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„Eine ultimative Schnapsidee“ : Wie ein Militärflugzeug zum Ferienhaus wird

„Engel der Lüfte“: Die humanitäre Funktion der Transall will Dominik Weil beibehalten. Bild: Unternehmen

Am Dienstag landet ein Militärflugzeug auf dem Flugplatz Zweibrücken. Unternehmer Dominik Weil will es zu einem Ferienhaus umbauen. Wie es zu diesem Einfall kam und warum er acht Jahre dafür kämpfen musste – ein Interview.

          3 Min.

          Herr Weil, wie kommen Sie dazu, ein deutsches Militärflugzeug zu einem Ferienhaus umbauen zu wollen?

          Lorenz Hemicker
          Redakteur in der Politik

          Vor acht Jahren waren zwei Kameraden mit mir in Ostfriesland, beim letzten Flugtag der dort stationierten Phantom-Kampfflugzeuge. Ein inspirierender Ausflug, mit 100.000 Gästen auf dem Flugplatz. Auf der Rückfahrt fragten wir uns, was eigentlich mit Militärflugzeugen passiert, wenn sie nicht mehr gebraucht werden. Und als flugbegeisterter Reiseverkehrskaufmann dachte ich: Man könnte sich doch eigentlich so ein Teil kaufen und touristisch nutzen.

          Das klingt erst mal verrückt.

          Es war eine ultimative Schnapsidee. Aber das kommt davon, wenn Sie seit 42 Jahren in der Bütt stehen – ich bin aktiver Fastnachtler. Und verrückte Sachen retten mich vor Magengeschwüren. Ein bisschen durchgeknallt zu sein schadet also nicht.

          Als die ersten Transall 1968 in die Bundeswehr kamen, waren Sie ein Jahr alt…

          . . . stimmt zu 100 Prozent.

          Die letzten Transall werden von der Bundeswehr bis Mitte Dezember außer Dienst gestellt. Viele wandern auf den Schrottplatz. War die Luftwaffe froh, dass Sie eine ihrer alten Mühlen nehmen wollten?

          Ich habe erst gedacht: Oh Gott, du kannst nicht einfach hingehen und den Flieger kaufen. Aber der Institution Bundeswehr war das relativ egal, ob die Maschinen abgegeben oder verschrottet werden. Denn die Transall haben ihre Zeit ja gehabt und ihre Aufgaben bravourös gelöst.

          Dominik Weil
          Dominik Weil : Bild: privat

          Und was sagen Soldaten, die mit der Transall zu tun hatten?

          Vor zwei Wochen war ich beim Lufttransportgeschwader 63 in Hohn. Jeder Techniker, den ich dort kennengelernt habe, hat gestrahlt. Die dachten sich offenbar, da kommt so ein dahergelaufener Hunsrücker, der einen unserer Flieger tatsächlich davor bewahrt, zu einer Bierdose aus Alu zu werden. Das war Begeisterung hoch drei!

          Nun konnten Sie ja nicht mit einem Koffer Geld in der Hand zum Geschwader gehen wie in ein Autohaus und eine Transall kaufen. Acht Jahre hat es gedauert.

          Tatsächlich hatte ich die Zusage schon 2014 bekommen. Doch dann legte die Luftwaffe eine Pause ein und sonderte keine weiteren Maschinen mehr aus. Außerdem hieß es, ich bekäme keine Unterstützung beim Transport, was bedeutet hätte, dass ich mir die Transall direkt vom Fliegerhorst hätte abholen müssen.

          Wie das?

          Genau, im Handgepäck hätte ich sie kaum transportieren können. Ich bin aber drangeblieben. Und dann flog die Luftwaffe doch wieder einzelne Flugzeuge zu Museen und auf Flugplätze, die sich um sie beworben hatten. Das war für mich der Moment zu sagen: So, und jetzt gibst du noch mal richtig Gas, vielleicht klappt es ja doch. Und dann hat es ja auch geklappt.

          Und was haben Sie für Ihren 28 Tonnen schweren Militärtransporter am Ende bezahlt?

