Alliance

Die 25 Jahre alte Schauspielerin Saoirse Ronan ist auf der Leinwand erwachsen geworden. Im Interview spricht sie über extreme Gefühle und verrät, warum sie sich förmlich aufgedrängt hat, um die Hauptrolle in „Little Women“ zu bekommen.

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          In Paris wird gestreikt, als Saoirse Ronan dort im Dezember Interviews gibt. Der öffentliche Nahverkehr ist extrem eingeschränkt. Die automatisierte Metro-Linie 1 fährt zwar, aber die nächstgelegene Haltestelle ist doch relativ weit von dem Hotel entfernt, in dem das Interview stattfinden soll. Ein Taxi ist nicht in Sicht. Ohne ordentlichen Fußmarsch geht es also nicht. Das nervt – kurzfristig –, doch dann hebt die frische Winterluft die Stimmung. Auch Saoirse Ronan wirkt, als hätte sie an diesem Morgen bereits einen anregenden Spaziergang hinter sich. Mit leicht geröteten Wangen verkündet die 25-jährige Schauspielerin lachend: „I’m all bright-eyed and bushy-tailed“, was annäherungsweise so viel heißt wie: „Ich bin unschuldig wie der junge Frühling.“

          In „Little Women“, nach dem autobiographisch gefärbten Roman der Amerikanerin Louisa May Alcott von 1868/1869, der sich um Familie, Tugend und weibliche Unabhängigkeit dreht, spielt Ronan die talentierte und ehrgeizige Jo March, eine von vier recht unterschiedlichen Schwestern. Regisseurin und Drehbuchautorin Greta Gerwig, momentan sogar noch ein bisschen mehr angesagt als die angesagte Ronan, hat den Klassiker für die Leinwand adaptiert; der Film hat sechs Oscar-Nominierungen erhalten, unter anderem in den Kategorien „Bester Film“, „Bestes adaptiertes Drehbuch“ – und „Beste Hauptdarstellerin“: Saoirse Ronan.

          Ms Ronan, wie lassen Sie in Ihrer Phantasie eine Romanfigur aus dem 19. Jahrhundert lebendig werden?

          Das ist ganz automatisch beim Lesen passiert. Denn dabei habe ich mich Jo sehr nah gefühlt. Sie ist wie ich ein sehr engagierter Mensch. Sie liebt ihre Kindheit und hält sie in guter Erinnerung. Das kam mir sofort sehr bekannt vor. Denn mir geht es genauso. Ich habe es wie sie als Verlust empfunden, als ich erkennen musste, dass meine Kindheit vorbei ist. Und dieses Echo aus der Vergangenheit kann bis heute meine Arbeit beeinflussen.

          Sie haben sich Regisseurin Greta Gerwig förmlich aufgedrängt, um diese Rolle zu spielen. Warum diese Hartnäckigkeit?

          Das ist eigentlich nicht meine Art. Wissen Sie, Schauspieler haben eines mit Tänzern oder Athleten gemeinsam: Normalerweise schwanken wir ständig zwischen Selbstüberschätzung und Zweifeln. Dazwischen gibt es selten einen Gemütszustand. Wir sind fest davon überzeugt, dass wir eine Rolle spielen sollten, halten uns aber gleichzeitig für nicht gut genug. Auf der Bühne waren wir am Abend zuvor entweder grandios oder eine Katastrophe. Eigentlich ist es kein Wunder, denn im Grunde befinden wir uns ständig in einem großen Wettbewerb um Rollen. Alles ist immer sehr emotional, uns fehlt jegliche Objektivität in Bezug auf das, was wir machen. Aber diesmal habe ich es ganz anders erlebt, viel klarer als sonst.

          Sie hatten eine Art schauspielerische Erleuchtung?

          Ich wollte die Rolle unbedingt. Und meine Motivation war purer Egoismus. Ich musste Jo spielen, keine andere Schauspielerin sollte die Rolle kriegen. So konsequent bin ich ein Projekt noch nie in meinem Leben angegangen. Es hatte natürlich auch damit zu tun, dass Greta Regie geführt hat. Ich liebe sie, und sie liebt mich. Wir wussten, nach „Lady Bird“ würden wir weiter zusammenarbeiten. Aber ich habe ihr ganz klar gesagt: Entweder es ist diese Rolle, oder ich bin nicht dabei. Da hatte sie mir noch nicht einmal überhaupt eine Rolle angeboten. Ich weiß, das klingt jetzt ein bisschen arrogant, aber mein Antrieb war die Liebe für diesen Stoff. Diese Leidenschaft hat mich durch den ganzen Film getragen, auch wenn es manchmal schwierig war. Ich fühlte mich so dermaßen bereit, sie zu spielen.

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