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Elektrische Roller in Paris: auch nur ein weiteres Verkehrsmittel, mit dem man sich arrangieren muss Bild: Helmut Fricke

Elektroroller in Paris : Wo bitte geht’s hier drunter und drüber?

Fahr doch mal nach Paris und guck, ob Elektroroller da für Chaos sorgen, lautete der Auftrag. Einen Tag später durchquerte unsere Autorin die Stadt an der Seine – mit Roller.

          8 Min.

          Da ist ja schon einer! Kaum bin ich aus einem x-beliebigen Ausgang der Gare de l’Est, eines großen Pariser Fernbahnhofs, getreten, steht eine „trottinette électrique“ vor mir, ein kleiner Elektrotretroller von der Sorte, die in Deutschland gerade Schlagzeilen macht, weil sie zur Förderung der Mobilität noch in diesem Sommer erlaubt werden könnten, sofern der Bundesrat zustimmt, manche Politiker und Fachleute aber Konflikte mit Fußgängern befürchten.

          Katrin Hummel
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ich halte die geöffnete „Lime“-App auf meinem Handy an den QR-Code, der sich am Lenker des Rollers befindet, und warte darauf, dass sich die Trottinette entsperrt. Aber nichts passiert, außer dass mich ein Taxifahrer anhupt, weil ich im Weg stehe. Irgendwann merke ich: Ich habe keinen Roller des kalifornischen Anbieters „Lime“ vor mir, dessen App ich auf mein Handy geladen habe, sondern einen seines Konkurrenten „Tier“. Tatsächlich tummeln sich in Paris, wo Elektrotretroller seit Sommer letzten Jahres erlaubt sind, gleich sieben Anbieter, die Roller verleihen. Ich laufe also los, um einen „Lime“-Roller zu suchen, und schon nach wenigen Schritten sehe ich ihn: groß, schwarz-grün, schwer und ziemlich verboten auf einem schmalen improvisierten Fußgängerweg abgestellt, der durch eine Baustelle führt. Wieder halte ich mein Handy an den QR-Code am Lenker, dann macht es zack – der Roller entsperrt sich –, und diesmal kann es wirklich losgehen. Gas gebe ich mit Hilfe der rechten Hand – immer, wenn ich die einzige Taste am Lenker drücke, geht es vorwärts. Bremsen kann ich mit links, mit einer Handbremse wie an einem Fahrrad.

          Die ersten paar hundert Meter sind noch recht wackelig, und ich habe ein bisschen Angst, weil ich keinen Helm trage und der Verkehr rund um den Bahnhof wirklich mörderisch ist an diesem Freitagmittag. Obwohl das in Frankreich seit neuestem verboten ist, fahre ich auf dem Bürgersteig – und keiner der vielen Fußgänger schert sich darum. Aber dann erreiche ich den Boulevard Magenta mit seinem Fahrradweg und gebe Gas. Leider bin ich aber trotzdem noch nicht schnell genug, immer wieder kommen Fahrräder und andere Rollerfahrer von hinten. Sie überholen mich selbstverständlich, indem sie auf den Bürgersteig ausweichen.

          Machen Roller nur Probleme?

          Die Trottinette, das merke ich schon fünfzehn Minuten nach meiner Ankunft in Paris, ist ein absolut normales Verkehrsmittel in der Stadt – auf zwei Fahrräder auf diesem Radweg kommt etwa ein Roller, und das ist auch kein Wunder, denn im vergangenen Jahr haben sich in Frankreich 233.000 Leute einen Elektrotretroller gekauft. Mehr als doppelt so viele wie 2017. Hinzu kommen Zigtausende Mietroller. Der kalifornische Verleiher „Bird“ spricht von 110.000 Nutzern seiner Roller in den letzten sechs Monaten, und Konkurrent „Lime“ verbucht laut Firmenstatistik im gleichen Zeitraum mehr als zwei Millionen Fahrten und 315.000 Nutzer in der französischen Hauptstadt.

          Angst vor Elektrorollern hat in Paris niemand – wird Zeit, dass die Deutschen sich locker machen.
          Angst vor Elektrorollern hat in Paris niemand – wird Zeit, dass die Deutschen sich locker machen. : Bild: Helmut Fricke

          Da sind zum Beispiel Chloé, 27, und Guillaume, 29, zwei Hotelangestellte aus dem 15 Kilometer entfernten nördlichen Vorort Sarcelles, die ihren freien Tag in Paris verbringen und verbotenerweise zu zweit auf einem Roller stehen: Guillaume vorne und Chloé hinter ihm. „Rollerfahren gefällt uns“, sagt Chloé. „Wir sind über der Erde statt in der Métro, und es geht schneller.“ Guillaume präzisiert: „Wir legen mit dem Roller einen Weg zurück, auf dem wir umsteigen müssten, wenn wir Métro fahren würden, und sparen dadurch eine Menge Zeit.“ Bestimmt zehnmal sind sie schon zusammen durch Paris gerollert – hat sich jemals jemand über sie beschwert? Weil sie zu zweit fahren oder so? „Nein“, sagt Guillaume, „die Roller stehen zwar überall rum, aber man muss sie halt gut am Rand parken und nicht mitten auf dem Weg.“

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