          Wenn Sie so wollen, klebt das Preisschild noch drauf. Denn meine Transall hat die Kennung 50+79. Ich habe das Kreuz durch eine Null ersetzt. Das war mein Gebot.

          50.079 Euro?

          Richtig. Und ich wollte mir die beste Maschine aussuchen dürfen. Die Bundeswehr hat dann gesagt: Ist okay.

          Klingt doch fast wie beim Autohändler.

          Nein, das Geld ist nur ein Aspekt. Die schauen sich schon sehr detailliert das Konzept an, sprich: Ich musste eine vernünftige Verwendung, einen geeigneten Aufstellungsort und einen geeigneten Flugplatz nachweisen.

          Jetzt landet die Transall am Dienstag in Zweibrücken und wird dort dauerhaft geparkt. Bauen Sie sie direkt um?

          Als Erstes geht noch mal eine Gruppe aus fünf Technikern der Bundeswehr an Bord. Die werden drei Tage lang die Transall entmilitarisieren. Das heißt, die holen anhand einer 40 Positionen langen Liste Objekte und Gegenstände raus. Elektronische Komponenten etwa, auch Pyrotechnik, Feuerlöscher und die Zündboxen für die Triebwerke.

          Fallen im Rahmen Ihrer Umbauarbeiten noch Souvenirs für Sammler ab?

          Nicht viele. Der Flieger soll so original wie möglich erhalten bleiben – mit den Rohrleitungen, den Verkleidungen und dem Cockpit, das für unsere großen und kleinen Gäste zugängig bleibt. Die können dann Pilot spielen. Wenn alles klappt, werden wir auch einen Flugsimulator einbauen.

          Im Originalzustand ist die Transall allerdings alles andere als gemütlich: vorne heiß, in der Mitte laut, hinten kalt. Wie machen Sie das Flugzeug komfortabel?

          Das fängt bei der Technik an: Heizung, Lüftung und Kühlung werden auf den Stand eines Ferienhauses gebracht. Hinzu kommt die Elektronik. Es werden komplett neue Leitungen gezogen.

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          Eine anständige Toilette wäre an Bord einer Transall eine echte Sensation.

          Die kommt! Ich kann zwar mit einem Hammer nichts anfangen, habe aber schon Fachleute fast aller Gewerke aus der Region mit an Bord. Um die Schreinerarbeiten kümmert sich mein Sohn Ben­jamin, der macht gerade seinen Meister.

          2023 sollen erste Gäste an Bord gehen. Das klingt sportlich, angesichts von Baustoffknappheit, Pandemie und einem exotischen Baugenehmigungsverfahren.

          Bis kommenden Sommer wird der Flieger noch für verschiedene andere Zwecke auf dem Flugplatz genutzt werden: für Festivals etwa und als Übungsobjekt für die Flughafenfeuerwehr Zweibrücken. Ich habe also noch acht Monate Zeit für das Detailkonzept. Danach, so hoffe ich, werden uns die Baustoffknappheit und die Pandemie nicht mehr behindern.

          Wenn im Sommer 2023 die ersten Gäste tatsächlich kommen sollten – was wird Sie das ganze Projekt gekostet haben?

          Ich rechne mit 200.000 Euro, zuzüglich des Kaufpreises, ohne Förderprogramme.

          Wollen Sie künftig noch weitere Transalls davor retten, zur Bierdose zu werden?

          Leider ist das die letzte verfügbare Transall. Aber einen ausgedienten Transporthubschrauber, eine CH 53, nähme ich schon gerne. Es gibt Hunderttausende Fans in Deutschland. Aber es geht mir dabei nicht allein ums Geld. Die Transall war ein „Engel der Lüfte“, der zahlreichen Menschen das Leben gerettet hat. Auch das soll so bleiben.

          Wie wollen Sie dafür sorgen?

          Für traumatisierte und verletzte Soldaten sowie ihre Familien wird die Transall kostenlos als Ferienhaus zur Verfügung stehen. Auch für Corona-Helden, die in den vergangenen Monaten alles gegeben haben. Die Maschine mag nicht mehr fliegen, aber ihre humanitäre Mission wird sie fortführen. Auch als Ferienhaus.

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