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Elterngeld Plus : „Ohne Abitur nicht zu schaffen“

Väter wollen in Zukunft auch mehr Zeit mit den Kindern verbringen Bild: Frank Röth

Das „Elterngeld Plus“ soll jungen Paaren vom 1. Juli an mehr Zeit fürs Kind verschaffen, ohne dass die Karriere zu kurz kommt – Männern und Frauen. Bringt das was? Werdende Väter erzählen, wie sie ihre Elternzeit planen.

          Ralf, 42, Informatiker
          Geburtstermin: Ende Oktober

          Julia Schaaf

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das klassische Modell mit dem Elterngeld war ja bisher: Der Mann macht zwei Monate und die Frau den Rest. Ich glaube, meine Frau könnte sich damit sogar abfinden. Ich persönlich finde es nicht gut. Ich will auch Zeit mit unserem Kind verbringen und an der Entwicklung teilnehmen, und ich traue mir das auch zu. Wir überlegen deshalb, die Sache ein bisschen gerechter aufzuteilen. Vier bis sechs halbe Elternmonate, in denen ich dreißig Stunden arbeite, könnte ich mir locker vorstellen. Ich habe schon mit unserer Personalberatung gesprochen. Da wird Teilzeit sogar begrüßt. Außerdem befürworte ich es, wenn meine Frau schneller wieder in ihren Beruf zurückfindet, was ja das Hauptaugenmerk von diesem Elterngeld Plus ist. Ich finde das gut, weil Frauen sonst viele Nachteile haben, wenn sie ein Kind bekommen und zu Hause bleiben, man muss sich nur die Rentendiskussion anschauen. Aber es ist anstrengend, die neue Regelung zu durchblicken. Die Berechnung ist kompliziert, ohne Abitur schafft man das nicht. Soweit ich weiß, sind selbst die Behörden bisher nicht ordentlich geschult. Wir waren diese Woche extra bei einer Beratungsstelle. Es gibt da so einen wunderschönen Rechner auf der Internetseite, damit werden wir jetzt versuchen zu planen. Wie erreicht man zum Beispiel diese Bonusmonate? Das ist nämlich die Belohnung dafür, dass Mann und Frau die Elternzeit gerechter aufteilen. Das ist doch per se schon mal nicht schlecht.

          Die Wirklichkeit sieht anders aus

          Andre, 43, Umweltwissenschaftler
          Geburtstermin: Ende August

          Unser Traum als Paar wäre, dass wir beide eine Dreiviertelstelle hätten, wenn unser Kind ein Jahr alt ist: Zeit für die Familie, aber beide können arbeiten. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Weil wir beide an der Uni befristete Stellen haben, müssen wir gucken, wie die Jobsituation ist und wer überhaupt Arbeit hat. Am liebsten würde ich am Anfang und am Ende des ersten Lebensjahres jeweils zwei Monate Elternzeit nehmen. Weil das Geld in meinem Projekt nur bis Ende dieses Jahres reicht, werde ich besser gleich nach der Geburt vier Monate Elternzeit machen. Die Strategie dahinter: Ich verlängere meinen Job und gewinne nach hinten heraus Zeit, um neue Projektmittel einzuwerben.

          Leider habe ich mich mit dem Elterngeld Plus noch nicht genau beschäftigt. Falls es sich tatsächlich lohnt, parallel in Teilzeit zu arbeiten und Elterngeld zu bekommen, ist das für mich interessant.

          Ich wäre nicht in diesen Job gegangen, bei dem ich ständig um neue Verträge kämpfen muss, wenn mir meine Arbeit nicht wichtig wäre und Spaß machen würde. Ich will auch gerne mitentscheiden. Trotzdem möchte ich auch Zeit für meine Familie haben. Deshalb bewerbe ich mich gerade mit einem Kollegen, der schon Kinder hat und ebenfalls promovierter Umweltwissenschaftler ist, gemeinsam auf Professuren in unserem Bereich. Wir wollen uns die Führungsposition teilen. Wir argumentieren, dass wir sowohl im Beruf als auch in der Familie Verantwortung übernehmen wollen, während sich auch unsere Partnerinnen beruflich verwirklichen können sollen. Ich bin gespannt, was dabei herauskommt.

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